1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen

Ostern Aus Dem Ei Gepellt: Kehraus in der Solinger Innenstadt

Ostern Aus Dem Ei Gepellt : Kehraus in der Solinger Innenstadt

Jeden Tag sorgen die Mitarbeiter des städtischen Reinigungsdienstes dafür, dass die Klingenstadt ein schönes Bild abgibt. Um ihren Job müssen sich die Männer in Orange nicht sorgen. Der Müll auf den Straßen fällt immer wieder aufs Neue an.

Wer positiv denkt, hat mehr vom Leben. Die vier Männer in den grell-orangefarbenen Jacken lassen sich jedenfalls den Optimismus nicht nehmen — und auch nicht die Hoffnung. Irgendwann müssen ihre Mitmenschen doch einmal vernünftig werden. Dann werden die Solinger den Müll nicht mehr einfach wegwerfen. Und irgendwann, vielleicht schon heute, wird sich auch mal wieder jemand bei den Männern in Orange für ihre Arbeit bedanken, die einer wahren Sisyphusarbeit gleicht — und mit der die vier trotzdem jeden Morgen immer wieder aufs Neue beginnen.

Luciano Paterno, Udo Wittrin, Bernd Strickhausen und Michele Mendola sind Mitarbeiter des städtischen Reinigungsdienstes. Es ist jetzt halb neun Uhr morgens. Ein strahlend blauer Himmel lässt trotz frostiger Temperaturen auch die ansonsten eher unansehnlichen Ecken in der Solinger Innenstadt in einem milden Licht erscheinen. Und vielleicht liegt es ja daran, dass den vier Straßenreinigern heute noch niemand dumm gekommen ist.

Im Gegenteil — zwei ältere Damen treten freundlich zur Seite, als sie die vier Männer kommen sehen. "Die meisten Leute sind nett", sagt Luciano Paterno. Er und seine Kollegen haben rund die Hälfte ihrer Tour durch die City hinter sich. Der Neumarkt "glänzt" dank des Quartetts schon wieder wie aus dem Ei gepellt. Vom Busbahnhof geht es nun mit Schaufeln und Fegern Richtung Fronhof. Auch Dankeschöns hätten er und die anderen bereits bekommen, sagt Paterno im Laufen. Nur mit Betrunkenen gebe es manchmal Schwierigkeiten.

Die schlafen aber an diesem Morgen offensichtlich noch ihren Rausch aus, so dass von dieser Seite kein Ungemach droht. Die Hinterlassenschaften nächtlicher Feiern sind jedoch sehr wohl sichtbar. Irgendwer hat in der Nähe der Stadtkirche beispielsweise eine Bierflasche weggeworfen. Und das ist auch der Grund, weshalb sich der zweite Wunsch der städtischen Reinigungskräfte wahrscheinlich nie erfüllen wird.

Zweimal pro Tag laufen Luciano Paterno, Udo Wittrin, Bernd Strickhausen und Michele Mendola ihre Tour durch die City. Neumarkt, Alter Markt, Fronhof, dann die Hauptstraße, weiter über die Goerdelerstraße bis Werwolf — und das gleiche noch einmal, ehe es später in die Gegend am Rathaus geht: Essensreste, Kippen, Verpackungen, Glasscherben, aber auch schon ganze Wohnungseinrichtungen mussten die vier Reinigungskräfte von den Straßen holen.

"Müll fällt immer wieder aufs Neue an", sagt Bernd Strickhausen, der es wissen muss. Denn Strickhausen macht seinen Job — wie die Kollegen auch — schon seit Jahrzehnten. Jetzt, in den Osterferien, ist eigentlich eine gute Zeit. Es sind nicht so viele Menschen wie sonst in der Innenstadt unterwegs. So fehlen zum Beispiel die Schulkinder, die normalerweise für reichlich Arbeit am Busbahnhof sorgen. Und dementsprechend müssen von den Männern zurzeit weit weniger Abfälle eingesammelt werden.

Dafür macht dem Quartett aber die ungewöhnliche Kälte zu schaffen. Nicht nur, dass die Finger nach einer Drei-Stunden-Tour durch die Innenstadt trotz dicker Handschuhe kaum noch zu spüren sind. Wegen der augenblicklichen Minustemperaturen müssen die Männer ihre Kehrmaschinen im Depot lassen. "Die funktionieren nämlich mit Wasser", klärt Luciano Paterno auf. Und das wiederum würde in diesem Frühling, der keiner ist, sofort einfrieren.

Also frieren bis auf Weiteres allein die Straßenreiniger — für die sich die Arbeit wegen der fehlenden maschinellen Unterstützung auch noch zu einer echten Knochenarbeit entwickelt. Alles muss zusammengefegt werden, dann wird der Müll mit einer Schippe aufgenommen und landet schließlich in einer großen Mülltonne.

Mehrere dieser Tonnen kommen auf einer Tour zusammen. An Silvester und Karneval, wenn noch mehr Abfall als sonst auf den Straßen liegt, kann sich die Tonnenzahl sogar vervielfachen. Das sind die Tage, an denen Paterno, Wittrin, Strickhausen und Mendola Überschichten schieben müssen.

Davon ist heute aber keine Rede. "Gegen 14.30 Uhr machen wir Feierabend", sagt Udo Wittrin. Sechseinhalb Stunden sind er und seine Kollegen dann wieder unterwegs gewesen. Vielleicht wird sich ja nachher noch einmal jemand für die Arbeit der vier bedanken, die täglich dafür sorgen, dass Solingen schön ausschaut.

Die Hoffnung soll man schließlich nie aufgeben. Und wenn nicht? Auch egal, morgen ist auch noch ein Tag. Die vier Männer werden dann wieder da sein — und der Müll sicherlich auch.

(RP)