„Ich hinterlasse ein gut bestelltes Feld“

Brauchtum in Solingen : „Ich hinterlasse ein gut bestelltes Feld“

Der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval stellt sich Joachim Junker nicht zur Wiederwahl. Konkrete Bewerbungen um die Nachfolge gibt es nicht.

Wie haben Sie eigentlich vor 1988 Karneval gefeiert?

Junker Ganz normal, mit Besuchen auf Feiern und beim Rosenmontagszug. Als Kind verkleidete ich mich wie andere Altersgenossen als Cowboy. Natürlich bekam ich auch mit, dass es Karnevalsveranstaltungen in der Ohligser Festhalle gab. 1988/89 schloss sich unsere Tochter Pamela dann der Tanzgruppe Klingenstadt Solingen an. Darüber lernte ich erst den organisierten Karneval kennen und lieben – und gelangte so zur Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs.

 Wie schnell kamen dann die ersten Funktionen?

Junker Das begann schon in den 90er Jahren: Erst war ich Kassierer bei der Prinzengarde, dann Geschäftsführer, 2001 wurde ich schließlich Präsident. Und 2007 übernahm ich auch noch die Position des ersten Vorsitzenden.

2007 folgte auch der Vorsitz beim Festausschuss Solinger Karneval...

Junker …, den wir im selben Jahr neu gegründet hatten – als Nachfolger der kurz zuvor aufgelösten ISK (Interessengemeinschaft Solinger Karneval; die Red.). Damals gab es einige Probleme im Solinger Karneval. Seit Jahren hatten wir auch kein Prinzenpaar mehr gehabt.

In so einer Phase den Vorsitz zu übernehmen, ist aber nicht unbedingt ein Selbstläufer.

Junker Wenn ich etwas tue, dann will ich es auch gut und gewissenhaft tun – es ist immer leicht, sich zurückzulehnen, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen. Ich war schon seit den 70er Jahren im Leichtathletikverband Nordrhein tätig und kannte daher die Vereinsarbeit. Bei der Gründung des Festausschusses sprach man mich an, und ich sagte zu.

So etwas muss aber auch die Familie mitmachen.

Junker Natürlich. Man verbringt einen Großteil der Freizeit mit dem Ehrenamt. Zum Glück hatte und hat noch immer meine Ehefrau großes Verständnis dafür.

Wie viele Veranstaltungen haben Sie in der Zwischenzeit als Sitzungsspräsident eigentlich moderiert?

Junker Das dürften in den letzten 20 Jahren rund 200 Veranstaltungen gewesen sein, von der Prinzenproklamation, den großen Sitzungen bis zum Pfarr- und Altenheimkarneval.

Fällt Ihnen spontan ein besonders eindrucksvolles Erlebnis ein?

Junker Neben all den vielen tollen Veranstaltungen habe ich einen Besuch im Theodor-Fliedner-Heim mit der Prinzengarde und der Tanzgarde in sehr lebhafter Erinnerung – auch wenn das schon lange her ist: Dort trafen wir auf hörbehinderte Menschen, denen alles in Gebärdensprache übersetzt wurde. Sie nahmen uns mit einer großen Dankbarkeit auf. Solche Momente machen einem deutlich, wie wichtig es ist, den Karneval auch in die sozialen Einrichtungen zu bringen.

Es gab aber auch Konflikte – vor einigen Jahren kündigte der Festausschuss an, den Solinger Rosenmontagszug nicht mehr ausrichten zu wollen.

Junker Nach dem Zug, für den ich persönlich hafte, bekam ich einen Bußgeldbescheid vom Ordnungsamt. Es ging unter anderem um nicht korrekte Abdeckungen von Kabeln und nicht ausreichende Fluchtwege. Daraufhin teilte ich der Stadt mit, nicht mehr die Verantwortung für den Zug übernehmen zu können. Ehrenamtliche Organisatoren, die ein Ereignis wie den Rosenmontagszug letztlich auch für die Stadt stemmen, brauchen die Unterstützung der Behörden. Dazu gehört es, dass man auf mögliche Fehler aufmerksam gemacht und nicht ohne Vorwarnung zur Kasse gebeten wird. Der damalige Oberbürgermeister Norbert Feith war von dem Vorgang selbst völlig überrascht. Wir hatten schließlich sehr gute Gespräche mit den Verantwortlichen, und heute ist die Zusammenarbeit ausgezeichnet.

Im Mai treten Sie nicht mehr als FSK-Präsident an. Wie geht es mit Ihnen im Karneval weiter?

Junker Ich bleibe vorerst weiter Präsident und erster Vorsitzender der Prinzengarde Blau-Gelb. In den Vereinen findet ohnehin die Hauptarbeit im organisierten Karneval statt. Ich denke, es ist nach zwölf Jahren an der Zeit, das Zepter im Festausschuss an einen Vertreter aus anderen Vereinen weiterzureichen. Ich hinterlasse ein gut bestelltes Feld. Die finanzielle Situation des FSK ist gut, und wir haben es geschafft, den Karneval als Teil des Brauchtums wieder stärker in der Stadtgesellschaft zu verankern.

Wie steht es um mögliche Nachfolger? Es gibt ja Spekulationen um Kandidaten...

Junker Spekulationen gibt es immer. Aber konkret ist noch niemand an mich herangetreten. Vielleicht hat der eine oder andere geglaubt, ich würde eben doch noch weitermachen.

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