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Solingen: Hohe Spendenbereitschaft der Solinger für den Kältebus

Solingen : Hohe Spendenbereitschaft der Solinger für den Kältebus

"Ha, die passt!", ruft ein junger Mann, geschätzt Ende 20, mit einer schwarzen Wollmütze auf dem Kopf. Sein Atem wird in kleinen Wölkchen sichtbar, kein Wunder: Die Temperaturen gehen wieder mal unter den Gefrierpunkt.

Mitten in der klirrend-kalten Abendluft steht der Kältebus der Malteser in der Innenstadt zwischen Clemens-Galerien und P&C. Davor ein Ausgabetisch, auf dem sich neben einem großen Topf Kannen mit heißen Getränken und Kisten mit Brötchen reihen.

"Was gibt's denn heute?", fragt der Wollmützen-Träger die Helfer. Mit einem dampfenden Teller Gulaschsuppe stellt er sich an den Stehtisch, neben dem ein Heizpilz gegen die winterliche Kälte ankämpft. 25 Jahre jung ist er und lebt schon seit längerem auf der Straße. Für das, was die Solinger heute und in den letzten Wochen geleistet haben, sei er mehr als dankbar.

Auch Markus Feldker vom Verein Lafifee, der die Malteser heute unterstützt, zeigt sich sichtlich zufrieden: "Das ist einfach Wahnsinn. Damit hat keiner gerechnet." Er steht kopfschüttelnd vor dem stetig wachsenden Berg aus Tüten und Kisten voller warmer Kleidung, Decken und Schlafsäcken. Es ist gerade mal zehn nach sechs und der Bus somit erst seit wenigen Minuten im Einsatz, doch schon viele Solinger sind hier, um Sachen zu spenden.

"Wo kann ich das abgeben?", fragt eine Frau und zeigt auf den prall gefüllten Plastiksack neben sich. Die Hilfe ist für sie selbstverständlich: "Es soll keiner frieren. Und wenn wir mal ehrlich sind, haben die meisten von uns doch genug." Als sie die Suppe erblickt, geht sie schnurstracks zu dem jungen Mann hinter dem Stand, der gerade einem Bedürftigen einen randvollen Teller reicht. "Ich kann doch auch mal einen großen Topf Hühnersuppe kochen, die ihr verteilen könnt."

Der Kältebus ist seit 14 Tagen jeden Abend im Einsatz, erklärt Sascha Hoffmann von den Maltesern. Unterstützt wird das Projekt von der Stadtverwaltung mit 50 Euro pro Einsatz. Das reiche jedoch nie aus, weswegen man sich über Spenden sehr freue. Gerade erst habe die Belegschaft der St.-Lukas-Klinik die Malteser mit 1500 Euro unterstützt. Einige Bäckereien, darunter Backwerk, steuern immer wieder Brot und Brötchen bei.

Die Idee der Aktion stammt von Hoffmann selbst. Der 29-jährige Erzieher hat den Kältebus schon vor Jahren ins Leben gerufen. Sobald das Thermometer unter die zwei Grad-Marke sackt wird ausgerückt. "Wir sind jetzt ausschließlich hier in Solingen-Mitte." Kurzzeitig hätten sie auch in Ohligs und Wald gestanden, da gäbe es aber mit der Bahnhofsmission und der Notschlafstelle schon Angebote und in Wald "einfach nicht den Bedarf".

Am Kleiderberg wird ein älterer Mann mit tiefen Furchen im Gesicht und einer schiefen Brille auf der Nase fündig. "Das ist ja wie Weihnachten hier", sagt er und schlüpft in eine gefütterte Winterjacke. Er ist 44 Jahre alt, sieht aus wie 60. Seit 28 Jahren lebe er auf der Straße. Auf die Frage, wo er heute schlafe, antwortet er, dass er für ein paar Nächte bei einem Freund unterkommt. "Man schlägt sich halt so durch."

Er erzählt von seinem Hintergrund: In seiner Familie gab es "statt Essen auf die Fresse", auch sexueller Missbrauch gehöre zu seiner Vergangenheit. "Ich bin dann irgendwann abgehauen, Alkohol und Drogen kamen ins Spiel. Da kommt man schwer wieder raus." Das Hilfsangebot der Malteser nehme er dankend in Anspruch, er sei jeden Abend hier. Als ein Mann neben uns mit einem Umzugskarton voller Spenden auf dem Arm ankommt, sagt er lächelnd: "Vor den Solingern ziehe ich meinen Hut."

(RP)