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Solingen: Immer mehr Mieter haben Probleme

Solingen : Immer mehr Mieter haben Probleme

Ein närrisches Jubiläum feierte gestern der Mieterbund Rheinisch-Bergisches Land im Theater und Konzerthaus. Vor 111 Jahren sei er in Solingen gegründet worden, teilte der zweite Vorsitzende, Hans-Werner Bertl, mit. "Wir sind aber kein Karnevalsverein", versicherte er. Man habe sich nur jetzt erst auf die Suche nach den Ursprüngen gemacht und sei im Stadtarchiv auf dieses Datum gestoßen.

Mittlerweile ist der Verein auch in Hilden, Haan und dem Kreis Mettmann tätig. Rund 5400 Mitglieder zählt er. "2010 waren es noch etwa 5000", berichtet Geschäftsführerin Gerlinde Rothlübbers. Immer mehr Mieter hätten Probleme mit ihren Vermietern, die sie nicht alleine lösen könnten. "2010 hatten wir 4500 Beratungsneufälle", sagt die Rechtsanwältin. Das seien zusammengezählt 1500 Stunden. Hinzu kämen 600 Stunden telefonische Beratung.

Hauptproblem: Immobilienfirmen mit Sitz im Ausland, die ganze Siedlungen aufkaufen, sich dann aber nicht weiter um den Bestand kümmern. "Die Mieter bekommen zwar Telefonnummern mit Ansprechpartnern", erzählt Rothlübbers. "Aber wenn im Winter die Heizung ausfällt und sie dort anrufen, geht niemand ans Telefon."

In Solingen gehöre beispielsweise die ehemalige Gagfah-Siedlung in der Hasseldelle weiter zu den schwarzen Schafen. Der Verkauf in diesem Jahr habe so gut wie keine Verbesserung gebracht. Auch der neue Eigentümer, die Firma "Residental", kümmere sich nicht um die Mängel, sondern nur um einige optische Veränderungen.

"Immer mehr mittelständische Unternehmen, die auch Wohnhäuser besitzen, verkaufen diese", berichtet Gerlinde Rothlübbers. Entweder, weil die Erben sie nicht mehr haben wollten, oder wegen der wirtschaftlichen Lage: "Meist bleiben die Mieter dabei auf der Strecke." Denn die Häuser gingen bevorzugt an ausländische Immobilienfirmen. "Dort ist es dann schwierig, sie haftbar zu machen — insbesondere, wenn eine Kaution zurückgezahlt werden soll."

Der Verein hat sich auf die steigende Nachfrage eingestellt. "Seit 2011 haben wir einen zusätzlichen Berater", teilt die Geschäftsführerin mit. Der Mitgliedsbeitrag von 68 Euro soll — wie die vergangenen sechs Jahre — vorerst konstant gehalten werden. Wirtschaftlich stehe der Verein solide da. "Wir schreiben seit vier Jahren schwarze Zahlen", freut sich Gerlinde Rothlübbers.

(RP)