Mirko Novakovic: In Ohligs werden Ideen geschmiedet

Mirko Novakovic : In Ohligs werden Ideen geschmiedet

Der Instana-Geschäftsführer und seine Partner investieren gut zwei Millionen Euro in eine neue Firmenzentrale an der Sauerbreystraße.

Der codecentric-Neubau an der Hochstraße ist keine zwei Jahre alt und wird bereits erweitert. Jetzt lassen Sie in unmittelbarer Nähe einen Sitz für Ihre neue Firma Instana bauen. Warum nennen Sie das Gebäude "Neue Schmiede"?

Novakovic Das machen wir in Anlehnung an die Solinger Tradition. Wir haben allerdings bewusst den englischen Namen "New Forge" gewählt, weil wir international tätig sind. Der Neubau soll aber nicht nur von Instana-Mitarbeitern genutzt werden: Die Idee ist, eine Art Inkubator zu bauen für Start-ups aus der IT-Branche. Wie damals bei codecentric denken wir auch bereits an eine Erweiterung des Gebäudes.

Wie wird der erste Bauabschnitt aussehen?

Novakovic Wir investieren rund zwei Millionen Euro und errichten am Anfang des Planetenwegs einen viergeschossigen, auskragenden Bau, der an die Zentrale der codecentric AG erinnert. Bauleitender Architekt ist wieder Dietmar Brings von der Rotterdam Dakowski GmbH in Leverkusen. Die Nutzfläche wird etwa 880 Quadratmeter betragen. 54 Arbeitsplätze sind geplant.

Der Neubau zeigt, wie rasch Instana wächst. Dafür haben Sie sich aber Hilfe auf dem Kapitalmarkt holen müssen: bei Target Partners in München und Accel in den USA.

Novakovic Die erste Runde mit sieben Millionen Dollar aus Deutschland war viel komplizierter als die zweite mit 20 Millionen aus den USA. 2015 hätten wir uns schwergetan, ein internationales Investment zu bekommen. Als "No Name" ist es nicht einfach, so viel Geld einzusammeln. Auch im letzten Jahr war es kein Spaziergang. Die Konkurrenz ist hoch. Mit mehr als 100 Kunden können wir aber einen gewissen Erfolg nachweisen.

Wie weit kommen Sie mit den 27 Millionen Dollar, für die Ihre Investoren Anteile an der Firma erhalten haben?

Novakovic Sie sollten für mindestens anderthalb Jahre ausreichen. Je erfolgreicher wir sind, desto mehr Geld brauchen wir. In diesem Jahr werden wir von fast 70 Mitarbeitern - davon arbeiten rund 20 in Solingen - auf über 100 wachsen. Mitbewerber beschäftigen deutlich über 1000 Mitarbeiter. Das Potenzial dafür besitzen wir auch, denn wir haben ein Weltklasse-Team an Ingenieuren und einen Vorsprung von ein bis zwei Jahren. Für unsere Technologie haben wir in den USA fünf Patente beantragt.

Was macht Instana anders als Mitbewerber?

Novakovic Wir haben als Erster auf AI gesetzt, also auf Artificial Intelligence, und als Symbol dafür den schwebenden Roboter "Stan" gewählt. Bei einer komplexen digitalen Welt wird AI immer nötiger.

Stephen Hawking hat gerade vor Künstlicher Intelligenz gewarnt.

Novakovic Elon Musk auch. Er hat dafür sogar eine Gesellschaft gegründet. Noch sind wir aber meilenweit davon entfernt, dass ein Computer die Kapazität des menschlichen Gehirns erreicht.

Weshalb brauche ich dann Ihre Standard-Software, statt die Aufgaben an Mitarbeiter aus Fleisch und Blut zu übertragen?

Novakovic Wir haben eine Software, die andere Software überwacht - viel schneller und besser, als es ein Mensch kann, weil die Software intelligent wird und nicht angepasst werden muss. Die überwachten Programme bestehen aus immer mehr Bauteilen, die auf immer mehr Rechnern laufen, in der Regel mehreren hundert. Wenn man heute beispielsweise eine Suchanfrage bei Google startet, sind bis zu 10.000 Server beteiligt. Damit wird es ständig schwieriger herauszufinden, welches Bauteil defekt ist oder warum die Geschwindigkeit sinkt. Wir machen eine Art Fehlerspeicher wie beim Auto. Damit sind wir weltweit technologisch führend. In Deutschland zählen beispielsweise Audi, Douglas und Sixt zu unseren Kunden.

Baustart für die Instana-Zentrale soll in diesem Sommer sein. Ist das ein weiterer Wendepunkt für das Gebiet hinter dem Hauptbahnhof?

Novakovic Von unserer Seite sicher. Wir werden beispielsweise ein hippes Design-Café ins Gebäude setzen, wie man es aus dem Silicon Valley und aus Berlin kennt. Aber da muss noch mehr an Infrastruktur her, um Start-ups anzuziehen. Wir können zwar für das Know-how und eventuell für eine Anschubfinanzierung sorgen: Wir überlegen, einen Fonds für "Seed Investments" aufzulegen. Da Arbeit und Freizeit immer mehr zusammenwachsen, gehören aber auch neue gastronomische Betriebe an die Sauerbreystraße oder in die Nähe. Da sind wir in Ohligs noch sehr altmodisch aufgestellt.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE FRED LOTHAR MELCHIOR

(flm)
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