Hauptpost in Solingen: Weniger Pakete – mehr Platz

Paketabholung in Solingen : Hauptpost: Weniger Pakete – mehr Platz

Die Lage in der Post ist entspannt. Kunden müssen kaum noch warten. Ein Grund: Pakete werden dezentral abgeholt.

Es war ein Anblick, der vor nicht allzu langer Zeit wohl undenkbar gewesen wäre. Doch wer in dieser Woche etwas an den Schaltern der Solinger Hauptpost an der Birkerstraße zu erledigen hatte, den konnte tatsächlich ein ganz neues Servicegefühl überkommen. Denn dort, wo sich früher in den Mittagszeiten schier endlose Schlangen von Wartenden gebildet hatten, die nicht selten bis auf den Bürgersteig reichten, gähnte die Kunden zuletzt oft nur Leere an.

So verloren sich am Donnerstag gegen 13 Uhr beispielsweise gerade einmal acht Leute in der großen Schalterhalle. Was nach Ansicht der Post AG auch so bleiben sollte, sind die Erinnerungen im Konzern an das früher bisweilen unübersehbare Chaos doch noch recht frisch. Nachdem sich im Herbst 2017 nämlich mehrere Bedienstete in der zur Postbank gehörenden Hauptpost krank gemeldet hatten, war über Wochen hinweg eine Art Ausnahmezustand mit unzumutbar langen Wartezeiten ausgebrochen.

Ein Ärgernis, das mittlerweile der Vergangenheit angehört. Wobei an der neuen „Beinfreiheit“ in der Schalterhalle nicht allein die Genesung der Postbank-Mitarbeiter ihren Anteil hat. Vielmehr hat auch die Post zu der Entspannung ­beigetragen, indem sie die Sendungsabholung bei ihrer Paket-Tochter DHL seit einiger Zeit dezentralisiert. Soll heißen: Kunden, die von den Zustellern daheim verfehlt werden, werden zunehmend per Karte aufgefordert, ihre Lieferungen nicht mehr an der Birkerstraße, sondern in einem der stets zahlreicheren Paket-Shops abzuholen.

„Damit wollen wir den Leuten lästig fallende Laufwege ersparen“, sagte jetzt ein Post-Sprecher, der aber auch einige Kinderkrankheiten des neuen Systems einräumen musste. So sind längst nicht alle DHL-Shops, die meist von Kleinunternehmern geführt werden, groß genug, um viele Pakete zu lagern. Und das bringt es wiederum mit sich, dass mancher Kunde sogar längere Strecken als einst zurückzulegen hat.

Wie beispielsweise in dieser Woche ein Mann aus Höhscheid, der zum Ufergarten statt zur Hauptpost musste. Was in Anbetracht eines nur um wenige Meter verlängerten Weges kaum ins Gewicht gefallen wäre – wenn es da nicht das Parkplatz-Problem am Ufergarten gäbe. „Wie an der Hauptpost mit dem Parkplatz einfach schnell rausspringen, geht am Ufergarten jedenfalls nicht“, beklagte sich der Solinger, der zuletzt – einer alten Gewohnheit folgend – erst einmal an der Birkerstraße versucht hatte, an sein Päckchen zu kommen.

Ein Malheur, das öfters vorkommt und auch in der Post-Zentrale in Bonn bekannt ist. „Darum bitten wir die Kunden immer wieder, auf die Abholkarten zu schauen“, sagte der Unternehmenssprecher – wohlwissend, das sich der Kurs der Dezentralisierung kaum zurückdrängen lassen wird. Im Gegenteil, plant die Post doch, das Netz kleiner Shops in Solingen wie anderswo ständig enger zu knüpfen.

Zwar wollte der Logistik-Riese diese Woche unter Verweis auf „die Wettbewerbssituation“ keine genauen Angaben zu den Plänen in der Klingenstadt machen. Allerdings machte der Sprecher deutlich, dass nach und nach neue DHL-Shops hinzukommen werden.

Welche Folgen dieser Trend für die Hauptpost in der Innenstadt mit sich bringen wird, bleibt abzuwarten. „Sollte sich die Kundenfrequenz in der Filiale zukünftig signifikant verändern, werden wir dies bei unserer Personaleinsatzplanung natürlich berücksichtigen“, sagte ein Postbank-Sprecher am Freitag. Aktuell seien aber keine Veränderungen vorgesehen.