Schwerpunkt Hauptbahnhof: Hotel-Neubau: Verwirrspiel um Bahngebäude

Schwerpunkt Hauptbahnhof: Hotel-Neubau: Verwirrspiel um Bahngebäude

Entgegen zwischenzeitlicher Meldungen der Bahn ist das Areal hinter dem Hauptbahnhof noch nicht verkauft. Verhandlungen laufen weiter.

Das Dementi kam am Abend gegen 18.30 Uhr. In einer Mail trat die Spitze der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft (BEG) Auskünften des eigenen Mutterkonzerns entgegen, der zuvor fast den ganzen Mittwoch gemeldet hatte, das alte Gebäude am Osteingang des Solinger Hauptbahnhofs, das später einmal einem Hotel-Neubau weichen soll, sei mittlerweile verkauft. An dieser Nachricht sei nichts dran, hieß es vonseiten der BEG, die sich als gemeinsame Tochter der Bahn AG sowie des Landes NRW schon seit geraumer Zeit darum bemüht, die Fläche samt Bebauung hinter dem Hauptbahnhof in Ohligs zu vermarkten.

Damit setzte die Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft zunächst einmal einen Schlusspunkt unter die Nachricht, die gestern den gesamten Tag über in Solingen für Verwirrung gesorgt hatte. Denn um das geplante Hotel mit fast 120 Zimmern errichten zu können, wäre es nicht nur notwendig, auf das Areal der Bahn zurückzugreifen. Vielmehr ist vorgesehen, das Projekt auch auf dem danebenliegenden Grundstück des Solinger Unternehmers Michael Kölker zu verwirklichen. Und dieser hatte bereits am Mittwochnachmittag auf Anfrage unserer Redaktion klargestellt, dass er seine Fläche noch nicht veräußert habe.

Das Reisezentrum im Solinger Hauptbahnhof wird nur noch bis Ende April von der Deutschen Bahn betrieben. Foto: Radtke Guido

"Das ist keineswegs der Fall", betonte der Geschäftsführer der Forst Technologie GmbH & Co. KG, derweil Stadtdirektor Hartmut Hoferichter seinerseits versicherte, er habe ebenfalls keinerlei Nachrichten über einen möglichen Verkauf des Bahngrundstücks erhalten. "Wir stehen in einem regelmäßigen Kontakt mit den Verantwortlichen der BEG, die uns nun einmal mehr mitgeteilt haben, dass ein Verkauf bislang nicht stattgefunden hat", sagte der Stadtdirektor gestern Abend.

Indes war die Kunde von einer angeblichen Veräußerung des Bahnareals in den vergangenen Wochen tatsächlich bereits von Teilen der Bahn AG verbreitet worden. So existiert beispielsweise ein Schreiben aus dem Konzern an einen Solinger Politiker, in dem über den Kauf berichtet wird. Was allerdings auf ein Missverständnis innerhalb des Unternehmens zurückzuführen sein dürfte. Denn zuletzt wurden sowohl die seit Wochen defekte Uhr, als auch das DB-Logo an der Rückseite des Bahnhofs durch Mitarbeiter der Bahn entfernt - woraus andere Bedienstete im Konzern offenbar schlossen, ein Verkauf sei über die Bühne gegangen.

Die Treppe am Ausgang zur Sauerbreystraße ist mit Graffiti und Farbenschmierereien verunstaltet. Für die Reinigung ist die Stadt zuständig. Foto: Radtke Guido
  • Armutszeugnis blaue Tafeln

Und nicht nur die - auch viele Reisende wunderten sich über die Demontage. Wobei den Pendlern und anderen Bahnkunden nicht nur die fehlende Uhr sprichwörtlich auf den Magen schlägt. Nach der über zwei Jahre gehenden Grundsanierung des Bahnhofs für 9,5 Millionen Euro liegt nämlich nach wie vor einiges im Argen.

Foto: Radtke Guido

Anzeigetafeln So ist die neue Fahrgastinformation an den Bahnsteigen 3 / 8 weiterhin nicht in Betrieb - und wird wohl auch noch nicht so schnell die Arbeit aufnehmen. Der Hintergrund: Wie bei Reparaturversuchen seitens der Bahn jetzt klar wurde, macht eine Instandsetzung der Tafeln aufgrund ihres Alters keinen Sinn mehr. Laut Konzern müssen die Anzeigen vollständig erneuert werden. Ein Termin steht aber weiter aus. Einzig eine Tafel auf Gleis 1, die häufig flackert, wird nach Ostern ausgetauscht, hieß es bei der Bahn AG.

Reisezentrum Dafür geht es beim Reisezentrum im Haupteingangsbereich des Bahnhofs schneller voran als gedacht. "In den nächsten Tagen wird der Vertrag mit einem neuen Betreiber unterzeichnet", sagte ein Bahnsprecher. Anfang des Jahres hatte der Konzern angekündigt, den Servicepunkt nicht mehr selbst unterhalten zu wollen. Der Wechsel soll nun nicht, wie ursprünglich anvisiert, Anfang Juni über die Bühne gehen, sondern schon zum 1. Mai vollzogen werden. Für die Kunden wird sich, geht es nach den Verantwortlichen, zunächst nichts ändern. Auch bei dem neuen Betreiber können Fahrkarten erworben sowie Informationen bei Angestellten vor Ort eingeholt werden.

Graffiti Ein weiteres Problem am Hauptbahnhof sind Schmierereien, die zuletzt wieder vermehrt auftauchen. Ein Ärgernis auch für die Bahn, deren Tochter DB Regio Eigentümerin des Bahnhofs ist. Immerhin erhielt der Solinger Hauptbahnhof erst im Januar von den Testern des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) im VRR-Stationsbericht für das Jahr 2017 in Sachen Sauberkeit, Funktion und eben Graffiti Bestnoten - als einziger der insgesamt fünf Stationen in der Klingenstadt. Dementsprechend ist der Bahn AG sehr daran gelegen, die Schmierereien möglichst zeitnah zu beseitigen. Für die kürzlich entstandenen Graffiti am Aufgang Sauerbreystraße auf der Ostseite ist indes die Stadt Solingen zuständig. Eine Sprecherin der Stadt teilte gestern mit, die Verunstaltungen an den dortigen Treppen würden direkt nach den bevorstehenden Osterfeiertagen von den Technischen Betrieben beseitigt werden.

(RP)