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Solingen: Igor Levit spielte die drei letzten Sonaten Beethovens

Solingen : Igor Levit spielte die drei letzten Sonaten Beethovens

Die letzten Sonaten Beethovens zählen zu den Meilensteinen der Klavierliteratur. Arrau, Brendel und Kempff haben sie gespielt, und ein junger Interpret, der sich an sie "heranwagt", muss sich an den Legenden messen lassen.

Der in Nishni Nowgorod geborene, in Hannover lebende Igor Levit nimmt die Herausforderung an. Einen Jahrhundertpianisten nennen ihn viele, und so ist die Spannung enorm, als der 26-jährige, weltweit gastierende Pianist im Kunstmuseum Solingen Station macht und dort, zu Beginn der Konzertsaison, Beethovens op. 109, 110 und 111 auf dem Programm hat.

Das Sensationelle an Levit ist zuerst sein völlig unallürenhaftes Auftreten. Freundlich führt er in die Sonaten Beethovens ein. Er schätzt deren innere Freiheit und die Nähe zu Bach. Erst dann schlägt er die ersten Töne an — und betritt sofort die Seelenlandschaft einer vergeistigten Musik, die aber durch sein sensibles Spiel schnell Zugang zum Hörer findet. Er arbeitet Kontraste heraus, er atmet Melodien, Phrasen, Linien mit enormer Musikalität, analysiert Details mit mikroskopischer Präzision. Wunderbar rauschen die Sechzehntel des Kopfsatzes der op. 109 dahin, bis sie jäh vom Adagio expressivo angehalten werden.

Dann entführt Levit in die Welt schroffer Kontraste, kühner Linien und gewagter harmonischer Weitschweifigkeit. Durchdacht, technisch souverän spielt er, kostet Spannungsbögen aus, phrasiert haarfein. Dem mit orchestraler Energie präsentierten e-moll-Ausbruch des zweiten Satzes folgt der melodiöse dritte, in dessen Sanglichkeit Levit völlig aufgeht. Filigran verwebt er die sich anschließenden Variationen mit ihren technischen und rhythmischen Feinheiten, der komplexen Stimmführung und den beidhändigen Trillern der Variation 6 zur kunstvollen Einheit.

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Dass er dann ohne Pause überleiten kann in die Sonate op. 110 As-Dur, spricht für sich: Den Geist dieser Musik hat er voll als Einheit verinnerlicht. Auch an der Komplexität des dritten Satzes scheitert er nicht. Herrlich klagend das Arioso, wie ein Gebirgsbach fließend die Fuge. Nach der Pause folgt die op. 111 - Beethovens pianistisches Vermächtnis. Nur zweisätzig, zehn Minuten kurz und doch ein gigantisches Bauwerk in Tönen. Mit seinem bedeutungsvoll intonierten Maestoso rückt Levit sie sofort in die Nähe der Pathetique und lässt dann ein von starken Kontrasten geprägtes Spiel mit toll herausgemeißelter Polyphonie folgen. Und mit dem 20-minütigen Adagio und seinen Variationen bewegt sich Levit souverän durch rhythmische Fallstricke, verzwickte Linien und schwere Triller zum leisen, fast im Nichts verhallenden Finale. Begeisterter Applaus auch für die großartige Inszenierung.

(RP)