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Solingen: "Ich wollte nur noch raus"

Solingen : "Ich wollte nur noch raus"

Stefan Breese hat den Kellerbrand in dem Haus an der Schellingstraße entdeckt. Er ist überzeugt, dass das Feuer gelegt wurde, denn es ist nicht das erste in der Siedlung. Polizei und Feuerwehr ermitteln noch.

Stefan Breese sitzt der Schock noch in den Gliedern. "Wenn ein Nachbarhaus brennt, ist das schon schlimm", sagt der 39-jährige Mieter der Schellingstraße in Wald. "Aber wenn das eigene Haus brennt und man nicht weiß, wie man hinauskommen soll, ist es furchtbar." Dass er den jüngsten Brand am Freitagabend frühzeitig entdeckt hatte und alle 18 Bewohner von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden konnten, war purer Zufall. "Ich hatte mit meinem Vater Fußball geguckt und wollte gerade ins Bett gehen, als ich gegen 0.30 Uhr den Brandmelder im Treppenhaus hörte", erzählt Breese.

Im Juli 2010 war nur wenige Meter entfernt am Hegelring dieser Papiercontainer angezündet worden. Foto: Susanne Genath

Eigentlich nichts Besonderes. Denn das Gerät piepe oft — entweder, weil die Batterie leer sei, oder, weil es nicht richtig funktioniere. "Weil ich aber Platzangst und große Angst vor Feuer habe, bin ich der Einzige im Haus, der immer gucken geht", sagt der 39-Jährige. Und diesmal war es kein Fehlalarm. "Das ganze Treppenhaus war voller Qualm."

Er rief seinem Vater, der das Wochenende zu Besuch war, zu, dass es brenne und machte sich aus dem zweiten Stock sofort auf den Weg nach unten. "Wegen meiner Klaustrophobie wollte ich nur raus", berichtet er. Doch er kam nicht weit. Zwischen Erdgeschoss und erstem Stock sei der Rauch so dicht gewesen, dass er die Orientierung verloren habe. "Ich wusste gar nicht mehr, ob ich nicht vielleicht schon im Keller war." Also drehte er um, ging zurück zu seiner Wohnung, stellte sich dort auf den Balkon und rief Polizei und Feuerwehr. Kurze Zeit später seien die Einsatzkräfte eingetroffen und hätten ihm zugerufen, dort oben zu warten. Etwa eine halbe Stunde später habe er das Haus verlassen können — durch das Treppenhaus, das durch das Eingreifen der Feuerwehr dann schon wieder rauchfrei war.

Zwei Mieterkeller brannten bei dem Feuer aus, darunter der von Stefan Breese und seiner Frau. Vier Menschen kamen mit einer Rauchvergiftung in Krankenhäuser. Die LEG, der das Haus gehört, schätzt den Schaden auf 20 000 bis 30 000 Euro. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus und hat jetzt einen Brandsachverständigen hinzugezogen.

Für Stefan Breese steht fest, dass das Feuer gelegt wurde. "Das ist mittlerweile das dritte Haus hier in der Siedlung, in dem es gebrannt hat", sagt der gelernte Teilezurichter. "Und es gibt hier keine Mülltonne, die nicht schon in Flammen gestanden hätte." Er kann nicht verstehen, wie jemand so etwas machen kann. "Wenn ich das Feuer nicht rechtzeitig entdeckt hätte, wären wir vielleicht gestorben", sagt er und kann es immer noch nicht fassen. "Das ist für mich ein Mordanschlag." Auch eine andere Hausbewohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, ist überzeugt, dass es sich um Brandstiftung handelt. Die LEG-Siedlung um Schellingstraße, Schopenhauer Straße und Hegelring habe sich zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt. "Die Polizei sollte hier öfter Streife fahren", fordert sie. "Alle Kinder haben Angst. Wir werden jetzt wegziehen."

Nach Auskunft der LEG konnten noch in derselben Nacht alle Mieter wieder in ihre Wohnungen. Sie hätten Strom und Wasser. Die Gasleitung sei zur Sicherheit noch abgeschaltet. Man werde sich bemühen, die Heizungen so schnell wie möglich wieder anzuschalten, frühestens jedoch Anfang nächster Woche. Fernsehen und Internet funktionieren nach Auskunft von Stefan Breese allerdings auch noch nicht. Die Leitungen wurden im Lüftungsschacht verlegt, durch den sich der Qualm laut Feuerwehr im ganzen Haus ausbreiten konnte.

Stefan Breese hat das Wochenende bei seiner Schwester geschlafen. "Ich weiß noch nicht, wann ich wieder in meiner Wohnung übernachten werde", sagt der 39-Jährige. Seine Frau sei zum Glück verreist. Doch habe das Feuer einen traurigen Schaden angerichtet: "Im Keller befand sich auch das Hochzeitskleid meiner Frau", erzählt er. "Wir haben erst im April geheiratet."

Bisherige Berichterstattung unter www.rp-online.de/solingen

(RP)