Solingen: Herzblut fürs Union-Stadion

Solingen: Herzblut fürs Union-Stadion

Die Union mit ihrer Fußballtradition liegt ihnen am Herzen. Kommt das Stadion weg, verliert das ehrenamtliche "Pflegeteam" mehr als eine Sportstätte: "Das ist unsere Heimat, unser Zuhause." Eine Fan-Geschichte.

Hans Georg Melcher ist waschechter Unioner. Seit 60 Jahren ist er Vereinsmitglied. Logisch, dass er noch die glorreichen Zweitliga-Zeiten in den 1970er- und 1980er-Jahren miterlebte. Diese Liebe zu dem Verein mit den blaugelben Farben des Solinger Stadtwappens lässt sich nur mit der langen Tradition erklären. Und Frank Bergfeld, Holger Jacobs, Manfred Deutzmann, Ernst Drulla, Ralf Uthmann und Willi Hök empfinden das genauso.

Sie gehören zum 15-köpfigen "Stadien-Pflegeteam". Die Fans lassen möglichst kein Heimspiel der Union aus, reisen zu Auswärtsspielen auch nach Goch und stehen Woche für Woche bereit, um ehrenamtlich im Stadion Papierkörbe zu leeren, Tribünen zu fegen und die Anlage in Schuss zu halten. Auch gestern Nachmittag, als sie die abgefallenen Kastanien-Äste in der obereren, gesperrten Kurve unter dem 40 Meter hohen Flutlichtmasten fortschafften.

"Wir lassen uns nicht hängen"

"Ein wahrer Unioner", sagen sie mit Entschlossenheit, "der kommt nicht nur, wenn die Fußballer die Tabelle anführen und alle Gegner abschrubben – nein, der steht seinem Verein auch in schlechten Tagen zur Seite."

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Wie derzeit. Sie alle haben zwar schon viele unglückliche Gegentore erlebt, und sie können auch damit leben, dass die Union jetzt abgeschlagen Tabellenletzter in der Niederrheinliga ist. Dass aber das Stadion am Hermann-Löns-Weg, so wie im Sparpaket der Stadt vorgesehen, abgerissen werden soll, empfinden sie als Tiefschlag. "Das ist unsere Heimat. Es ist unser Zuhause. Wir stecken hier unser Herzblut rein."

Die Fans im Pflegeteam, die ihre Freizeit für den Verein opfern, sind enttäuscht von der Stadt. "Wir lassen uns aber nicht hängen, geben nicht auf." Mehr erwartet hätten sie sich auch vom Solinger Sportbund (SSB), der akzeptiert, dass das Stadion am Hermann-Löns-Weg als Sparmaßnahme aufgegeben werden soll (wir berichteten). "Die Union hat keine Lobby, nicht in der Politik, nicht beim SSB." Wenn das Stadion abgerissen wird, um teurem Bauland Platz zu machen, verschwindet nach der Überzeugung des "Pflegeteams" auch der Trainingsplatz samt Umkleiden und Vereinsheim. "So blauäugig sollte man doch nicht sein."

Im Frühjahr 2006 gründete sich die ehrenamtliche Arbeitsgruppe. Die 15 Fans verschaffen der Union damit finanzielle Luft. Denn Solingen hat sich von der laufenden Unterhaltung des städtischen Fußballplatzes verabschiedet, zahlt dem Verein dafür 60 000 Euro jährlich.

"Wir haben uns hier im vergangenen Jahr 88 Mal zu Arbeitseinsätzen getroffen, und wir haben insgesamt schon über 12 000 Arbeitsstunden geleistet", sagt Frank Bergfeld. "Wir empfinden eine starke Verantwortung für das Stadion." Freitagnachmittags sind stets tatkräftige Mitstreiter im Einsatz. Im Sommer wird anschließend gegrillt. "Hier sind richtige Freundschaften entstanden." In punkto Solidarität fühlen sie sich jedoch allein gelassen: "Die Stadt will der Union das Stadion wegnehmen, und es gibt keinen Aufschrei der Solinger Fußballvereine."

(RP)