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Solingen: Kampf gegen Krankenhauskeime

Solingen : Kampf gegen Krankenhauskeime

MRSA-(Multi-resistente staphylococcus aureus)-Bakterien, besser bekannt als Krankenhaus-Bakterien, geben weltweit Anlass zur Sorge. Joachim Eichenberg leitet als städtischer Medizinaldirektor den Stadtdienst Gesundheit und erklärt, welche Vorbeugungs- und Aufklärungsmaßnahmen die Klingenstadt im Kampf gegen die Verbreitung der MRSA-Keime ergriffen hat.

Eine Frau soll wegen einer Infektion mit MRSA-Keimen nach einer Operation ein halbes Jahr im Solinger Klinikum gelegen haben. Ein Einzelfall?

Eichenberg Dieser Fall ist mir nicht bekannt. Leider ist er jedoch gewiss kein Einzelfall, denn auch in Solinger Kliniken haben sich Menschen mit dem gefährlichen Bakterium infiziert.

Wie viele Menschen waren in Solingen betroffen?

Eichenberg Da es nicht für alle Fälle eine Meldepflicht gibt, können keine genauen Aussagen getroffen werden, wie viele Menschen in Solingen infiziert wurden. Normalerweise verursacht das Bakterium keine Infektionen. Durch offene Wunden, beispielsweise nach Operationen, kann es allerdings dazu kommen. Jeder Betroffene ist einer zu viel, und wir tun alles, um Infektionen zu vermeiden und über die Risiken aufzuklären.

Was wird konkret unternommen?

Eichenberg Generell ist es sehr erfreulich, dass gerade Nordrhein-Westfalen vorbildlich ist, was die zahlreichen regionalen Offensiven gegen MRSA betrifft. In Solingen haben alle Kliniken, die niedergelassenen Ärzte sowie Altenheime und Pflegedienste, Rettungsdienste und ambulante Pflegedienste das Projekt "Roger" ins Leben gerufen, die "Regionale Offensive gegen Erreger mit Resistenzen".

Was muss man sich unter "Roger" vorstellen?

Eichenberg Vor drei Jahren haben sich die Gesundheitsämter im bergischen Städtedreieck darauf verständigt, ein regionales Netzwerk im Kampf gegen MRSA aufzubauen. Zunächst werden die erforderlichen Strukturen in den einzelnen Städten aufgebaut, die über Schnittstellen regional kooperieren. Das Solinger Projekt "Roger" ist an das Euregio-MRSA-Netzwerk angelehnt, das im Jahr 2005 ins Leben gerufen wurde.

Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen?

Eichenberg Wir sind froh, dass die Kooperation zwischen den einzelnen Stellen in Solingen hervorragend klappt und so die Standards zur Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung von Infektionen durch multiresistente Erreger stetig verbessert werden. Gerade die Hygienemaßnahmen konnten bestens harmonisiert werden. Gemeinsam haben wir einen "Roger"-Pass entwickelt, den jeder Patient erhalten soll, der einmal von MRSA betroffen war. Im Herbst ist eine große Prävalenzstudie aller drei Krankenhäuser geplant, die wir momentan vorbereiten.

Wie wird diese Studie genau aussehen?

Eichenberg Erstmals werden wir für einen Zeitraum von vier Wochen alle Patienten der Krankenhäuser auf MRSA untersuchen, die stationär behandelt werden. Diese Prävalenzstudie hat zum Ziel, uns Aufschluss darüber zu geben, ob die bisherige Vorsorge ausreicht und wo wir Verbesserungspotenzial sehen.

Pia Bergmeister führte das Gespräch mit Joachim Eichenberg.

(RP)