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Interview Sonja Baumhauer: „Wir wollen noch präsenter werden“

Interview mit Sonja Baumhauer : „Wir wollen noch präsenter werden“

Sonja Baumhauer muss sich in der Corona-Krise einarbeiten. Die neue Leiterin des Solinger Kulturmanagements spricht über das Angebot im Theater und Konzerthaus, über kulturelle Bildung und das Seifensieden.

Bei der Stellenausschreibung haben Sie sich gegen 19 Mitbewerber durchgesetzt. Warum haben Sie sich beworben?

Baumhauer Zum einen hat mich die Nähe zu meinem Wohnort Langenfeld gereizt. Außerdem bin schon seit vielen Jahren in Solingen unterwegs und habe hier sehr gute Freunde. Die Stelle als Leiterin des Kulturmanagements ist attraktiv, weil es in Solingen ein breites kulturelles Angebot mit vielen Akteuren gibt. Das Theater und Konzerthaus ist der größte städtische Anbieter von Kulturveranstaltungen.

Im reichen Monheim, wo Sie Kulturchefin waren, werden drei Kreisverkehre mit Kunstinstallationen bestückt – einem Geysir, einem Plattenspieler und einem Tanzplatz. Werden Sie sich im armen Solingen arg umgewöhnen müssen?

Baumhauer Als ich 2011 meine Stelle in Monheim angetreten habe, war die Kommune bettelarm und abgehängt im Kreis Mettmann. Ich kenne also beide Situationen. Für Solingen wünsche ich mir, dass die Aktivitäten der vielfältigen Kulturszene noch sichtbarer werden. Das gilt auch für das Theater und Konzerthaus.

Sie hatten sich den Einstieg anders vorgestellt. In Corona-Zeiten driften Wunsch und Wirklichkeit aber weit auseinander.

Baumhauer Ich hatte gehofft, viele unserer Kunden und Kundinnen und die ganzen Akteure aus der Kulturszene persönlich begrüßen zu können. Ein paar Besuche waren im März noch möglich. Dann kam aber der Schnitt. Mit den Lockerungen wird es jetzt etwas leichter. Ich habe für mich eine „Freitagstour“ entwickelt, war beispielsweise schon im Klingen- und im Kunstmuseum, im Museum für verfolgte Künste und im Gräfrather Kammerspielchen. So lerne ich die Verantwortlichen kennen und bekomme zumindest einen Eindruck von den Locations.

Welchen Eindruck haben Sie von Ihrem neuen Team?

Baumhauer Das Engagement der Kolleginnen und Kollegen ist bemerkenswert. Im Theater und Konzerthaus arbeiten rund 80 Frauen und Männer auf knapp 50 Vollzeitstellen. Allerdings ist momentan rund die Hälfte an andere Dienste der Stadt ausgeliehen, etwa an das Ordnungsamt, um Infektionsketten zu verfolgen. Ich freue mich schon darauf, alle Kolleginnen und Kollegen zu begrüßen, wenn wir im September hoffentlich einigermaßen normal in die neue Spielzeit starten.

Das Programm für die nächste Saison trägt noch nicht Ihre Handschrift. Wie sieht Ihr Zukunftskonzept für das Theater und Konzerthaus aus?

Baumhauer Wichtig ist mir, dass es ein Haus für die Solingerinnen und Solinger wird – ein Treffpunkt für Kulturinteressierte und andere, die sich vernetzen möchten. Wir werden erst einmal den Bedarf ermitteln; die Kultur hat sich sehr ausdifferenziert und der Veranstaltungsbetrieb in den vergangenen Jahren sehr verändert. Heute werden beispielsweise auch kleinere Räume benötigt, die man Vereinen und Initiativen etwa für Proben zur Verfügung stellen kann. Auch über die Gastronomie werden wir gemeinsam nachdenken.

Sie wollen mehr Vielfalt. Also auch mehr Veranstaltungen wie die Autoschau?

Baumhauer Die Kulturszene sowie das Kulturangebot sollen vielfältig bleiben. Deshalb haben wir in der Corona-Krise der Solinger Szene die Möglichkeit geboten, in unserem extra eingerichteten Filmstudio Streams zu produzieren. Wir informieren Kulturschaffende auch regelmäßig über Fördermöglichkeiten. Die Autoschau bringt uns viele neue Menschen ins Haus und wegen der Anmietung auch Geld in die Kasse. Wichtig wird es sein, eine Balance zu finden: Je mehr Externe ich hole, desto mehr verhindere ich den eigenen Kulturbetrieb. Ziel des Hauses ist der Kulturbetrieb – organisiert durch das Kulturmanagement oder auch durch Solinger Kulturvereine, denen wir einen günstigen Tarif für die Anmietung bieten.

Bleibt die Kultur in Solingen also ewig ein Zuschussgeschäft?

Baumhauer Wir sind daran interessiert, den Zuschussbetrieb so gering wie möglich zu halten. Das erreichen wir zum einen durch Vermietungen, zum anderen aber auch durch Fördermittel. Wir sind am Jahresanfang Mitglied beim Kultursekretariat NRW geworden. Hier profitieren wir vom gemeinsamen Netzwerk und erschließen uns Fördermöglichkeiten für die Kultur. Aktuell haben wir einen noch nicht beschiedenen Antrag für das Programm Neustart gestellt. Da geht es um Summen zwischen 10.000 und 50.000 Euro – Geld, das für Sicherungsmaßnahmen in Corona-Zeiten gebraucht wird.

Was würden Sie aus Ihrer Monheimer Zeit gerne in Solingen übernehmen?

Baumhauer Mein Steckenpferd ist die kulturelle Bildung. Mir ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit möglichst vielen Sparten in Kontakt kommen. In Monheim wurde 2011 das Gesamtkonzept für die kulturelle Bildung neu entwickelt. Darüber wurde ein großes Vernetzungsprojekt mit allen Kinder- und Jugendbildungseinrichtungen gestartet. Künstlerinnen und Künstler inspirierten die Kinder und Jugendlichen zu eigenen Kunstwerken, die dann beim Stadtfest präsentiert wurden. Damit hatten wir einen unheimlichen Erfolg.

Wie begeistern Sie Ihre eigenen Kinder für Kultur?

Baumhauer Wir haben unsere Kinder von klein an zu Kunstveranstaltungen mitgenommen. Auch im Theater und Konzerthaus haben wir viele Kindertheaterstücke besucht. Insgesamt sind wir eine kreative Familie und haben uns eine kleine Werkstatt und ein Kunstzimmer eingerichtet. Dort wird gemalt und gewerkelt. Ich selber nähe viel. Die Kinder machen nach Lust und Laune mit. Zu Beginn der Corona-Zeit haben wir zusammen Masken genäht.

Wie schöpferisch sind Sie selbst?

Baumhauer Neben dem Nähen singe ich im Chor. Wenn die Zeit es zulässt, male ich auch. Ab und zu verwandele ich mein Badezimmer in ein Chemielabor. Dann siede ich für uns und für Freunde Seifen. Dafür hat mein Mann mir ein eigenes Logo kreiert: Sonjas Seifenoper.