Karfreitagsprozession: Solinger durchleben Leidensweg Christi

Wald : Solinger durchleben Leidensweg Christi

Mehrere hundert Menschen begleiteten an Karfreitag den Kreuzweg der italienischen Gemeinde vom Walder Stadtpark zu St. Katharina.

Das Prasseln der Trommel durchschneidet die Stille. Jesus Christus, von Judas im Garten Gethsemane verraten, wird von Soldaten gefesselt und abgeführt. Hunderte Menschen folgen dem Trupp, stimmen Gebete und Gesänge an. Die Karfreitagsprozession der „Missione Cattolica Italiana“ hat sie in den Walder Stadtpark geführt. Von hier aus vollziehen sie die Passionsgeschichte von der Verhaftung bis zur Kreuzigung Christi nach.

Den Heiland verkörpert dabei zum dritten Mal in Folge Salvatore Viola. Und auch wenn einige Gäste am Wegesrand wie bei einer Art Freilichtaufführung ihre Handys und Fotoapparate zücken – ums Theaterspielen geht es hier nicht: „Man ist ganz bei sich selber“, erklärt Viola kurz vor dem Beginn des Kreuzweges. Den Leidensweg des Gottessohnes nachzuvollziehen sei ein enorm emotionales Erlebnis, sagt der 40-Jährige, der in jungen Jahren eine schwere Krankheit überwand – und nach eigenem Bekunden stets Kraft aus seinem Glauben zog.

Rund 40 Mitstreiter haben die Prozession vorbereitet und schlüpfen in die Rollen von Aposteln oder römischen Legionären. Angeleitet von Giovanni Zito haben sie sich intensiv auf den besonderen Tag im christlichen Jahreskalender vorbereitet. Bei hochsommerlichen Temperaturen verlässt die Menge den Walder Stadtpark, durchstreift die Nebenstraßen des Stadtteils – immer wieder beobachtet von vorbeiflanierenden Spaziergängern oder Radfahrern – und gelangt schließlich zum Kirchplatz.

Dort, unterhalb der evangelischen Kirche, tritt der Hohepriester Kajaphas – verkörpert vom erfahrenen und langjährigen Regisseur Carmine Marro – auf den Plan: Er beschuldigt Jesus der Gotteslästerung. Stoisch erduldet der Messias Spott und Gewalt, wird von Petrus verleugnet und zu Präfekt Pontius Pilatus, im wirklichen Leben Antonio Benenati, gebracht. Der verurteilt Jesus unter dem Druck von Oberpriestern und aufgestachelter Menge zum Tode.

Bedrückt beobachten die Teilnehmer der Prozession, wie der Heiland als Verhöhnung Dornenkrone und Purpurmantel erhält. Kinder drehen sich weg. Ein kleines Mädchen raunt ihrer Mutter zu: „Ist das wirklich passiert?“ Für diese Station des Kreuzweges zieht die Prozession zum Schulhof der Friedrich-Albert-Lange-Schule. Dort werden sie Zeuge, wie Christus das tatsächlich 60 Kilogramm schwere Kreuz auf seine Schultern nehmen muss, um damit zum Hinrichtungsort Golgatha zu ziehen.

Während die biblischen Dialoge auf italienisch zu hören sind, gibt es für die Gebete stets auch die deutsche Übersetzung. „Wir freuen uns, dass sich auch so viele Deutsche mittlerweile dem Weg anschließen“, sagt Antonio Benenati, der zum dritten Mal in die Rolle des Pilatus geschlüpft ist.

Auch die weiteren Stationen wie die Begegnung Jesu Christi mit seiner Mutter Maria (Anna Marchese) zeigt die italienische Gemeinde auf ihrem Zug. Der endet schließlich wie in den Vorjahren in St. Katharina. „Wenn ich dort angekommen bin und alles ist vorbei“, hat Salvatore Viola im Vorfeld gesagt, „weine ich wie ein Kind.“

Und der Blick in manche Gesichter am Straßenrand verrät: Er ist offenbar nicht der Einzige.

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