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Solingen: Kampf gegen Produktpiraten

Solingen : Kampf gegen Produktpiraten

Zum Schutz der Marke Solingen gaben die Solinger Schneidwaren- und Besteckhersteller seit 2002 insgesamt 146 000 Euro aus. In vielen Ländern ist der Name Solingen bereits geschützt.

Qualität wird abgekupfert. Immer wieder. Vor allem die Solinger Schneidwaren- und Besteckhersteller können davon ein Lied singen. "Die meisten Plagiate kommen nach wie vor aus Asien", weiß Susanne Abendroth von der Abteilung Recht und Fair Play der Industrie- und Handelskammer (IHK). Gegen das unlautere Vorgehen der dreisten Produktpiraten hilft seit 2002 der Solingen-Fonds zum Schutz der Marke Solingen. Denn der Städtename, einmalig in Deutschland, ist eine geschützte Marke – in der Europäischen Union ebenso wie unter anderem in China, Russland, USA oder Teilen von Südamerika. "Der Fonds muss jetzt aber wieder aufgefüllt werden", sagt Abendroth.

Auch der Geschäftsführer des Industrieverbandes Schneid- und Haushaltswaren (IVSH), Jens-Heinrich Beckmann, hält das für wichtig: "Es ist schon viel erreicht worden. Das darf man nicht einschlafen lassen." Im vergangenen Jahr konnten mit Mitteln aus dem Fonds 17 Grenzbeschlagnahmeverfahren – darunter vier in China und neun in Peru – initiiert werden. Schneidwaren mit illegaler Solingen-Aufschrift konnten so aus dem Verkehr gezogen werden.

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"Bei konsequenter Verfolgung von Verstößen tritt eine spürbare Besserung ein", weiß Susanne Abendroth. Die IHK-Mitarbeiterin appelliert deshalb, beim Kampf gegen Produktpiraten nicht nachzulassen.

Gefälschte Ware aus Vietnam

Doch das kostet Geld. Als im September vergangenen Jahres der Hamburger Zoll neun Tonnen gefälschter Messer und Bestecksets mit der Kennzeichnung "Hanssen Solingen" mit einem Warenwert von etwa 200 000 Euro aus dem Verkehr zog, mussten aus dem Fonds allein 5000 Euro für Lagerung beziehungsweise Vernichtung ausgegeben werden. Die gefälschte Ware stammte aus Vietnam und sollte an eine China-Import-Firma in Berlin weitergeleitet werden. "Das war ein richtig dicker Treffer", erinnert sich IHK-Geschäftsführer Benda. Als "großen Erfolg" im Kampf gegen die Markenpiraten wertet er in diesem Zusammenhang auch die jüngste Entscheidung des chinesischen Patentamtes.

Das untersagte einem einheimischen Unternehmer, eine Marke namens "Suo Lin Gen" anzumelden. Der Name klingt in China wie "Solingen", auch die Schriftzeichen sind identisch. Das chinesische Markenamt stellte in seiner Entscheidung klar, dass "Solingen" auch im Reich der Mitte allgemein als Name einer Stadt bekannt sei, in der hochwertige Schneidwaren hergestellt werden, so die IHK.

Nach dem Motto "steter Tropfen höhlt den Stein" wollen IHK und IVSH auch in diesem Jahr ihre Aktivitäten gegen Markenpiraten fortführen. Auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente vom 11. bis 15. Februar, traditionell auch ein Treffpunkt der Schneidwaren- und Besteckindustrie, wird Susanne Abendroth zum Messeauftakt zusammen mit dem Zoll wieder auf die Jagd nach Solingen-Fälschungen gehen.

(RP)