Solingen: Karstadt auf Film und im Herzen

Solingen : Karstadt auf Film und im Herzen

Der frühere Betriebsratsvorsitzende von Karstadt, Engelbert Lodorf, hat einen Film über das Warenhaus am Graf-Wilhelm-Platz gedreht. Der Streifen reicht bis in die Zeit des Abrisses des Monopol-Kinos zurück. Am Sonntag wird er während der Sprengung des Turmhotels gezeigt.

Als er bei Karstadt anfing, war die Arbeitswelt noch eine andere. Im Jahr 1970 zog die Schreinerei, in der Engelbert Lodorf beschäftigt war, von Remscheid nach Hückeswagen. "Damals suchte man sich einfach eine andere Arbeitsstelle", erinnert sich der 71-Jährige.

Er gab ein Inserat auf, und 19 interessierte Firmen meldeten sich bei ihm, die ihn gerne eingestellt hätten. Nach einigem Zögern hat er sich für Karstadt entschieden. Dort wurde er als Schreiner in der Dekoration eingestellt. "Anfangs gefiel es mir gar nicht", verrät Engelbert Lodorf. Immer, wenn er durch die Verkaufsräume gehen musste, hatte er das Gefühl, alle würden in anstarren.

Seine Aufgabe war es, für besondere Werbeprojekte die entsprechenden Schränke herzustellen. "Wenn Wäschewochen waren, habe ich einen Schrank gemacht, in dem dann die Wäsche dekoriert wurde." Und der war nicht aus Press-Spahn oder Plastik, sondern aus richtig massivem hochwertigem Holz. "Man muss sich mal vorstellen, damals waren allein 48 Leute in der Dekoration beschäftigt."

Doch schon ziemlich bald "rutschte" Engelbert Lodorf in den Betriebsrat hinein. "Ich hatte ein großes Maul", erklärt er mit einem verschmitzten Lächeln. Er wollte sich mit manchen Gegebenheiten nicht anfreunden und protestierte. Bald war er der Vorsitzende des Betriebsrates, und das ist er 27 Jahre lang geblieben.

Diese Tätigkeit nahm sehr viel Zeit in Anspruch, doch Engelbert Lodorf schreinerte weiter. "Ich wollte nur im Betriebsrat arbeiten, wenn ich meine Arbeit als Schreiner auch weitermachen durfte." So geschah es. "Am Arbeitsrecht hatte ich Spaß", sagt er. Schnell wurde er als ehrenamtlicher Arbeitsrichter in Solingen ernannt. Er kam aus der Praxis, und am Arbeitsgericht lernte er wiederum Sachen, die ihm bei Karstadt weiterhalfen. Dennoch schämte er sich seines grauen Kittels nie.

Auch, wenn er darin von den Karstadtleitern der Hauptstelle nicht als Betriebsratsvorsitzender erkannt wurde. Im Jahr 2004 ging Engelbert Lodorf nach 34 Jahren Betriebszugehörigkeit in Rente. Langweilig wird ihm nicht. "Mein größtes Hobby ist die Filmerei." Sein Können setzte er nun auch für seinen früheren Arbeitgeber ein. Er drehte einen Film, der bis in die Zeit des Abrisses des Monopol-Kinos zurückreicht. Dieser Film wird während der Sprengung des Turmhotels am kommenden Sonntag, 18. Dezember, auf einer Großbildleinwand auf dem Parkplatz am Weyersberg gezeigt.

Dass das Karstadtgebäude dem Erdboden gleichgemacht wurde, schmerzt den langjährigen Mitarbeiter. Während er den Abriss filmte, überlegte er, wo sein früherer Arbeitsplatz gewesen sei, bis er feststellte, dass der bereits verschwunden war. "Mir tut es schon sehr leid." Was Engelbert Lodorf auf Film festgehalten hat, ist sicher auch unvergesslich in seinem Herzen verankert.

(sue)