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Höhen-Training im Regallager

Solingen : Höhen-Training im Regallager

Vor der Inbetriebnahme des Logistikzentrums werden Mitarbeiter der Firma BIA geschult, um in Notfällen eingreifen zu können.

Das neue Hochregal stellt die Unternehmensleitung der BIA Kunststoff- und Galvanotechnik vor bisher nicht gekannte Herausforderungen. Zurzeit läuft das Feintuning im Neubau hinter dem Firmensitz an der Untengönrather Straße. Im Februar, so der Plan, soll das 40 Meter breite, 60 Meter lange und 20 Meter hohe Logistikzentrum an der Lotharstraße in Betrieb gehen. Dessen Herzstück ist ein Hochregallager mit 4000 Palettenplätzen. Die werden automatisch be- und entladen - wenn alles reibungslos läuft.

Kai Denker muss aber auch immer die Ausnahme vom reibungslosen Regelfall im Auge haben. Er ist im Unternehmen als Fachkraft für Arbeitssicherheit tätig. In dieser Funktion muss er Vorkehrungen treffen, "dass wir bei Störfällen schnell eingreifen können". Das könnte beispielsweise eine schief im Regal abgestellte Palette sein. Die müsste dann von Hand gerichtet werden. In 18 Meter Höhe ist das kein Pappenstiel.

Wer sich in solche Höhen begibt, braucht eine "Ausbildung in der Absturzsicherung und für das Arbeiten und Retten in absturzgefährdeten Bereichen". Das ist vorgeschrieben. 30 BIA-Mitarbeiter nehmen an dieser intern "Ausbildung zum Höhenretter" genannten Maßnahme teil. In Theorie und Praxis geschult werden sie von Ausbildern des Vertikal-Labors in Münster.

Zum praktischen Teil der mit der Berufsgenossenschaft abgestimmten, sechs Tage dauernden Ausbildung gehören auch Übungen in sechs bis acht Meter Höhe. Dabei müssen immer zwei Höhenretter dabei sein. Einer klettert, der andere sichert ihn ab - und greift ein, wenn der Kollege in eine Notlage gerät. Dazu müssen sich beide in der richtigen Handhabung der Ausrüstung - Gurte, Seile, Haken - auskennen.

Da bei BIA in drei Schichten gearbeitet wird, muss eine entsprechend hohe Zahl an Höhenrettern ausgebildet werden - zumal auch Urlaubszeit und krankheitsbedingte Ausfälle berücksichtigt werden müssen. "Auf die betriebsinterne Ausschreibung hatten wir eine sehr große Nachfrage", sagt Denker. Innerhalb von zwei bis drei Tagen hatten sich ausreichend Kandidaten gemeldet.

Die Bewerbung allein reichte aber nicht aus. Das letzte Wort hatte die Betriebsärztin, die alle Bewerber auf ihre Tauglichkeit hin untersucht hat. Die Untersuchung muss regelmäßig wiederholt werden. Das gilt auch für die jährlichen Sicherheitsunterweisungen der Mitarbeiter. Im gleichen Abstand müssen zudem die vier bis sechs vor Ort zur Verfügung stehenden Schutzausrüstungen geprüft werden.

Die finanziellen Aufwendungen für die Ausbildung der Höhenretter schlagen angesichts der Gesamtinvestition von 18 Millionen Euro kaum zu Buche. Darin enthalten sind neben den Neubauten auch die Anlagentechnik sowie die Kosten für die anschließenden Umbauten in den bestehenden Gebäuden.

Zu den Gesamtkosten tragen auch die moderne Energietechnik mit Gasmotorwärmepumpe bei. Ganz zu schweigen von den Anforderungen des Brandschutzes mit Sprinkleranlage und elektrischer Brandmeldeanlage. Hinzu kommt eine Löschwasserzisterne mit einem permanenten Wasservorrat von 1100 Kubikmetern. Das Wasser wird nicht nur in seinem dunklen Erdloch vor sich hindümpeln, sondern durch einen künstlichen Bachlauf mit vier Meter hohem Wasserfall am Gartencafé des Betriebsrestaurants für einen idyllischen Ausblick durch die Glasfassade des Verwaltungsgebäudes sorgen.

Baubeginn für den Neubau war im Oktober 2016. Das größte Problem galt es zu Beginn zu meistern: Weil der Boden nicht gleichmäßig tragfähig ist, mussten die Fundamente auf 200 Pfähle im Untergrund gestellt werden. Die Pfahlgründung ist ein Grund dafür, dass der Neubau die größte am Standort Solingen getätigte Einzelinvestition der Firmengeschichte ist.

(RP)