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Solingen: Im Karnevalskostüm in Müngsten heiraten

Solingen : Im Karnevalskostüm in Müngsten heiraten

Die Stadt ermöglicht erstmals Trauungen an ungewöhnlichen Orten. Sie müssen allerdings bestimmte Anforderungen erfüllen. Eine spezielle Kleiderordnung für die Brautpaare gibt es hingegen nicht.

Horst Strotmann kann sich noch erinnern an das Paar, das in Lack und Leder zur Trauung erschien. "Schließlich muss jeder selber wissen, wie er sich an diesem besonderen Tag im Leben wohlfühlt", sagt der Leiter des Standesamts, der in seiner über 20-jährigen Amtszeit mehrere 1000 Paare getraut hat. Bald wird er neben dem Haus Kirschheide, Schloss Gründewald und Schloss Burg auch an anderen ungewöhnlichen Orten Paare trauen. Die Stadt kommt damit vielfach geäußerten Wünschen von Heiratswilligen Paaren nach und bietet zunächst sechs Termine hierfür an.

In Solingen werden pro Jahr etwa 750 Ehen geschlossen und 15 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gegründet. Auf schloss Burg heiraten circa 40 Paare jährlich, auf Schloss Grünewald 15. Die meisten Ehen werden im Haus Kirschheide in Höhscheid geschlossen, wo auch das Standesamt seinen Sitz hat, das mit 7,5 Stellen ausgestattet ist.

Wünsche, nicht dort zu heiraten, wo alle anderen Paare sich das Jawort geben, wurden immer schon an die Standesbeamtinnen und -beamten herangetragen. Wer aber in der Kellerbar oder seinem Schrebergarten heiraten möchte, den muss die Stadt auch künftig enttäuschen. "Es ist zwar heute nicht mehr alles so steif wie früher, doch die Hochzeit soll auch keine Comedy-Veranstaltung werden", sagt Horst Strotmann, "doch gewisse Anforderungen muss der Ort für eine Trauung schon erfüllen". Die sind in einem Kriterienkatalog festgelegt. So muss der Raum hinsichtlich seiner Größe, Ausstattung und Art der Bedeutung einer Eheschließung gerecht werden. Paare dürfen zum Beispiel durch die Wahl des Ortes nicht "der Lächerlichkeit preisgegeben sein. Der Trauort muss ein abgeschlossener, ausreichend großer Raum sein mit Platz für den Standesbeamten, das Brautpaar und die Trauzeugen. Auch möchte die Stadt mit dem neuen Angebot ihr Image fördern, denn der Trauort soll einen für Solingen prägenden Akzent aufweisen oder in anderer Weise über außergewöhnlichen Charakter verfügen.

Ein Ort, der diese Kriterien erfüllt, ist das Haus Müngsten. Dort stehen die Betreiber seit mehr als einem Jahr in den Startlöchern, da bereits viele Paare den Wunsch äußerten, unter der Müngstener Brücke zu heiraten. "Unter freiem Himmel unter der Brücke ist das zwar nach wie vor nicht möglich, wie Horst Strotmann erklärt, doch in Haus Müngsten kann geheiratetet werden. Ein Trauzimmer ist bereits vorhanden.

Anders als an die Orte werden an die Kleidung der Paare keine besonderen Anforderungen gestellt. Hier kann in der Uniform des Karnevalsvereins ebenso geheiratet werden wie im Blaumann. Die Standesbeamten selbst allerdings kleiden sich der Würde der Zeremonie entsprechend mit Anzug und Krawatte oder Kostüm und Bluse.

Heiraten an ungewöhnlichen Orten ist dennoch nicht völliges Neuland für Solingens Standesbeamte. Drei bis vier Eheschließungen finden pro Jahr im Krankenhaus statt, wenn einer der Heiratswilligen schwer erkrankt ist. Nicht mehr nötig ist heutzutage die Hochzeit, wenn die Braut kurz vor der Niederkunft ist. "Die ehelich und nicht ehelich geborenen Kinder sind heute gleichgestellt", sagt Horst Strotmann.

Frage des Tages Seite C 2

(RP)