Hauptschule ist im Sommer Geschichte

Solingen : Hauptschule ist im Sommer Geschichte

Central-Schüler kämpften erfolgreich gegen den Umzug. Keine Platzprobleme oder Lehrermangel.

Nur noch wenige Monate, dann wird die Hauptschule Central Geschichte sein. Im Mai machen die drei Klassen des zehnten Jahrgangs ihren Abschluss. Dass die 64 Schüler ihr letztes Schuljahr an der Guntherstraße absolvieren würden - danach sah es im Januar 2017 allerdings nicht aus. Denn die Stadtverwaltung wollte die verbleibenden Klassen zur Hauptschule Höhscheid an die Krahenhöhe umsiedeln. Begründung: Mit so wenig Schülern lasse sich kein ordnungsgemäßer Schulbetrieb mehr sicherstellen.

Was folgte, war ein Kampf, der Schulverwaltung und Politik monatelang beschäftigte. Schüler, Eltern und Lehrer konnten sich mit ihrem Wunsch letztlich durchsetzen: Im Juni stimmte der Rat gegen den geplanten Umzug.

"Es hat sich gelohnt, zu kämpfen", sagt Schülerin Sarah (15) aus der A 10a der Hauptschule Central. "Ich finde es gut, dass wir hierbleiben konnten." Am Standort Guntherstraße kennen sie sich aus. In der Diskussion um den Umzug hatte die Stadtverwaltung unter anderem den Platzbedarf der Sekundarschule angeführt, die am gleichen Standort untergebracht ist. Dass dieser für die verbleibenden Hauptschüler nicht ausreicht, hat sich für die Jugendlichen nur in wenigen Punkten bewahrheitet.

"Wir können den Textilraum nicht mehr nutzen", sagt Aykut (15). Und für den Sportunterricht müssen die Zehntklässler knapp sieben Minuten zur Halle der Grundschule Yorckstraße laufen. "Aber das war für die Neuner und Zehner auch früher schon so, weil die Hallenzeiten nie ausgereicht haben", sagt Klassenlehrerin Dagmar Petzold-Geber.

Die Fachräume für Informatik, Kunst, Biologie, Physik und Hauswirtschaft stünden den Klassen weiterhin zur Verfügung - neben den drei Klassenräumen im Altbau. Bei der Raumverteilung habe man eine Lösung gefunden, "mit der alle leben können", bestätigt Anke Svensson, Leiterin der Schulverwaltung. Mehrmals habe man sich mit Vertretern der Hauptschule und der benachbarten Sekundarschule getroffen. "Ich habe den Eindruck, dass es keine Probleme gibt."

Sechs Lehrer hat die auslaufende Hauptschule noch. Damit könne auch der Fachunterricht abgedeckt werden, sagt Rektor Torsten Jacob. Fehlendes Personal war ein weiterer Knackpunkt, den die Schulverwaltung 2017 als weiteres Argument für einen Umzug zur Krahenhöhe angeführt hatte. Es gebe auch keine Abordnungen von Lehrern, erklärt Jacob. "Die Schüler haben jetzt natürlich weniger Ansprechpartner", räumt Petzold-Geber ein. Dafür sei die Arbeit aber intensiver. "Schüler und Lehrer sind nochmal zusammengewachsen", sagt der 17-jährige Florian.

Dass ihre Schüler sich im vergangenen Jahr erfolgreich für ihre Interessen eingesetzt haben, sei "Politik live" gewesen, findet Petzold-Geber. "Sie haben erfahren, wie sie Einfluss nehmen können." Die Jugendlichen wüssten nun, dass es sich lohne, um Dinge zu kämpfen, auch wenn die Umstände nicht die besten seien, ergänzt Torsten Jacob.

In wenigen Monaten werden die 64 Schüler ihren Abschluss machen. Wie es für sie weitergeht, ist bei den meisten noch offen. Viele wollen sich mit dem Halbjahreszeugnis für einen Ausbildungsplatz bewerben oder im Sommer an ein Berufskolleg wechseln. Auch die Lehrer wissen nicht, wo sie im nächsten Schuljahr unterrichten werden.

Dass die Hauptschule Central ausläuft, sei "irgendwie schon schade", findet Torsten Jacob, denn: "Es ist ein System, das immer funktioniert hat." Der Name seiner Schule werde aber nicht ganz verschwinden, betont der 15-jährige Rafael: "Auf unseren Zeugnissen steht er ja noch drauf."

(RP)