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Solingen: Im Kammerkonzert glänzte das Bratschen-Quartett "viola cantabile"

Solingen : Im Kammerkonzert glänzte das Bratschen-Quartett "viola cantabile"

Kommt ein Bratschen-Spieler in ein Musikalien-Geschäft. Musiker: "Ich hätte gerne einen Dämpfer für meine Bratsche." Verkäufer: "Das ist ein guter Tausch." - Witze über dieses Instrument und jene, die es bedienen, gibt es reichlich. Denn wer Bratsche spielt, scheint es bis zur Violine nicht geschafft zu haben und fristet ein Schattendasein im Orchester - eingeklemmt zwischen strahlenden Geigen und sonor wendigen Celli.

Tatsächlich muss man lange zwischen Berlioz und Hindemith graben, bevor man auf Werke stößt, welche die klangschönen und virtuosen Seiten dieses Instrumentes in den Mittelpunkt stellen. So war das 2. Kammerkonzert der Bergischen Symphoniker im Kunstmuseum am Sonntagabend ein besonderer und seltener Genuss. Hier gab es die Viola gleich im Quadrat - beziehungsweise im Quartett.

Johanna Seffen, Alexander Kiss, Uta Nießner und Stefan Nießner sind das Bratschen-Quartett "viola cantabile". Der Name ist Programm. Denn das Gesangliche stand etwa ganz in der Sinfonia aus Bachs Kantate "Gleich wie der Regen" im Vordergrund. In schwingendem Dreiertakt wechselten Unisono-Passagen mit kontrapunktischer Vierstimmigkeit ab. So beeindruckte auf der einen Seite der homogene Klang des Ensembles, und auf der anderen Seite wurde sofort ohrenfällig, wie vielgestaltig ein solches Spiel sein kann. Die Bratsche vermag sowohl die Höhe als auch die Tiefe abzudecken.

"Nachtstücke" lautete programmatisch der Titel des Abends. Mal zart dahinfließend, mal heiter versponnen, dann in einer flotten Fuge mündend, schlug das Notturno von Carl Ditters von Dittersdorf den Bogen vom Barock zur Klassik. Den in die Romantik hinüberschwebenden Übergang wurde mit einem Nocturno von Wenzel Kalliwoda gemacht. In dem tänzerischen Spiel der vier Musiker schien einem Carl Maria von Weber zuzuwinken. Munter und mit verspieltem Tiefgang überzeugte ein Trio des Beethoven-Zeitgenossen Jacques Bouffil.

Bei der ebenso aparten wie seltenen Besetzung eines Bratschen-Quartetts oder -Trios ist es klar, dass es dafür kaum Originalkompositionen gibt. So standen überwiegend effektvolle Bearbeitungen von Stefan Nießner auf dem Programm. Eine Auftragskomposition für drei Violen gab es aber auch im Meistermannsaal des Kunstmuseums: "Cloud Burst" des 1977 geborenen Komponisten Joseph Bartz. Aber vor avantgardistischer Musik musste man sich hier nicht fürchten. Abwechslungsreich variierend pendelte das Werk zwischen einer Art archaischer Tanzmusik und kantablen Abschnitten. Perlend und in schöner Phrasierung durch die Stimmen wandernd, erklang ein Divertimento von Haydn, nachdem mit einer Sinfonia von Rossini ein Ausflug auf die Opernbühne gemacht wurde: eine dramatische Miniaturszene für vier Violen. Vom Nachtstück ist es nicht weit zur abendlichen Serenade. Und da mag manchem vielleicht die Balkonszene aus "Romeo und Julia" einfallen. Besonders viel Applaus gab es für das moderne Gegenstück: die "Balcony Scene" aus Bernsteins "West Side Story". Singend, schwungvoll und schmelzend zeigte das Quartett, dass man weder ein Orchester noch große Sänger braucht, um virtuos Stimmungen erzeugen zu können. Eine Steigerung konnte da nur noch ein Flug zu den Sternen werden. Beschwingt und witzig fing "viola cantabile" die seltsam nostalgischen Klänge der Cantina-Band aus John Williams' Filmmusik zu "Star Wars" ein. Wer das erlebt hat, macht bestimmt keine Bratscher-Witze mehr.

Das Kammerkonzert wird am 11. Januar, 11.15 Uhr, im Teo Otto Theater in Remscheid wiederholt. Zum 3. Kammerkonzert der Bergischen Symphoniker wird am 8. März, 18 Uhr, wieder ins Kunstmuseum eingeladen. Auf dem Programm Werke für Klarinette, Cello und Klavier.

(RP)