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John Nettles alias Barnaby war im Zentrum für verfolgte Künste zu Gast.

John Nettles war zu Gast in Solingen : Chief-Inspector Barnaby wird lyrisch

John Nettles las im Zentrum für verfolgte Künste zusammen mit Claudia Gahrke Gedichte von Else Lasker-Schüler.

„I love you.“ John Nettles hatte gerade die Überschrift des Gedichts gelesen, als prompt die Reaktion aus dem Publikum kam: Sie lieben ihn auch – als Detective Jim Bergerac auf Jersey oder Detective Chief Inspector Tom Barnaby in Midsomer, als Autor von Sachbüchern wie „Hitlers Inselwahn“ oder eben als versierten Sprecher der Gedichte von Else Lasker-Schüler. Die werden seit 2017 von bekannten Künstlern für den „Transitraum Else“ eingelesen und vorgetragen – ein Projekt von Claudia Gahrke und Andreas Schäfer.

„Es gibt keinen O-Ton von ELS“, erläutert Hajo Jahn, der Vorsitzende der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. „Weltberühmte Künstler haben ELS ihre Stimmen gegeben.“ „John Nettles hat sich als einer der Ersten beteiligt“, erzählt Andreas Schäfer. „Er kann hervorragend Lyrik sprechen.“ Das hat er bereits im Dezember 2017 im Goethe-Institut in London bewiesen, schon damals zusammen mit Claudia Gahrke. Voraufgegangen waren Veranstaltungen in Stockholm (mit Inger Nilsson), Zürich, New York und Los Angeles. 2018 folgte ein Termin in Dublin.

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Christoph Dellmans

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Die Veranstaltung im Zentrum für verfolgte Künste war rasch ausverkauft, der Meistermann-Saal gut gefüllt. Es dauerte, bis Shakespeare-Schauspieler Nettles 20 Gedichte auf Englisch las. Zunächst stellte Andreas Schäfer das Projekt vor, erinnerte auch an Georg Meistermann und Ernst Walsken. Im Anschluss hielt Ulrike Müller ein „Plädoyer für unbequeme Frauen“. Dann folgte Claudia Gahrke mit Briefen, Prosa und Lyrik von Else Lasker-Schüler – immer wieder unterbrochen durch Einspieler in verschiedenen Sprachen.

Elfriede Jelinek, Iris Berben und Günter Lamprecht gehören zu denen, die Lasker-Schüler-Texte im Original aufgenommen haben – wie auch Norbert Langer, der Synchronsprecher von DCI Barnaby. Langer lasse Barnaby „almost intelligent“ wirken, hatte John Nettles vor der Veranstaltung gescherzt. Dass der Schauspieler, der Geschichte und Philosophie studiert hat, mehr kann als einen „bloody detective“ zu spielen, der „kühle, professionelle Distanz“ zu zeigen hatte, bewies der langanhaltende Applaus nach der Lesung.

Barnaby wird er trotzdem nicht mehr los. „Selbst auf St. Lucia haben sie mich angesprochen: „Sie sind Inspektor Barnaby.“ Immerhin wurden die 81 Episoden in mehr als 230 Ländern ausgestrahlt. Bei ZDF Neo läuft die Serie montagsabends noch immer. „Die Franzosen mögen sie, weil sie denken, ich wäre Jean Gabin“, amüsiert sich Nettles. „In den USA glauben sie, es wäre echt, und auch die Russen halten es für einen Dokumentarbericht.“ Die meisten treuen Fans kämen aber aus Belgien und besuchten gerne die Drehorte.

Ernst wird John Vivian Drummond Nettles wieder beim Thema Rassismus: „Wir leben in gefährlichen Zeiten.“ Nachdem er sich bereits mit seiner Aufarbeitung der Nazi-Besetzung Jerseys nicht viele Freude gemacht hatte („es gab so gut wie keinen Widerstand“), will er 2020 ein Tagebuch aus der Kriegszeit veröffentlichen.

In der nächsten Woche feiert John Nettles seinen 76. Geburtstag. Wie? Er werde Amnesie vortäuschen und sich mit einer Flasche Johnny Walker anfreunden, nimmt der Officer of the Order of the British Empire sich selbst auf den Arm. Krimiserien wird er sich nicht ansehen. „Die Geschichten wiederholen sich, und die Morde werden immer schrecklicher.“ Sagt der Mann, der im Fernsehen mehr als 200 Morde gelöst hat. Nettles: „Als es in einer Folge nur einen gab, kamen Beschwerden.“