Solingen: Im Burger Papiertheater fiel der letzte Vorhang

Solingen: Im Burger Papiertheater fiel der letzte Vorhang

Für die allerletzte Vorstellung hatte sich Peter Schauerte-Lüke etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Er verabschiedete sich mit dem Papiertheater von seinem Publikum mit einer Gala. "Ich habe die Sahneschnittchen aus dem gesamten Repertoire zusammengestellt", sagt der Gründer des Burgtheaters. Außerdem gab es die Welturaufführung einer Kurzoper des österreichischen Komponisten und Dichters Georg Kreisler zu erleben - "Der Opernbubi".

Doch dann fiel der letzte Vorhang für das Burgtheater. "Jetzt geht es erst mal ins Magazin", erklärt Peter Schauerte-Lüke. Es gibt zwar schon eine neue Heimat für das Papiertheater, aber dort muss erst noch umgebaut werden. "Ich schätze, dass wir zum Jahreswechsel in die neue Spielstätte ziehen können." Diese befindet sich in Köln-Mülheim. "Es ist ein ehemaliges Kino an der Buchheimer Straße", verrät er. Natürlich ist das Kino selbst zu groß für das Papiertheater. "Das kommt ins Foyer, da ist es viel intimer." Doch auch im Kinosaal wird Schauerte-Lüke aufspielen. "Wenn es ganz großes Papiertheater gibt." Dafür sollen in den übrigen Räumen Probemöglichkeiten für Musiker und Theatergruppen entstehen. "Wir können uns mit vielen vernetzen und das eröffnet neue Chancen."

Crossover-Projekte möchte Schauerte-Lüke gerne umsetzen: "Ein Oratorium für das Papiertheater." Viele Ideen, die ihm bereits in Solingen vorschwebten, deren Umsetzung ihm allerdings verwehrt blieb. Dennoch hat er in den zwölf Jahren viel auf die Beine gestellt. "Wir hatten ein Papiertheater-Festival hier, eine prachtvolle Aufführung des "Freischütz" in der Kemenate, viele Premieren und neue Stücke, die ins Repertoire übernommen wurden", erzählt er.

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Vom Papiertheater-Virus gepackt wurde Peter Schauerte-Lüke allerdings schon vor 30 Jahren. "Ich hatte mein Papiertheater-Coming-out in Lübeck", sagt er. Zuerst betrieb Schauerte-Lüke sein Papiertheater parallel zu seinem Buchgeschäft, bevor er sich nach dessen Schließung ganz dem Theaterleben widmete. Leidenschaftlich hat er für die Erhaltung seines Burgtheaters gekämpft, doch leider blieb ihm der Erfolg versagt. Dennoch geht er nicht mit Groll im Herzen, wie er betont. "Ich habe viele nette Leute hier kennengelernt, die mich unterstützt haben. Dass die Politik das nicht getan hat, ist eine andere Sache." Vor allem von Oberbürgermeister Norbert Feith zeigte sich Schauerte-Lüke enttäuscht: "Der hat es nicht fertiggebracht, ein einziges Mal hierher zu kommen."

Trotzdem will der Papiertheater-Intendant den Kontakt nach Solingen halten und vielleicht hin und wieder mit seiner Wanderbühne auftreten. "Der Schlossbauverein sagte, Aufführungen in der Kemenate seien vorstellbar." Doch nun konzentriert sich Peter Schauerte-Lüke auf die Zukunft in Köln: "Ich freue mich auf die neue Aufgabe."

(sue)
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