Solingen: In der Gemeinde eine Heimat schaffen

Solingen: In der Gemeinde eine Heimat schaffen

André Hoppe engagiert sich seit seinem 16. Lebensjahr für die Gemeinde St. Reinoldi in Rupelrath.

André Hoppe kennt die evangelische Gemeinde St. Reinoldi Rupelrath seit seiner Kindheit. "Ich habe viele Stationen als Kind mitgenommen", sagt der 28-Jährige. Als er 16 Jahre alt war, rief er zusammen mit anderen Jugendlichen einen Jugendkreis ins Leben. "Das Schöne ist, dass wir hier in der Gemeinde viel Freiheit haben, unsere Arbeit selbst zu gestalten", erzählt er. Der Jugendkreis war der Beginn seines ehrenamtlichen Engagements in der Gemeinde. "Je älter man wird, verschieben sich auch die Mitarbeitsbereiche", sagt André Hoppe.

Noch immer ist er aktiv in der Jugendarbeit, fährt als Betreuer mit auf Freizeiten oder ist samstags im Jugendcafé für die jungen Menschen da. "Wir wollen nicht, dass die Jugendlichen auf der Straße herumhängen, sondern einen Ort haben, eine Heimat." Das Jugendcafé ist offen für jeden. "Man muss hier nicht in der Bibel lesen", betont André Hoppe, "wir wollen niemandem den Glauben aufzwingen."

Was er aus der Jugendarbeit mitgenommen hat, die Offenheit und die Freude am selbst gestalten, konnte er bereits in einem ganz anderen Rahmen wieder einsetzen. "Uns ist aufgefallen, dass wir nur Jugendarbeit und Erwachsenenarbeit, das heißt, für Menschen ab 50 Jahren, machen." Die jungen Erwachsenen jedoch, die der Jugendarbeit entwachsen waren, gingen der Gemeinde verloren. So wurde ein etwas anderer Gottesdienst ins Leben gerufen. "Für Menschen von zwanzig bis Ende offen", meint André lächelnd. Dieser Gottesdienst kommt ohne Orgel aus. Stattdessen werden hier moderne Lieder, auch englische Songs, gesungen und oft spielt eine Band. "Ich spiele selbst Gitarre und singe dazu", sagt Hoppe. Dieser Gottesdienst hat keine feste Liturgie, keine starren Abläufe. "Wir haben einen großen Fokus auf Gott, aber auch auf die Gemeinschaft." Die Anteilnahme am anderen ist hier sehr wichtig. "Mit einer ehrlichen Herzenshaltung und Interesse am Menschen", betont André Hoppe. In diesem Gottesdienst kann auch er sich Orientierung holen, eine Heimat finden, in der er sein kann, wie er ist. Und das möchte er auch an andere weitergeben. Es ist ein Gottesdienst zum Auftanken. Weil Ehrenamtliche sich häufig überfordern, wird die Gestaltung dieses Gottesdienstes auf mehrere Schultern verteilt. "Ich räume auch gerne mit Vorurteilen auf", meint er. "Kirche ist nicht verstaubt." Er gehe auch auf Musikfestivals und trinke gerne mal ein Bier. "Man kann den Glauben auch teilen, wenn man einen ganz normalen Beruf und ganz gewöhnliche Hobbys hat."

Viel privater geht es in dem Hauskreis zu, den André Hoppe leitet. Hier treffen sich um die sieben Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, um in einem Wohnzimmer, in geschütztem Rahmen, miteinander ins Gespräch zu kommen. "Wir quatschen darüber, wie unsere Woche war, aber wir wollen auch einen geistlichen Input bekommen", sagt Hoppe, der sich darüber freut, die Entwicklung der Jugendlichen miterleben zu dürfen. "Man sieht, wie sie sich entwickeln, in der Schule, im Glauben, in ihren Partnerschaften." Mit allen Problemen können sie kommen in der festen Gewissheit, "hier sind Leute, denen ich vertrauen kann", betont Hoppe, der den Vorteil hat, ein wenig älter und erfahrener zu sein. "Ich kann ihnen etwas mitgeben." Seit einem Jahr ist André Hoppe nun auch Mitglied des Presbyteriums. Er hat in der Gemeinde St. Reinoldi Rupelrath eine Heimat gefunden, die er mit anderen Menschen gerne teilt.

(sue)