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Helfer aus Solingen an polnisch-ukrainischer Grenze

Krieg in der Ukraine : Solinger Helfer an polnisch-ukrainischer Grenze

Eine Gruppe um SPD-Mann Josef Neumann hat Hilfsgüter nach Polen gebracht. Dort kommen tausende ukrainische Flüchtlinge an. Die Menschen sind oft verzweifelt. Am heutigen Freitag sollen zwei neue Transporte in Solingen starten.

Es sind Bilder, die Josef Neumann wohl nie vergessen wird. Eine Woche nach dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine erreichen immer mehr Flüchtlinge die polnisch-ukrainische Grenze. So sind am Mittwoch allein in der Region der ostpolnischen Stadt Przemysl  nach Schätzung des Solinger SPD-Landtagsabgeordneten etwa 30.000 Menschen – meist Frauen und Kinder – eingetroffen. Die Menschen waren zuvor häufig tagelang unterwegs gewesen und werden nun zunächst in Sammelunterkünften oder bei Freunden und Verwandten, die in Polen leben, untergebracht.

„Es ist wirklich herzzerreißend, was sich hier abspielt“, sagte Josef Neumann am Donnerstag. Er war Anfang der Woche mit anderen Helfern ins polnisch-ukrainische Grenzgebiet aufgebrochen, um vor Ort zu helfen. So brachte die Gruppe, zu der neben Neumann auch SPD-Ratherr Uli Preuss, der frühere Staatssekretär im NRW-Integrationsministerium, Thorsten Klute, sowie Joanna Szymanska von der Organisation „Info-Point-Polregio“ gehören, dringend benötigtes medizinisches Material an die Grenze, das von der Kplus Gruppe bereitgestellt worden war.

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Insgesamt war die Gruppe rund 23 Stunden unterwegs, ehe sie am Mittwoch im mehr als 1300 Kilometer entfernten Przemysl ankam. Wobei sich die Helfer schon am ersten Tag tief beeindruckt zeigten von der Solidarität, mit der die Flüchtlinge in Polen aufgenommen werden. „Die Menschen helfen, wo sie können“, sagte Josef Neumann, der den Aufenthalt in Polen unter anderem nutzte, um weitere Hilfe auf den Weg zu bringen.

 Ein polnischer Soldat trägt das Kind einer Mutter über den ukrainsch-polnischen Grenzübergang in Medyka. Hier kommen täglich zahlreiche Menschen an, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen.    Foto: Kay Nietfeld/dpa
Ein polnischer Soldat trägt das Kind einer Mutter über den ukrainsch-polnischen Grenzübergang in Medyka. Hier kommen täglich zahlreiche Menschen an, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen. Foto: Kay Nietfeld/dpa Foto: dpa/Kay Nietfeld

„Wichtig ist, dass zielgenau geholfen wird“, fasste der Parlamentarier am Donnerstag seine Eindrücke zusammen. Beispielsweise mache es zurzeit keinen Sinn, Kleidung oder Spielzeug zu schicken, schilderte Neumann. Nach Gesprächen mit regionalen und kommunalen Verwaltungen vor Ort rief er stattdessen dazu auf, wenn möglich Geldspenden zu tätigen und noch mehr medizinisches Material zu organisieren.

Tatsächlich werden wahrscheinlich schon am heutigen Freitag von Solingen aus die nächsten Hilfstransporte starten. So wird das Städtische Klinikum in Kooperation mit dem polnischen Generalkonsulat ebenfalls Medikamente und Verbandsmaterial in die Grenzregion schicken. „Unsere Apotheke hat Material im Wert von rund 12.000 Euro zusammengestellt“, sagte eine Klinikum-Sprecherin. Und auch die Kplus Gruppe hilft weiter. „Wir wollen Sachen wie etwa Medikamente, Scheren und Handschuhe direkt in eine Klinik in Kiew liefern“, teilte eine Sprecherin mit, die ferner berichtete, der Kontakt in die ukrainische Hauptstadt sei über Mediziner aus den beiden Krankenhäusern zustande gekommen.

 Joanna Szymanska (v.l), Thorsten Klute und Uli Preuss beim Ausladen des medizinischen Materials. Mit Josef Neumann waren sie rund 1300 Kilometer nach Polen gefahren. 
  Foto: Uli Preuß
Joanna Szymanska (v.l), Thorsten Klute und Uli Preuss beim Ausladen des medizinischen Materials. Mit Josef Neumann waren sie rund 1300 Kilometer nach Polen gefahren. Foto: Uli Preuß Foto: Uli Preuss

Gleichzeitig fliehen aber nach wie vor unzählige Menschen vor dem Krieg aus ihrer Heimat. Die polnischen Behörden stellen sich jedenfalls auf die Ankunft von weiteren Zehntausenden von Flüchtlingen ein. Darum wurden mit Hilfsorganisationen, aber auch mit der Unterstützung vieler Freiwilliger zusätzliche Unterkünfte zum Beispiel in Sporthallen geschaffen. Und es entstanden hinter der Grenze Zeltstädte, in denen sich die Menschen nach ihrer Ankunft von den Strapazen der Flucht erholen können.

Wie verzweifelt die Flüchtlinge dabei oftmals sind, haben Josef Neumann und die anderen Helfer in den vergangenen Tagen mit eigenen Augen gesehen. „Viele weinen“, sagte Neumann, der aber auch von positiven Erlebnissen zu berichten wusste. So konnten er und seine Mitstreiter zum Beispiel einer Gruppe von jungen taubstummen Menschen helfen, die am Mittwoch in Polen angekommen war und etwas verloren am Grenzbahnhof stand. „Diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind inzwischen in Berlin und fahren von weiter nach Wuppertal“, sagte Josef Neumann, nachdem es ihm gelungen war, einen Kontakt zu einem Verein im Bergischen zu knüpfen.

Überdies lernte seine Gruppe die am heutigen Freitag in Solingen zurück erwartet wird, eine junge Russin kennen, die in Berlin studiert und nach Polen fuhr, da sie den Angriff des russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht einfach hinnehmen wollte. „Es ist nun wichtig, dass wir uns auch in Deutschland vorbereiten, um den Opfern Putins zu helfen“, sagte Josef Neumann.