Solingen: Kampf gegen Produktpiraten geht weiter

Solingen : Kampf gegen Produktpiraten geht weiter

Einige Rückgänge verzeichnete die Schneidwaren- und Besteckbranche im Verlaufe dieses Jahres. Um rund drei Prozent ging hier die Umsätze bei Messern und Bestecken zurück. "Wegen schlechtere Geschäfte im Inland", sagt der Geschäftsführer des Industrieverbandes Schneid- und Haushaltswaren (IVSH), Jens-Heinrich Beckmann, "und bei Bestecken gab es längst nicht so viele Sonderaktionen wie im vergangenen Jahr."

Dagegen konnten die Hersteller von Kochtöpfen, Pfannen und Küchenhelfern Zuwächse verbuchen. Mit einem kleinen prozentualen Zuwachs hatte die Branche noch im Februar auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente gerechnet. Derzeit geht der IVSH-Geschäftsführer davon aus, dass man 2013 aber nicht großartig wachsen werde, obwohl beispielsweise die Schneidwarenproduktion im ersten Halbjahr um 7,6 Prozent gewachsen sei. "Plus minus null", so seine persönliche Einschätzung für das Jahr 2013. "Die Zahlen für die entscheidenden Monate und auch die fürs momentan so wichtige Weihnachtsgeschäft liegen noch nicht vor", erklärt der Verbandsgeschäftsführer.

Satte Zuwachsraten schnitt sich die Schneidwaren- und Besteckbranche 2011 und 2012 ab. Jeweils um rund neun Prozent kletterten die Umsätze in die Höhe. 2,2 Milliarden Euro Umsatz standen 2012 zu Buche — "über 100 Millionen Euro mehr als im Vorkrisenjahr 2007", so Beckmann.

Rund 10.000 Mitarbeiter sind in der Branche beschäftigt, darunter etwa 3000 in Solingen. Gute Schneidwaren "made in Solingen" werden indes nach wie vor abgekupfert. Von daher gehen der IVSH und die federführende bergische Industrie- und Handelskammer (IHK) intensiv gegen Markenpiraten vor. Allein in Deutschland hat Susanne Abendroth vom IHK-Geschäftsbereich Recht und Fair Play zwölf Fälle in diesem Jahr verfolgt, darunter sechs Grenzbeschlagnahmen. "Besonders hervorzugeben ist, dass in einem Fall fast 7000 Messer beschlagnahmt und vernichtet wurden, und es hat in diesem Jahr ein Strafverfahren gegen ein Solinger Unternehmen wegen der Verletzung der Marke Solingen gegeben", berichtet Abendroth. Bei der gerichtlich angeordneten Durchsuchung in dem Solinger Betrieb seien nicht unerhebliche Mengen gefälschter Scheren beschlagnahmt worden, ergänzt die IHK-Mitarbeiterin.

Um gegen Produktfälscher im In- und Ausland weiter vorzugehen, muss der Fonds zum Schutz der Marke Solingen nun wieder aufgefüllt werden. Rund 30 Unternehmen zahlen Jahr für Jahr hier Beträge ein. "Die IHK hat erhebliche Erfolge erzielen können, der Kampf gegen Produktpiraten muss fortgesetzt werden", sagt auch IVSH-Geschäftsführer Jens-Heinrich Beckmann, "der Solingen-Fonds ist und bleibt wichtig."

Denn "Schummler", so die Erfahrung von Beckmann, gebe es wie in den von Susanne Abendroth beschriebenen Fällen nicht nur außerhalb von Solingen, sondern eben auch vor Ort. "Das Problem bei der Marke Solingen ist, dass sie nicht nur einem, sondern vielen gehört. Die eigene Marke", so Beckmann, "pflegt man mehr."

(RP)
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