Solingen: Im Herzen ein Erzgebirger geblieben

Solingen : Im Herzen ein Erzgebirger geblieben

Es war der 12. August 1957, als Lothar Jokisch mit seinem Motorrad Marke MZ nach Solingen kam. Das war damals gar nicht so einfach, denn er kam aus Lauter im Kreis Aue im Erzgebirge und brauchte eine Ausreiseerlaubnis der DDR. Die Einladung in die Klingenstadt, die jetzt seit 50 Jahren seine neue Heimat ist, bekam Lothar Jokisch ein Jahr zuvor, als er den Kirchentag in Frankfurt besuchen durfte. Die herzliche Aufnahme und die ungeliebten Verhältnisse in seiner Heimat bewogen ihn, zu bleiben, erinnert er sich heute. Dieser Entschluss verwehrte ihm für die nächsten fünf Jahre die Rückkehr nach Lauter. Jokisch bekam als gelernter Bäcker eine Arbeitsstelle in Widdert, wo er Fuß fasste, heiratete und den Meister machte. Später musste er aus gesundheitlichen Gründen den Bäckerberuf aufgeben, er wechselte in den öffentlichen Dienst und war allein 30 Jahre Hausmeister an der Grundschule Katternberger Straße.

Städtepartnerschaft mitinitiiert

Die Erinnerung an seine Heimat konnte der Neusolinger bereits ab 1961 im soeben gegründeten Erzgebirgsverein pflegen, und schon 1962 wurde er Vorsitzender. Ein Ehrenamt, dass Lothar Jokisch bis heute ausübt. Nach der Wende konnten die bereits über viele Jahre gepflegten Beziehungen zum Landkreis Aue wieder ausgebaut werden. Der Posaunenchor Lauter kam zu einem Besuch in die Lutherkirchengemeinde, und bei einem Empfang beim damaligen Oberbürgermeister Gerd Kaimer kam die Idee, mit Aue eine Städtepartnerschaft einzugehen. Jokisch übernahm die Vermittlung zum Runden Tisch in Aue.

Inzwischen besteht diese Partnerschaft seit 17 Jahren, und es hat so manchen Austausch in die eine wie in die andere Richtung gegeben. Lothar Jokisch selbst ist nach 50 Jahren längst ein Solinger geworden, doch wie er selbst zugibt: „ImHerzen bin ich ein Erzgebirger geblieben.“

(RP)
Mehr von RP ONLINE