Solingen: Internationale Jazzgrößen im Rittersaal

Solingen : Internationale Jazzgrößen im Rittersaal

Julian und Roman Wasserfuhr geben mit ihrem Quartett am 17. Mai um 20 Uhr ein Konzert auf Schloss Burg.

Es ist fast schon Dekaden her, dass viele nationale und internationale Jazzgrößen auf ihren Tourneen die Stadt Solingen fest in ihrem Terminkalender stehen hatten. Man denke nur an den legendären "Flamingo"-Club an der Schlagbaumer Straße, in dem sogar Chet Baker zu hören war - wenige Wochen vor dem Tod des Trompeters. Betrieben wurde er von dem Jazz-Enthusiasten Otto Gredig. Seit der Schließung des Clubs haben sich bekannte Namen rar gemacht, trotz einer weiterhin recht rührigen lokalen Jazz-Szene. Es ist also schon etwas Außergewöhnliches, dass mit den Wasserfuhr-Brüdern endlich einmal wieder ein international renommiertes Ensemble in Solingen zu hören sein wird - am 17. Mai im Rittersaal von Schloss Burg. Und sehr weit haben es die Musiker auch nicht, denn sie kommen aus Hückeswagen.

2006 haben Julian und Roman Wasserfuhr , damals 17 und 20 Jahre jung, mit "Remember Chet" ihr Debütalbum vorgelegt. Eine solch unglaubliche und verblüffende Reife eines jungen Trompeters hatte man seit dem frühen Till Brönner lange nicht gehört. Nicht minder beeindruckend war die Souveränität, mit der Julians drei Jahre älterer Bruder Roman ihn am Klavier begleitete. "Am Anfang einer Karriere steht Epigonentum", hat der Trompeter Manfred Schoof einmal erklärt. Denn nur die Auseinandersetzung mit der Tradition - in diesem Fall mit der Musik von Julian Wasserfuhrs frühem Vorbild Chet Baker - bildet die Grundlage für ein eigenes OEuvre.

Spätestens mit der Veröffentlichung von "Upgraded in Gothenburg" (2009) stiegen die Wasserfuhr-Brüder in die erste Liga des deutschen Jazz auf - auf der CD unterstützt von Jazzstars wie Nils Landgren und Lars Danielsson. Es folgten im Frühjahr 2011 "Gravity" und im September vergangenen Jahres "Running" - alle übrigens auf dem ACT-Label erschienen.

"Running" haben Julian und Roman Wasserfuhr mit zwei Musikern aus der Kölner Jazzszene eingespielt: dem Bassisten Benjamin Garcia Alonso und dem Schlagzeuger Oliver Rehmann. Und auch ein dritter Wasserfuhr ist auf der CD als Gast zu hören - Vater Gerald an der Klarinette. Und noch eine Überraschung bietet "Running", nämlich Coverversionen von "Nowhere man", dem bekannten Stück der "Beatles" und "Behind Blue Eyes" von "The Who".

Was die Musik der Wasserfuhr-Brüder besonders auszeichnet, ist der Mut der Musiker zur Schlichtheit, ihr Vertrauen in Melodie und ihr Gefühl für Lyrik und innere Spannung. Handwerkliches Können und instrumentale Virtuosität werden nicht als Selbstzweck zur Schau gestellt, sondern stellen sich bei den Brüdern aus Hückeswagen ganz in den Dienst der Songs.

(mit)