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Solingen: Keine Klasse 5 in Ohligs

Solingen : Keine Klasse 5 in Ohligs

Angesichts der sieben Anmeldungen wird die Hauptschule Ohligs zum Sommer keine Eingangsklasse mehr bilden. Unterdessen weitet sich die Hauptschulschließungs-Debatte zur Diskussion über die vierte Gesamtschule aus.

Die magische Zahl sind 18 Kinder, die mindestens in einer Schulklasse sitzen sollen. Es ist ein unerreichbares Ziel für die Hauptschule Ohligs. "Mit sieben angemeldeten Kindern können wir keine Klasse bilden", berichtete Claus Friedhof, verantwortlich für die Schulaufsicht der Hauptschulen, gestern unserer Zeitung. Folge: In Ohligs werden nach den Sommerferien keine Fünftklässler eingeschult. Die Eltern der sieben Kinder werden nun aufgefordert, den Sohn oder die Tochter an einer anderen Hauptschule anzumelden. Friedhoff: "Wir wünschen uns, dass sie nach Höhscheid gehen", denn mit 15 Anmeldungen liege diese Hauptschule knapp unter der Klassengrößen-Richtschnur.

Schulen werden geschlossen

Zum Sommer 2013 sollen laut Sparpaket der Stadtverwaltung die Hauptschule Ohligs und ein Jahr später die Hauptschule Krahenhöhe geschlossen werden. Für den ehemaligen Schulausschuss-Vorsitzenden Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver (SPD) bietet dies allerdings die Chance für weitere Gesamtschulplätze: "Das bringt die Idee nahe, die Hauptschulgebäude oder Teile der Gebäude umzuwandeln." SPD-Schulpolitikerin Iris Preuß-Buchholz hatte jüngst im Schulausschuss bereits einen Prüfauftrag gestellt, der genau in diese Denkrichtung geht.

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Das Reizthema vierte Gesamtschule ist damit vollends im Landtagswahlkampf angekommen. Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver geht davon aus, dass die FDP als Gesamtschul-Bremser ab dem 9. Mai nicht mehr in der Landesregierung sein wird. Am restriktiven Kurs in der Schulpolitik wird sich dann etwas ändern, unterstreicht der SPD-Mann. FDP-Landtagskandidatin Gabriele Reimers, aber auch Patrick Lauterbach, Schulpolitiker der Liberalen, kritisieren unterdessen "das reflexhafte ideologisch bedingte Rufen nach der vierten Gesamtschule". "Wenn die Genossen weiter versuchen, ihre Gesamtschule durchzudrücken", sei das nach wie vor sinnlos, betont Lauterbach.

Der 33-Jährige hält jedenfalls nichts davon, "jetzt die Debatte vom Zaun zu brechen, eine zu schließende Hauptschule zur Gesamtschule umzufunktionieren". CDU-Schulpolitikerin Nicole Molinari wertet dies ebenso. "Die vierte Gesamtschule mag sich im Landtagswahlkampf schön anhören." Fakt sind nach ihren Worten aber die zurückgehenden Schülerzahlen sowie die von der Verwaltung im Sparpaket empfohlene Schließung der Hauptschulen Ohligs und Krahenhöhe. Wer stattdessen Alternativ-Vorschläge unterbreite, müsse zwingend die Gegenfinanzierung benennen und darlegen, wo das Geld dann herzunehmen sei, erklärte Molinari.

Für Michael Seiffert, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW, greift das Gedankenspiel der Umwandlung einer Hauptschule in eine Gesamtschule ohnehin viel zu kurz. "Wir brauchen dringend ein längeres, gemeinsames Lernen", plädiert der Grundschulrektor. "Das geht über die vierte Gesamtschule hinaus."

(RP)