Solingen: Kaltluft im Ittertal erhitzt die Gemüter

Solingen : Kaltluft im Ittertal erhitzt die Gemüter

Im Frühjahr 2015 soll das Gesamtgutachten für das Ittertal fertig sein. Ausschuss diskutierte über Klimagutachten.

Kaltluft ist nicht immer etwas Gutes. Sie führt beispielsweise zu Glatteis, und man muss auch mehr heizen. "Sie ist aber dann gut, wenn sie kühlend auf überhitzte Bereiche wirkt", sagte Dr. Monika Steinrücke von der Ruhruniversität Bochum in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses im Gründer- und Technologiezentrum.

Einmal mehr beschäftigte sich das Gremium unter Vorsitz von Bernd Krebs (CDU) mit dem Planungsraum Ittertal. Vorgestellt wurden jetzt erste Ergebnisse des Klimagutachtens Ittertal, dessen zusammenfassende Bewertung in rund drei Wochen erwartet wird. Doch der Zwischenbericht kam bei den Gegnern der vier geplanten Gewerbegebiete im Ittertal - Fürkeltrath II, Piepersberg-West, Buschfeld und Keusenhof - nicht besonders gut an: "Bei Hitzeproblemen in der City oder in Ohligs hilft die Kaltluft im Ittertal nicht weiter", betonte Steinrücke.

Im Sommer hatten sie und ihr Team umfangreiche Messungen zu unterschiedlichen Stunden im Ittertal vorgenommen, auch in den bewohnten Bereichen - anders, als das 1993 erstellte Kuttler-Gutachten, auf das sich die Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal" stets beruft und das die Wichtigkeit des regionalen Grüngebietes Ittertal hervorhebt. Vor allem als sogenannte Frischluftschneise fürs Stadtgebiet.

Doch Kaltluft ist nicht gleich Frischluft, erklärte die Gutachterin, Kaltluft sei am Boden gebunden, und bei heftigem Wind bilde sie sich ohnehin nicht. Sie betonte zudem, dass das Gutachten von 1993 Ausgangspunkt der jetzigen Untersuchungen gewesen sei. "Die Stadtklimaanalyse von damals ist völlig in Ordnung, aber bei wichtigen Themen müssen wir auch ins Detail gehen", sagte Steinrücke. Ein Aspekt, den auch Stadtdirektor Hartmut Hoferichter unterstrich, zumal das frühere Gutachten mehr als 20 Jahre alt sei.

Für Dr. Helmut Nieder von der Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal" kann die Kaltluftanalyse aber nicht der einzige Aspekt sein. "Das wäre unzureichend", sagte er. Vielmehr müsse eine gleichrangige Bewertung von Ökologie und Ökonomie erfolgen. Überdies der Erholungsraum Ittertal. Eugen Schünemann bezweifelte gar die Untersuchung von Steinrücke, zumal 1993 schon der Klimaverbund bis ins Tal der Wupper herausgestellt worden sei. Er forderte: "Das ganze Ittertal unter Naturschutz stellen."

Ratsmitglied Dietmar Gaida (Grüne) will die "Bebauung eines Kaltluftbereiches verhindern". Er erwartet, dass das jetzige Gutachten die Hinweise von damals mehr aufnimmt. Doch Monika Steinrücke hielt dagegen: "Unsere Untersuchung ist viel detaillierter."

Das Klimagutachten ist indes nur ein Teil des Gesamtgutachtens für das Ittertal, das vom Büro für Kommunal- und Regionalgutachten Aachen erstellt wird und im Frühjahr 2015 vorliegen soll.

Dort werden unter anderem auch Aspekte des Biotop- und Artenschutzes mit einfließen, die Fortschreibung des Regionalplans spielt eine Rolle, ebenso die Raumwiderstandsanalyse und auch Auswirkungen des Starkregens als Folge des Klimawandels.

(RP)
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