Solingen: Kaufte Robert B. Ausrüstung für Kampf?

Solingen : Kaufte Robert B. Ausrüstung für Kampf?

Der offenbar in Syrien ums Leben gekommene Islamist bestellte Globetrotter-Ausrüstung und zahlte nicht. Bei Obi stahl er einen Bolzenschneider. Die Räume der verbotenen Millatu Ibrahim Moschee sind seit eineinhalb Jahren verweist.

Bis zum Sommer 2012 ist der 26-jährige Robert B. in seiner Heimatstadt Solingen immer wieder aufgefallen. Es sind Kleinigkeiten, doch bei der Staatsanwaltschaft sind zwei Verfahren bekannt, wegen der sich der immer mehr in die radikale Salafistenszene abgetauchte junge Mann hätte vor Gericht verantworten müssen.

Mehrfach gab es Razzien, bei denen auch zivile Kräfte der Polizei beteiligt waren und sich in den Räumen der seit eineinhalb Jahren geschlossenen Moschee der Salafisten genauer umsahen. Foto: Mak (Archiv)

So hat er am 18. August bei Globetrotter in Hamburg Campingausrüstung, eine Tasche und einen Schlafsack der Firma Jack Wolfskin bestellt und die Rechnung über 274,65 Euro nicht bezahlt, sagt Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert auf Anfrage. Am 23. August folgte eine weitere Bestellung bei dem Outdoor-Ausrüster, die jedoch nicht ausgeliefert wurde, weil die vorausgegangene Rechnung noch nicht bezahlt war. Diese Ausrüstungs-Gegenstände könnte er für seine bevorstehende Reise benötigt haben. Denn kurz darauf verschwand er in Richtung Naher Osten.

Außerdem wurde Robert B. zweimal beim Ladendiebstahl erwischt, einmal, als er bei Obi einen Bolzenschneider entwendete, ein anderes Mal beim Diebstahl von Smoothies in einem Edeka-Laden. Verantworten müssen wird er sich wohl nicht mehr. "Wir haben erste polizeiliche Erkenntnisse, dass er wohl tot ist", sagt Wolf-Tilman Baumert.

An den gewalttätigen Ausschreitungen am 1. Mai vor dem Solinger Rathaus war der 26-Jährige nicht beteiligt, obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt noch regelmäßig in der Millatu-Ibrahim-Moschee aufhielt. "Es gibt derzeit noch 15 offene Verfahren rund um den 1. Mai", sagt Oberstaatsanwalt Baumert. 34 Anklagen fallen in die Zuständigkeit des Solinger Amtsgerichts, eine Anklage wurde vor dem Landgericht erhoben. 13 Urteile sind bisher ergangen. Nach den Ausschreitungen am 1. Mai, die sich um die Kundgebung von Pro NRW und die gezeigten Mohammed-Karikaturen entwickelt hatten, ist es nach Auskunft der Staatsanwaltschaft in der Solinger Salafisten-Szene ruhig geworden. Geradezu still ist es auch in dem kleinen, unscheinbar wirkenden Anbau in einem Hinterhof an der Konrad-Adenauer-Straße geworden. In diesem hatten die Salafisten ihre Moschee — ein Versammlungsraum, in dem Robert B. nicht nur seine geistige Heimat fand, sondern zeitweise sogar wohnte. Im Zuge einer Großrazzia der Polizei ist die Millatu Ibrahim Moschee im Juni 2012 geschlossenen worden. Bis heute ist der Anbau verwaist. Seit eineinhalb Jahren ist noch immer kein neuer Mieter eingezogen. Hinter einem Fenster stapeln sich Säcke mit Gerümpel. Aus der einstigen Versammlungsstätte der radikalen Islamisten sind Abstellräume geworden. Geblieben ist ein alter, vergessener Aufkleber mit arabischem Schriftzug an der Tür.

Was ist aus den Salafisten geworden? Viele sind — wie auch Robert B. — ins Ausland gegangen, sagt Oberstaatsanwalt Baumert. Gleichwohl sind nach seinen Worten einige der Salafisten weiterhin in Solingen.

Anne Wehkamp ist Integrationsbeauftragte der Stadt. Ihr Eindruck: Die hiesigen Moscheegemeinden, die freilich nicht mit den Salafisten verwechselt werden dürfen, sind sehr an einem Dialog interessiert. Sie stehen dem Problem der radikalen Strömungen äußerst wachsam gegenüber und distanzieren sich deutlich von den Salafisten.

Nach Wehkamps Worten zeigt dies auch die bereits vor zwei Jahren verfasste gemeinsame Erklärung der Stadt gegen radikal-islamistische Botschaften, unterschrieben vom Oberbürgermeister und über 1000 weiteren wie den muslimischen und christlichen Gemeinden, Schulen, Vereinen sowie vielen Gruppen und Einzelpersonen.

(RP)
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