Karneval in Solingen: Lange Session lockt viele Jecken

Karneval in Solingen : Lange Session lockt viele Jecken

Erst Anfang März geht die närrische Zeit zu Ende. Das lässt genug Raum für ausgiebige Vorbereitungen.

Der Erfolg des vergangenen Jahres beflügelt für die zweite Runde. Wobei Simone Backhaus, Vorsitzende des Solinger Tennis-Clubs (STC), nicht nur den überraschenden ersten Platz in der Jury-Wertung beim Rosenmontagszug meint, sondern vor allem „den Spaß, den wir mit dieser Aktion hatten“. Vor einem Jahr war eine Schar des Widderter Vereins, verkleidet als fröhliche Schlümpfe, erstmalig als Fußgruppe beim Rosenmontagszug mitgelaufen. „Ein gelungener Versuch, Solingen am Spaß unserer alljährlichen Karnevalsfeier teilhaben zu lassen“, erzählt Backhaus schmunzelnd. Die Aktion soll nun eine Fortsetzung finden.

„Bisher haben sich 35 Interessierte gemeldet, die das Motto Aquarium für eine Rosenmontags-Truppe umsetzen wollen – und ich bin sicher, das werden noch mehr.“ Im vergangenen Jahr habe alles gut geklappt – auch organisatorisch. Sponsoren hatten zum Beispiel einen Teil des Wurfmaterials gespendet, darüber hinaus war ein Team einkaufen gegangen. „Vor dem Zug haben wir gefühlt stundenlang unzählige Tüten mit Sachen zum Werfen gepackt, die sich die Teilnehmer umhängen konnten. Für die Kinder war es ein echter Knaller, Kamelle in die Menge zu schleudern.“

Auch beim Ohligser Turnverein (OTV) stehen die Zeichen auf Vorbereitung. Alljährlich lockt der Verein 1800 feierwütige Narren in seine zur Partyhöhle dekorierte Sporthalle am Schützenplatz. „Nach einem kleinen Einbruch vor ein paar ­Jahren waren wir zuletzt schon im Vorfeld immer ausverkauft“, sagt Beate Globisch, Kopf des Festkomitees. „Wir spielen inzwischen längst in gut eingespielten Rollen: Jede Abteilung ist für etwas anderes zuständig, zum Beispiel beim Catering. Und im Aufbauteam, das gebraucht wird, um ab Mittwoch vor der Feier – die traditionell am Abend des Karnevalssamstags stattfindet – den Boden zu verlegen, die Bestuhlung herzurichten oder die Girlanden-Krone aufzuhängen, weiß auch jeder, was er zu tun hat.“

Dabei werde auch besprochen, in welchen Kostüm wer vom Organisationsteam kommt. Globisch selber schließe sich mitunter den Schwimmern an – die meisten Abteilungen des Vereins legen zuvor ein Motto für sich fest. „Aber manchmal mache ich auch etwas ganz anders, oft spontan.“ Trotz jahrelangem Einsatz für den Karneval stellt sie selber noch keine Ermüdungserscheinungen fest. „Klar, in manchen Momenten bin ich es leid. Aber die halten nie lange an. Unterm Strich macht es immer noch riesigen Spaß.“

Und so werden auch in diesem Jahr am 2. März die Juicy Souls und See You für das närrische Volk in Ohligs auf der Bühne stehen, Nebenräume der Halle als Cocktail-Bars hergerichtet und sich ­Karnevalisten ein munteres Stelldichein geben.

Für Joachim Junker bedeutet die närrische Jahreszeit ebenfalls einen extrem vollen Terminkalender. Als Vorsitzender der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs und zugleich amtierender Präsident des Festausschusses hat er gleichzeitig zwei Organisations-Narrenkappen auf. Aktuell schaut er der vereinsinternen, großen Sitzung entgegen, die am Samstag in der Ohligser Festhalle stattfindet. „Das Programm dafür steht im Grunde seit zwei Jahren“, erläutert der Chef-Karnevalist. „So lange im Vorfeld muss man planen, um die gewünschten Gruppen und Solisten auf die Bühne zu bekommen.“

Jochen Ritter von der Karnevalsgesellschaft Muckemau kündigt für jeden Gast der großen Gala-Sitzung am 26. Januar im Theater- und Konzerthaus ein Glas Sekt zur Begrüßung an. „Wir arbeiten gerade am Feinschliff in puncto Catering“, verrät er. Ansonsten freut er sich auf hochkarätige Künstler wie etwa „Ausbilder Schmidt“ oder Christian Pape.“

Die besonders lange Session begrüßt Joachim Junker im Hinblick auf den Rosenmontagszug: „Je länger die Karnevalszeit, umso höher die Beteiligung“, sei eine Erfahrung, die er gemacht hat. Möglicherweise liege das daran, dass damit zwischen Weihnachten und Rosenmontag schlichtweg mehr Zeit für die Vereine oder privaten Gruppen sei, sich vorzubereiten, versucht er eine Erklärung. Er sei optimistisch, dass das „grobe Ziel“ von 50 Zugnummern gut erreicht werde. „Die Anmeldungen laufen.“

(Boll)
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