Solingen: Jetzt lernt er das Spiel einer irischen Harfe

Solingen: Jetzt lernt er das Spiel einer irischen Harfe

Nach fast 20 Jahren als Organist in der evangelischen Kirchengemeinde Gräfrath geht Konrad Burr, ehemaliger Leiter der Musikschule, in den Ruhestand. Die Musik wird ihn weiter begleiten.

Es ist ein Abschied, der Konrad Burr schwer fällt: Nach fast 20 Jahren als Organist in der evangelischen Kirchengemeinde Gräfrath geht der 77-Jährige in den Ruhestand. Mit einem Gottesdienst am morgigen Sonntag um 10.30 Uhr und einem Empfang würdigt die Gemeinde ihren Kirchenmusiker.

"Natürlich fällt es mir nach so vielen Jahren, so einer schönen Zeit, schwer zu gehen", sagt Burr. Zugleich sei er sehr froh darüber, dass ein Nachfolger gefunden werden konnte: Künftig wird Markus Hartmann Lehrer an der Musikschule, die Gottesdienste in der Kirche am Gräfrather Marktplatz an der Orgel begleiten.

"Jemanden zu finden ist nicht einfach. Deshalb freue ich mich umso mehr, und schließlich bin ich ja auch schon ein paar Jahre über das Rentenalter hinaus." Und mit der Musik, sagt Burr, höre er ja auch nicht auf. "Für mich selbst mache ich natürlich weiter."

Die Musik hat Konrad Burr sein ganzes Leben begleitet: Geboren in Dresden begann Burr bereits mit fünf Jahren, Klavier zu spielen. Als er neun oder zehn Jahre alt war, kam die Orgel hinzu. "So ein riesiges Instrument zu spielen, das begeistert einen als Kind natürlich", erinnert er sich. Während seiner Gymnasialzeit hatte er Unterricht beim Kreuzorganisten der Kreuzkirche in Dresden. "In dieser Zeit ist auch der Wunsch entstanden, beruflich Musik zu machen." 1957 ging der Abiturient Konrad Burr nach Berlin, um dort ein Studium der Kirchenmusik aufzunehmen, das er mit der höchstmöglichen, staatlichen Prüfung abschließt.

Seine Leidenschaft gilt den Tasteninstrumenten, Burr spielt Klavier, Orgel, Cembalo und das außergewöhnliche Clavichord, eines der ältesten besaiteten Tasteninstrumente. "Das ist eine besondere Spezialität von mir", sagt Konrad Burr, regelmäßig gibt er Konzerte am Clavichord.

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Die Musik hat ihn schließlich auch nach Solingen geführt: 1974 wurde er Kantor in der evangelischen Kirchengemeinde Ohligs, baute dort auch eine Singschule auf. "Daraufhin wurde ich angesprochen, ob ich nicht die Leitung der städtischen Musikschule übernehmen möchte", so Konrad Burr. 22 Jahre bleibt er im Amt, baut unter anderem das Jugendsinfonieorchester auf. "Eine sehr schöne Zeit", so Burr.

1996 schließlich führt ihn die Musik als Organist nach Gräfrath. "Ich habe mich in den Gottesdiensten immer sehr bemüht, Musik auszuwählen, die gut passt und anspruchsvoll ist. Es war mir wichtig, dass die Gemeinde Spaß daran hat", so Burr, dessen musikalischer Schwerpunkt bereits seit dem Studium die Barockmusik ist.

Fünf bis sechs Mal im Jahr veranstaltet er mit Unterstützung anderer Musiker eine viel beachtete Konzertreihe in der Kirche, bringt immer wieder auch außergewöhnliche Stücke zur Aufführung. Zudem begleitet er regelmäßig besondere Gottesdienste und Feste im Stadtteil, an denen sich die Gemeinde beteiligt.

Für den Ruhestand hat sich Konrad Burr bereits eine neue, selbstverständlich musikalische Herausforderung gesucht: "Ich habe mir eine irische Harfe gekauft, das Spielen bringe ich mir nun selbst bei. Und wenn ich Orgel spielen möchte, kann ich ja nach wie vor nach Gräfrath kommen. Musikalisch wird mir ganz bestimmt nicht langweilig", ist sich Burr sicher. Ansonsten zieht es den Vater zweier erwachsener Kinder in Zukunft häufiger in die britische Hauptstadt London. "Mein achtjähriges Enkelkind lebt dort, mit ihm möchte ich künftig mehr Zeit verbringen."

(RP)
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