Solingen : Kay Lieker hilft Behinderten
Solingen Kay Lieker aus Solingen ist trotz eigener Behinderung weltweit aktiv, um anderen Behinderten zu helfen. Im Oktober reist er für ein Jahr nach Thailand.
Von Geburt an auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein ist für viele Menschen ein schwer vorstellbares Schicksal. Für Kay Lieker ist es Realität. Er ist 25, studiert Politikwissenschaften in Berlin und leidet seit seiner Geburt an spastischer Tetraplegie, ausgelöst durch einen Sauerstoffmangel zwölf Stunden nach seiner Geburt. Seit dem funktioniert sein Gleichgewichtsorgan nicht mehr richtig, und er ist daher auf einen Rollstuhl angewiesen. Kay Lieker hat seine Behinderung akzeptiert und sieht in seinem Leben keine Einschränkungen. "Meine Behinderung hat mich nie daran gehindert, etwas zu machen."
Vorliebe für Asien
Neben seinem Studium ist Kay Lieker ehrenamtlich aktiv. Er ist Flugbegleiter für Jugendliche, die ins Ausland reisen. Erfahrungen mit Auslandsreisen hat Kay Lieker viele. Seine Vorliebe für Asien und den Pazifikraum ließ ihn bereits 2004 einen sechsmonatigen Austausch in Australien absolvieren. Eines seiner größten Erlebnisse in dieser Zeit: Der Tauchgang im Great Barrier Reef. Besonders fasziniert ist er auch von der Mentalität und Offenheit der Australier. "Bis ich in Australien jemanden um Hilfe gefragt habe, stehen schon vier Leute um mich herum, die mir helfen wollen. Hier in Deutschland sind die Menschen viel zurückhaltender."
Eigenes Projekt in Thailand
Für Kay Lieker geht die Reise im Oktober weiter. Er geht für ein Jahr nach Thailand. Im Rahmen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung startet das Pilotprojekt "all inklusive" für Jugendliche weltweit in Kooperation mit "bezev", einem Verein für Behinderte. Kay Lieker ist einer der Teilnehmer, die sich der Herausforderung in Thailand stellen. Eines der größten Probleme: Die Fortbewegung mit dem Rollstuhl in einem Land, dessen Infrastruktur nur wenig ausgebaut ist. Kay Lieker aber ist sich sicher: "Ich gucke vor Ort, wie es funktioniert. Es wird sich eine Lösung finden." Auf die Aufgaben, die ihn in Thailand erwarten, freut sich Kay Lieker. "Ich arbeite für eine Organisation, die sich für die Rechte für behinderte Menschen einsetzt. Zu Beginn werde ich die Arbeit kennenlernen und Newsletter erstellen." Später wird Kay Lieker vielleicht sogar ein eigenes Projekt in Thailand leiten.
Sein größter Wunsch für sein Auslandsjahr: Die Lebensumstände für Behinderte in Thailand verbessern. Thailand sei in seiner Entwicklung Behinderten gegenüber längst nicht so weit wie Deutschland. Dennoch könne man nur Denkanstöße geben und nicht ein ganzes System ändern.
"Man kann Thailand nicht einfach deutschen Maßstäben anpassen. Wenn Grundlagen geschaffen werden, verbessert sich für die Behinderten in Thailand schon viel," sagt Kay Lieker. Denn was in Deutschland kleine Schwierigkeiten sind, sind in Thailand Luxusprobleme.
Herausforderungen, das weiß Kay Lieker, gehören zu seinem Leben dazu: "Es sind Herausforderungen, aber nichts, wovor man Angst hat."