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Solingen: Kein Streichkonzert

Solingen : Kein Streichkonzert

Die Politik fordert Einsparungen bei den Verkehrsbetrieben. Das Defizit soll auf 6,5 Millionen Euro sinken. Conrad Troullier, Chef der SWS-Tochter stellt klar, dass das Busnetz kein finanzpolitisches Wunschkonzert ist.

Keine Frage, die Solinger Verkehrsbetriebe stehen vor großen Herausforderungen. Die Kunden wollen gute Verbindungen, die Politik will gute Zahlen. Ein Gespräch mit Verkehrsbetriebe-Chef Conrad Troullier über Fahrpläne, Sparpläne und Perspektiven.

Herr Troullier, wie war's heute morgen im Bus? Haben Sie auf der Fahrt ins Büro einen Sitzplatz bekommen?

Troullier (lacht) Ehrlich: Ins Büro fahre ich meist mit dem Auto. Aber natürlich nutze ich unsere Linien in der Freizeit. Immerhin gehört Solingen zu den Städten, deren gesamtes Gebiet sehr gut erschlossen ist. Da kommt man immer an.

Dass sehen aber einige Kunden anders. Als Sie den neuen Nachtexpress einführten, hagelte es Kritik.

Troullier Damit haben wir gerechnet. Es ist ja immer so, dass sich die Leute an Neuerungen gewöhnen müssen. Aber inzwischen haben unsere Kunden den neuen Fahrplan angenommen. Sie dürfen nicht vergessen, dass plötzlich ganz andere Leute den Nachexpress benutzen. Früher waren es hauptsächlich Jüngere, jetzt sind es auch Besucher des Marktes, die Samstag morgens in die Innenstadt fahren.

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Und die sich über die Anbindung beschwerten.

Troullier Alles Gewöhnungssache. Wie gesagt, nach der Umstellung gab es Irritationen. Aber die sind ausgeräumt. Jedenfalls erreichen uns keine Beschwerden mehr. Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Umstellung auf einen Tag- und einen Nacht-Fahrplan auch politisch gewollt war.

Ihr Beitrag zur Haushaltssicherung.

Troullier Richtig ist, dass wir mit der Stadt vereinbart haben, das Defizit der Verkehrsbetriebe auf 7,5 Millionen Euro zu drücken. Und hier sind wir durch den neuen Fahrplan auf gutem Weg. Zur Zeit liegen wir bei rund 7,7 Millionen Euro. Ich gehe davon aus, dass wir die Zielvereinbarung im Geschäftsjahr 2007/08 erreichen werden.

Wobei es aus der Politik eine neue Zielvorgabe gibt, die von einem jährlichen Defizit von nur noch 6,5 Millionen Euro spricht.

Troullier Schon richtig, aber Sie haben es ja gesagt — hierbei handelt es sich um eine Zielvorgabe. Da wird man sehen müssen, wie sich so etwas mittelfristig realisieren lässt.

Aber Gedanken werden Sie sich schon gemacht haben!

Troullier Klar ist, dass Einsparungen auf mehreren Säulen stehen müssen. Da wäre zum Beispiel der Stadtwerkeverbund, in dem ein Potenzial von 500 000 Euro steckt.

Und es bestünde natürlich die Möglichkeit, beim Personal zu sparen und Verbindungen zu streichen.

Troullier Na, so schnell geht das nicht. Es stimmt ja, dass dies die beiden anderen Bereiche sind. Nur um es klipp und klar zu sagen: Wir planen keine Kürzungen im Angebot. Außerdem ist hierfür der Stadtdienst Mobilität verantwortlich.

Mit dem Sie sich abstimmen müssen.

Troullier Ja. Aber noch mal: Ein Streichkonzert steht nicht auf der Agenda. Was nicht heißt, dass es keine Veränderungen gibt. Das Gleiche gilt fürs Personal. Sicher sind auch in diesem Bereich Einsparungen denkbar. Doch das gilt auch für die Materialkosten.

Bis wann könnten sie denn die Zielvorgabe 6,5 Millionen Euro erreichen?

Troullier Gut das Sie es ansprechen. Wir reden hier über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Also, es wird nichts übers Knie gebrochen. 300 000 Euro bringt der neue Fahrplan, und über die restlichen 700 000 muss man sich eben Gedanken machen.

Gedanken machen Sie sich auch über eine Verlängerung der Linie 683.

Troullier Stimmt! In diesem Jahr werden wir zum Beispiel die Strecke in Burg von der Drehscheibe durch den Ort verlängern. Zwar nicht mit einer neuen Oberleitung, dafür aber mit Dieselantrieb. Immerhin bekommen wir im Jahr 2009 ja 15 neue Obusse. Dafür werden wir einige Haltestellen ausbauen.

Was kosten die Maßnahmen — und wann wird's was mit der Verlängerung in Vohwinkel?

Troullier Rund 400 000 Euro. Und in Vohwinkel planen wir mittelfristig eine Verlängerung zur Schwebebahn. Da stehen wir in Gesprächen. Dazu kommt, dass wir die Freizeitlinie 687 verbessern wollen. Die lief schon im ersten Jahr wirklich gut. Jetzt geht es darum, die Kostendeckung von derzeit 50 Prozent zu erhöhen.

Sie sind also gerüstet?

Troullier Wir sind nicht bange. Natürlich hat die neue EU-Verordnung Auswirkungen auf die Ausschreibung. Aber bis 2015 haben wir Planungssicherheit. Wir fürchten uns nicht vor Wettbewerbern.

Martin Oberpriller führte das Gespräch

(RP)