Iraner verschwindet aus Kirchenasyl in Solingen

Weiter zur Fahndung ausgeschrieben : Luthergemeinde: Iraner verschwindet aus Kirchenasyl

Der 28-jährige Mann hatte seit 2018 in der Luthergemeinde gelebt und sollte nach Frankreich abgeschoben werden.

Das seit über einem Jahr bestehende Kirchenasyl für einen 28-jährigen Mann aus dem Iran in der Solinger Luthergemeinde ist beendet. Wie der Evangelische Kirchenkreis Solingen am Freitag mitteilte, hat der Asylbewerber seine Unterkunft in dieser Woche ohne Ankündigung verlassen und ist seitdem verschwunden.

Diese Entwicklung kam nach Angaben des Kirchenkreises „gänzlich unerwartet“. Der Iraner hatte seit März 2018 in der Luthergemeinde gelebt. Zwar war über den Asylantrag des Mannes, der nach Angaben der Gemeinde im Iran zum Christentum konvertiert war und später in Solingen getauft wurde, noch nicht entschieden gewesen. Gleichwohl hatte dem 28-Jährigen nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf die Abschiebung nach Frankreich gedroht, weil er dort zum ersten Mal EU-Boden betreten hatte und somit die Behörden des Nachbarlandes für das Asylgesuch des Iraners zuständig sind.

Ein erster Versuch der für den Fall zuständigen Verwaltung des Kreises Wesel, den Mann abzuschieben, war im Januar gescheitert. Danach hatte es noch einmal Gespräche der Behörde mit Vertretern der Gemeinde und der rheinischen Landeskirche gegeben. Bei diesen Treffen war für den Mann eine neue Frist erreicht worden, um Deutschland zu verlassen und so einer Abschiebung nach Frankreich zuvorzukommen.

Zuletzt hatten die Luthergemeinde und die Landeskirche zusammen mit französischen Partnern für den Iraner eine Betreuung in Toulouse organisiert, woraufhin der Mann seiner Ausreise nach Frankreich zustimmte. Doch dazu kam es nicht mehr. Denn obwohl bereits ein Flug nach Frankreich gebucht war, beendete der Mann jetzt das Kirchenasyl in Solingen und verließ die Kirchengemeinde.

Die Ausländerbehörde Wesel wurde am Donnerstag von der Gemeinde über die neue Entwicklung informiert. Zeitgleich versuchten die Verantwortlichen, Kontakt zu dem Iraner aufzunehmen. Aber wie die Gemeindepfarrer Michaela Rohr, Christian Menge und Christian Lerch mitteilten, blieb dies einstweilen vergeblich. Man habe nicht herausfinden können, wo sich der 28-Jährige augenblicklich aufhalte und ihn nicht erreicht, hieß es aus der Gemeinde.

Eine Sprecherin der Kreisverwaltung Wesel bestätigte am Freitagmittag das Verschwinden des Iraners. Der Asylbewerber bleibe weiterhin zur Fahndung ausgeschrieben und werde, sollte er aufgegriffen werden, in Abschiebehaft genommen, sagte die Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion.

In der Gemeinde selbst überwiegt derweil die Sorge um den 28-Jährigen. Dieser hatte sich nach seinem Einzug in das Gemeindehaus in Höhscheid aktiv am Gemeindeleben beteiligt. Nachdem bekannt geworden war, dass der Mann seine Unterkunft verlassen hatte, wurden am Donnerstag die freiwilligen Helfer, die sich um den Iraner gekümmert hatten, informiert. „Wir werden das Thema im Gottesdienst am Sonntag ansprechen“, sagte Pfarrer Lerch.

Die Luthergemeinde betonte darüber hinaus noch einmal, sich mit dem Kirchenasyl nicht gegen den Rechtsstaat stellen zu wollen. Ziel sei es nur gewesen, dass ein Asylverfahren in Deutschland durchlaufen werde, hieß es. Dies sei jedoch durch die Entscheidung zur sofortigen Ausreise nicht mehr möglich gewesen. Die Befürchtung sei von Beginn an gewesen, dass der Mann aus Frankreich in den Iran abgeschoben werde, wo ihm als Christ Verfolgung drohe.

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