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Solingen: Hilfe für die Notschlafstelle

Solingen : Hilfe für die Notschlafstelle

Sylvia Löhrmann hat gestern die Notschlafstelle an der Hermannstraße besucht. Dort freut man sich nicht nur über die 400 Euro, die die Ministerin mitbrachte, sondern auch darüber, dass die Schließung erst mal vom Tisch ist.

Kamuran Sezer ist Leiter und Inhaber des "Futureorg Institut für angewandte Zukunfts- und Organisationsforschung". In dieser Eigenschaft berät er oft junge Leute über ihre beruflichen Chancen. Demnächst lässt er seine Klienten auf dem ausgemusterten Plenarsessel von Schulministerin Sylvia Löhrmann Platz nehmen.

Den hat der Soziologe im Internet ersteigert und inzwischen in Düsseldorf aus den Händen der stellvertretenden Ministerpräsidentin in Empfang genommen. Junge Leute sind es auch, die vom Erlös der Auktion profitieren: Die Bewohner der Notschlafstelle "Die 10". Dort überreichte die Ministerin gestern einen Scheck über 400 Euro, sie hatte den Erlös noch um 100 Euro aufgestockt für die Einrichtung.

Sessel war sehr unbequem

Nachdem die Bestuhlung im Plenarsaal des Düsseldorfer Landtags ausgetauscht wurde, konnte jeder Abgeordnete seinen Stuhl für 25 Euro kaufen. Das tat auch Sylvia Löhrmann. Doch behalten wollte sie den hölzernen Sessel, auf dem sie seit Oktober 1995 gesessen hatte, nicht. Zu unbequem auf Dauer, wie die Ministerin gestern beim Besuch an der Hermannstraße gestand.

Dass sie den Erlös an eine Einrichtung ihrer Wahlheimat Solingen spendete, freut das Team der Notschlafstelle nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Einrichtung, die vor einigen Wochen ihr 30-jähriges Bestehen feierte, von Schließung bedroht war. Da ihre Finanzierung eine freiwillige Leistung der Stadt ist, stand die "10" zur Disposition. "Der Förderverein hat erfolgreich gekämpft und viel Unterstützung in der Bevölkerung bekommen", sagt Vereinsvorsitzende Tanja Isphording.

"Toll, dass die Stadt sich eine Einrichtung wie die Notschlafstelle noch leistet", findet Rainer Pauli. Im kommenden Jahr, so der stellvertretende Jugendamtsleiter, wird das Haus von der Stadt komplett saniert.

Die Notschlafstelle als niederschwelliges Angebot für junge Menschen bis 26 Jahre ist bundesweit einmalig. "Die Grundidee war, dass man junge Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben, nicht mit alten Obdachlosen zusammen unterbringen kann", sagt Einrichtungsleiterin Monika Hackbarth. Die jungen Menschen sollen möglichst nach einem halben Jahr den Absprung in eine eigene Wohnung geschafft und im Idealfall eine Arbeit gefunden haben.

Bis dahin können sie in der "10" an Freizeitangeboten teilnehmen und bekommen Hilfe bei ihrer Lebensplanung. Besonderer Höhepunkt ist die jährliche Freizeit in Holland, die bei allen noch lange nachwirkt. Das Geld der Ministerin soll diesem Projekt zukommen.

(RP/rl)