Kältebus ist länger im Einsatz

Solingen : Kältebus ist länger im Einsatz

Warmes Essen und heiße Getränke werden an den Clemens-Galerien an Bedürftige verteilt.

Wegen der extremen Temperaturen darf der Kältebus des Malteser Hilfsdienstes noch weiter am Schachbrett an den Clemens-Galerien Station machen. Ursprünglich sollte der Einsatz nur bis Ende Februar dauern. Die Stadt hat jetzt ihr Einverständnis für die Verlängerung bis zum 16. März gegeben und bezuschusst die Aktion weiterhin mit 50 Euro pro Einsatz.

Der Bus bietet Bedürftigen in den Abendstunden eine warme Mahlzeit, heiße Getränke und bei Bedarf Kleidung und Schlafsäcke an. "Manchmal kommen fünf Leute, an manchen Tagen 20", erzählt Julian Grineisen. Er ist in diesem Jahr als Projektleiter für den Kältebus in Solingen verantwortlich.

Bereits zum zweiten Mal läuft das Projekt der Malteser, dieses Jahr erstmals als Kooperation mit der Caritas. "Wenn wir beispielsweise etwas nicht vorrätig haben, fragen wir bei der Kleiderkammer der Caritas in Ohligs nach", sagt Grineisen. Er ist bei den Maltesern als Ehrenamtlicher an Bord.

Sinken die Temperaturen bei trockenem Wetter unter zwei Grad oder bei nassen Verhältnissen unter vier Grad Celsius, rückt das Kältebusteam um 19 Uhr aus. Meistens sind die Helfer zu zweit. Hin und wieder melden sich bis zu vier Freiwillige für eine Schicht, die dann Stehtische und eine improvisierte Theke aufbauen.

Bei seinen Einsätzen mit dem Kältebus hat der 25-Jährige schon viel erlebt. "Die Leute, die zu uns kommen, haben krasse Lebensgeschichten, viele haben Suchtprobleme", weiß der gelernte Koch. Gerade Menschen, die das erste Mal am Kältebus Halt machen, hätten oftmals das Bedürfnis, ihre Geschichte zu erzählen. "Dabei sind sie aber unglaublich höflich und dankbar. Oft wird uns nach der Schicht beim Aufräumen geholfen."

Natürlich gebe es auch Personen, die von "Bitte" und "Danke" absehen und einfach nur fordern. Dies sei allerdings die Ausnahme. Auseinandersetzungen oder andere Probleme in dieser Richtung gab es bisher nicht. "Das Ordnungsamt kommt zwar regelmäßig vorbei, um nach dem Rechten zu schauen, passiert ist aber noch nie etwas."

Positiv stimmen Grineisen die Erfolgsgeschichten der Bedürftigen, die ihm zu Ohren kommen. Viele hätten mittlerweile eine eigene Wohnung gefunden oder ihrer Sucht den Kampf angesagt. Trotzdem gibt es die andere Seite. "Manchmal hört man, dass jemand weggezogen oder gestorben ist", sagt Grineisen. Solche Geschichten verkrafte jeder anders, man müsse aber versuchen, Distanz zu wahren.

Aktuell gibt es 21 freiwillige Helfer, die den Bus abwechselnd betreuen. "Das reicht im Normalfall aus", freut sich Grineisen. Nur an ganz wenigen Ausnahmetagen sei eine Ausfahrt des Busses nicht möglich gewesen.

Die Freiwilligen haben grundlegend nichts mit den Maltesern zu tun, die Motivationen seien ganz unterschiedlich. "Ich helfe, weil ich einfach helfen möchte" sei als Kernsatz aber allen gemein. Auch Julian Grineisen, ist der Überzeugung, dass Bedürftige Hilfe verdienen: "Ich möchte helfen, ohne dafür etwas zu verlangen. Ein einfaches Dankeschön reicht mir völlig aus."

(RP)
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