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Hohe Strafen für Solinger Jugendbande

Solinger Jugendschöffengericht spricht Urteil : Hohe Strafen für Jugendbande

Ein Quintett stand nach Überfällen auf eine Gaststätte im Solinger Stadtteil Widdert und einen Kiosk in Wuppertal vor Gericht.

Zu hohen Jugendstrafen hat das Solinger Jugendschöffengericht vier von fünf wegen schweren Raubes angeklagte junge Solinger im Alter zwischen 15 und 20 Jahren verurteilt. Zwei jeweils 16-jährige Angeklagte erhielten eine Einheitsjugendstrafe von jeweils vier Jahren. Gegen den nach dem Jugendstrafrecht verurteilten 20-jährigen Fahrer der jungen Räuber sowie gegen einen 17-Jährigen wurden sogar Jugendstrafen von vier Jahren und sechs Monaten ausgesprochen.

Nur ein 18-jähriger Solinger, bisher kaum strafrechtlich in Erscheinung getreten und vom Schöffengericht als Mitläufer eingestuft, erhielt einen „Warnschuss“ in Form eines Schuldspruchs unter Vorbehalt: Er muss einen zweiwöchigen Jugendarrest ableisten und sich bewähren. Zwei Urteile sind schon rechtskräftig, drei Angeklagte haben gegen ihre Urteile Berufung eingelegt.

Das Quintett hatte im Februar zunächst versucht, eine Gastwirtschaft in Widdert zu überfallen. Dieser Raub misslang, obwohl einer der Täter die Gastwirtin mehrfach bedroht und ihr schließlich eine Pistole gegen den Kopf geschlagen hatte. Später stellte sich heraus, dass es sich bei der Waffe um eine frei verkäufliche Schreckschusswaffe gehandelt hat. Weil sich Gäste einmischen wollten, flüchteten die Täter ohne Beute.

In derselben Nacht war das Quintett in Wuppertal-Barmen erfolgreicher: Rund 800 Euro Bargeld raubten sie bei einem bewaffneten Überfall auf einen Kiosk und flüchteten mit einem Fahrzeug Richtung Solingen. Das von Zeugen beschriebene Fluchtfahrzeug wurde von der Polizei schnell identifiziert: Noch in derselben Nacht wurden drei der Täter festgenommen. Weitere Ermittlungen der Polizei führten zu zwei weiteren Festnahmen.

Vier von den jungen Solingern gehörten zu der Bande, die in wechselnder Beteiligung für mehr als zwei Dutzend Einbrüche in Solinger Schulen, Kindergärten, Kioske und Vereinsheime zwischen November 2017 und Februar 2018 verantwortlich war. Viele von ihnen sind inzwischen deshalb verurteilt, beziehungsweise es wurden diese Strafverfahren vorläufig eingestellt, weil die Beschuldigten in dem jetzt abgeschlossenen Raubverfahren eine noch weitaus höhere Strafe zu erwarten hatten. Auch wurden bei drei Angeklagten ihre zur Bewährung ausgesprochenen bisherigen Strafen aus früheren Prozessen widerrufen und flossen nunmehr mit in die jüngsten Urteile mit ein.

Für Aufsehen sorgte der Fall auch deshalb, weil eine andere Jugendgruppe nur wenige Tage später in der gerade überfallenen Widderter Gaststätte auftauchte, um sich angeblich „nur nach dem Raub zu erkundigen“ und sich „zu entschuldigen“. Diese Jugendlichen hinterließen einen zwiespältigen Eindruck bei Gästen, die damals die Polizei riefen. Als einer von den Gästen Fotos von dieser Gruppe machen wollte, flüchtete diese aus dem Lokal. Die Polizei stoppte daraufhin einen Obus, in dem die Gruppe angetroffen wurde.

Bei einer Kontrolle des Busses wurden eine versteckte, frei verkäufliche Schreckschusspistole und ein Messer mit feststehender Klinge sichergestellt. Angeblich wollte keiner der Jugendlichen Besitzer der Waffen sein. „Pistole und Messer konnten den Besitzern eben aus dieser Gruppe zugeordnet werden“, erklärte damals die Wuppertaler Staatsanwaltschaft. „Wir als Anklagebehörde vermochten jedoch nach Bewertung der polizeilichen Ermittlungen letztlich in dem Verhalten dieser zweiten Gruppe keinen strafrechtlich relevanten Tatbestand erkennen“, sagte Christina Laibold, Pressesprecherin der Wuppertaler Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage.