Innenstadt: Kaufhof-Aus löst handelstechnisches Erdbeben aus

Innenstadt : Kaufhof-Aus löst handelstechnisches Erdbeben aus

Es ist eine Hiobsbotschaft und ein Tiefschlag für die Solinger Innenstadt: Galeria Kaufhof wird im kommenden Frühjahr die Filiale an der Hauptstraße schließen. Auf einer Verkaufsfläche von 7400 Quadratmetern droht neuer Leerstand.

Die Nachricht erreichte Solingen zur Mittagszeit um genau 11.58 Uhr und umfasste lediglich eine DIN-A4-Seite. Doch der Inhalt des Schreibens aus der Zentrale des Kölner Kaufhof-Konzerns hatte es wahrlich in sich und löste noch gestern regelrechte Schockwellen in der Klingenstadt aus. Denn wie nun bekannt geworden ist, wird mit Galeria Kaufhof bereits im kommenden Jahr das letzte große Kaufhaus der Solinger City für immer den Rücken kehren.

Nach 91 Jahren am Standort wird die Kette zum 31. März 2019 ihr Haus im Bereich der oberen Hauptstraße schließen. Dies habe der Aufsichtsrat des Konzerns auf seiner Sitzung am Donnerstag festgelegt, hieß es vonseiten des Unternehmens, das für seine Entscheidung sowohl allgemeine wirtschaftliche Gründe, als auch die Leerstände in der Solinger Innenstadt ins Feld führte.

Betroffen sind insgesamt 37 Mitarbeiter, für die jetzt "sozialverträgliche, innovative Lösungen gefunden werden" sollen, wie ein Kaufhof-Sprecher am Freitag betonte. Dabei ist Solingen nicht der einzige Standort, von dem sich der Warenhauskonzern trennt, der seit dem Jahr 2015 ein Teil der kanadischen Hudson's Bay Company ist und schon seit längerer Zeit mit sinkenden Umsätzen beziehungsweise mit roten Zahlen zu kämpfen hat. So steht auch die Kaufhof-Niederlassung im oberfränkischen Hof vor dem Aus.

Ein Umstand, der in der Klingenstadt allerdings niemanden zu trösten vermag - zumal der Schließungsbeschluss Stadtverwaltung und Politik gestern vollkommen unvorbereitet traf. Im Rathaus reagierten die Verantwortlichen entsprechend "verärgert" auf das neuerliche handelstechnische Erdbeben in der Innenstadt. "Das Aus von Kaufhof ist ein Verlust", sagte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter in einer ersten Reaktion auf die Hiobsbotschaft.

Für Empörung sorgte vor allem die Vorgehensweise des Konzerns. So hätten bis Freitag bei der Verwaltung keinerlei "Informationen über die aktuelle Entwicklung" vorgelegen, teilte die Stadt mit. Und auch den Besitzer der Kaufhof-Immobilie, Dr. Jochen Stahl, erwischte die Ankündigung auf dem falschen Fuß.

Er sei "tief enttäuscht", ließ Stahl wissen, dem zudem die Clemens-Galerien gehören. Der Zeitpunkt der Kaufhof-Mitteilung sei mit ihm nicht abgestimmt gewesen, unterstrich Stahl, der betonte, angesichts der Gespräche in den vergangenen Wochen dennoch vorbereitet zu sein. Es werde Ersatz für die Kaufhof-Flächen geben. Stahl: "Letztlich sind wir nicht unglücklich, dass ein Unternehmen mit einer derart schlechten Performance im Handelsbereich diesen Standort verlässt".

In der Politik herrscht hingegen weniger gute Laune. So sprach der Vorsitzende des Planungsausschusses, Bernd Krebs (CDU), am Freitag von einer "katastrophalen Nachricht". Und CDU-Fraktionschef Carsten Voigt wertete das Ende von Kaufhof als "schweren Schlag". Kaum sei mit der Ansiedlung von Intersport Borgmann in den Galerien vor einigen Wochen ein "positives Signal" ausgesendet worden, werfe die Kaufhof-Schließung die Gegend am Mühlenplatz jetzt wieder zurück.

Ihm täten in erster Linie die Mitarbeiter leid, sagte Voigt. Nun sollte die Stadtspitze versuchen, Kaufhof vielleicht doch noch umzustimmen. Bei der Union besteht nämlich die Befürchtung, dass das Warenhaus-Aus einen "Domino-Effekt" auslöst. Beispielsweise sei denkbar, dass in Zukunft das benachbarte Modehaus P&C ebenfalls in Gefahr gerate. Dementsprechend dürfe es keine "Denkverbote" geben.

Die Stadt will jetzt "intensiv" an Perspektiven arbeiten. Schon gestern fand mit Immobilien-Besitzer Jochen Stahl ein erstes Gespräch zum weiteren Vorgehen statt.

(or)