Solingen: Karstadt schließt — endgültig

Solingen: Karstadt schließt — endgültig

Die Karstadt Immobilien AG hat das Kaufangebot des Investors HLG angenommen. Das Warenhaus am Dreieck ist am 31. August 2008 Geschichte – 120 Mitarbeiter verlieren ihren Job. HLG will das Projekt "Hofgarten" realisieren.

Die Karstadt Immobilien AG hat das Kaufangebot des Investors HLG angenommen. Das Warenhaus am Dreieck ist am 31. August 2008 Geschichte — 120 Mitarbeiter verlieren ihren Job. HLG will das Projekt "Hofgarten" realisieren.

Die schlechte Nachricht erreichte Oberbürgermeister Franz Haug bereits am Donnerstagabend. Karstadt-Finanzvorstand Jan-Christoph Maiwaldt kündigte dem Verwaltungschef telefonisch an, dass der Warenhausbetrieb Ende August dieses Jahres eingestellt wird. Karstadt habe das Kaufangebot des Investors HLG aus Münster angenommen. "Karstadt will Arbeitsmöglichkeiten in anderen Filialen für die Mitarbeiter finden", erklärte Haug mit Blick auf die 120 Beschäftigten. Er sieht den Konzern hier auch in der Pflicht, für die Mitarbeiter zu sorgen.

Karstadt selbst kündigte darüber hinaus an, sich in den anstehenden Verhandlungen über Sozialplan und Interessenausgleich mit dem Betriebsrat dafür einzusetzen, "dass unvermeidlich notwendige betriebsbedingte Kündigungen mit zusätzlichen, sozialverträglichen Maßnahmen flankiert werden können, beispielsweise durch Altersteilzeit oder Qualifizierungsmaßnahmen zur Vorbereitung auf neue Arbeitsplätze" — auch im neuen Einkaufszentrum von HLG.

500 neue Arbeitsplätze

Der Investor aus Münster will am Graf-Wilhelm-Platz ein "modernes innerstädtisches Einkaufszentrum" realisieren. Projektname ist nach Informationen der Morgenpost "Hofgarten". 500 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Nach der Schließung des Warenhauses soll das Projekt in Angriff genommen werden: Auf 13 000 Quadrameter Fläche sollen Einzelhandel, Freizeitmöglichkeiten, Bars und Restaurants untergebracht werden. 3000 Quadratmeter sind für Büros vorgesehen. Das Angebot im "Hofgarten" komplettieren 700 Parkplätze.

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Das alles lässt auf einen Komplettabriss der Karstadt-Immobilie schließen. Erster Beigeordneter Hartmut Hoferichter wollte sich dazu indes noch nicht konkret äußern: "Komplett- oder Teilabriss — das steht zurzeit noch nicht verbindlich fest."

Einstellen müsse man sich in der City indes auf eine längere Bauphase: "Zunächst muss erst der Bebauungsplan konkretisiert und der Planungs- und Nutzungsstand dargestellt werden", erläuterte Hoferichter. Er geht davon aus, dass im Herbst 2010 das neue Einkaufszentrum am Graf-Wilhelm-Platz Eröffnung feiern könnte.

Für das Warenhaus-Angebot im neu entstehenden Einkaufszentrum Flächen anzumieten, dies zieht Karstadt "aus wirtschaftlichen Gründen" nicht in Betracht. Wohl aber werde geprüft, ob für die Vertriebsformate "Karstadt Sports" oder Perfetto (Feinkost) — ein Joint Venture von Karstadt und Rewe — Flächen angemietet werden. "Das muss sich aber betriebswirtschaftlich rechnen", erklärte Karstadt-Sprecher Michael Scheibe dazu.

Oberbürgermeister Franz Haug und der Erste Beigeordneten Hartmut Hoferichter sehen trotz der negativen Karstadt-Entscheidung auch etwas Positives: "Es wird am Graf-Wilhelm-Platz keinen Leerstand geben. Zwar gibt es keinen nahtlosen Übergang, aber Solingen scheint für Investoren attraktiv zu sein", erklärten Haug und Hoferichter mit Blick auf das Neubauprojekt in der City.

(RP)
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