Solingen: Hitzige Debatte um Gebiet Schrodtberg

Solingen : Hitzige Debatte um Gebiet Schrodtberg

Im alten Hauptbahnhof stellte die Verwaltung Bürgern die Bauleitplanung für das Gewerbegebiet Schrodtberg vor.

Schon zu Beginn des Abends war klar: Mit Beifall konnten die Referenten nicht rechnen. Bei der Bürgerversammlung zum Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Schrodtberg in der Wartehalle des alten Hauptbahnhofs hagelte es am Montagabend Kritik und zum Teil auch persönliche Angriffe auf die Vertreter der Stadt. Vor allem Frank Balkenhol als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung bekam sein Fett weg: "Sie sind ja zugereist und werden auch wieder weiterreisen, um eine andere Stadt auszuverkaufen", schimpfte ein Mann.

Die einzige Aufgabe der Wirtschaftsförderung bestehe darin, Naturflächen zugunsten gewerblicher Abenteuer zu "verramschen", hieß es in einem Brief der Bürgerinitiative "Schützt den Schrodtberg". Deren Vorsitzender Marius Stiehler hatte das Schreiben demonstrativ an Richard Schmidt, Bürgermeister im Stadtbezirk Mitte, übergeben. Exemplare des Briefes will Stiehler an sämtliche Ratsmitglieder schicken.

800 Petitionen sind bereits bei Oberbürgermeister Norbert Feith eingegangen. Ziel der Bürgerinitiative ist die Umwidmung der Fläche am Schrodtberg in ein Landschaftsschutzgebiet. "Das könnte allerdings nicht der Rat allein entscheiden", wandte Karl-Heinz Schmidt, Leiter des Stadtdienstes Planung, Mobilität und Denkmalpflege, ein und versicherte einmal mehr, dass auf dem 4,6 Hektar großen Areal zwischen Kohlfurth, Stöcken und Schrodtberg kein Industriegebiet mit hoher Lärm- oder Geruchsbelastung entstehen werde.

Neben Logistikunternehmen könnten dort unter anderem Verpackungsfirmen sowie Arbeitsplätze für Konstrukteure und Büromitarbeiter entstehen, sagte Frank Balkenhol. Er verwies auf die Engpässe bei der Versorgung von Betrieben mit passenden Gewerbeflächen in Solingen. Von 73 Hektar befänden sich 40 in privater Hand. Von den übrigen Gebieten seien nur 20 Hektar rasch verfügbar.

Das reiche nicht, um den jährlichen Bedarf an Gewerbeflächen zu decken. "Auch Brachen sind keine sichere Reserve für die Zukunft", sagte Frank Balkenhol mit Blick auf die hohen Kosten für die Entsorgung von Altlasten aus dem Boden, die im Fall einer Reaktivierung notwendig würde. Streit gibt es derzeit auch um andere geplante Gewerbegebiete, wie beispielsweise Fürkeltrath II und Piepersberg West — beide in Gräfrath. Der Planungsausschuss hatte Mitte Juli mehrheitlich eine frühzeitige Bürgerbeteiligung inklusive einer Vorentwurfsplanung der Verwaltung für das Gewerbegebiet Schrodtberg beschlossen. Der Bürgerantrag der Initiative für ein Landschaftsschutzgebiet soll parallel zum Bauleitverfahren noch einmal im Umweltausschuss sowie im Landschaftsbeirat diskutiert werden.

(ied)
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