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Solingen: Hanaa S.: Schwager der Toten bestreitet Ehrenmord-Motiv

Solingen : Hanaa S.: Schwager der Toten bestreitet Ehrenmord-Motiv

Im Prozess um den Mord an Hanaa S. aus Solingen hat sich der hauptangeklagte Schwager (26) des Opfers erstmals zum Vorwurf des Ehrenmords geäußert. Über seinen Anwalt wies der Mann im Landgericht Wuppertal das mutmaßliche Tatmotiv zurück: "Er hat sich mit den angeblichen Grundwerten seines Glaubens seit seiner Einreise nach Deutschland nicht mehr beschäftigt."

Der 26-Jährige stammt aus dem Irak und ist Jeside. Er hat gestanden, hauptverantwortlich für den Tod der Schwägerin zu sein. Die Anklage wirft ihm und vier Angehörigen vor, Hanaa S. ermordet zu haben. Die Frau hatte sich von der Familie getrennt und verschwand im April 2015 aus einer Wohnung, in der sie sich versteckt hatte. Ihre vergrabene Leiche, mutmaßlich erdrosselt, fanden Fahnder im Sommer in Baden-Württemberg, nachdem der 26-Jährige die Stelle gezeigt hatte.

Dieser Angeklagte gibt an, allein gehandelt zu haben. Er habe nur seinen Neffen, den ältesten Sohn (19) des Opfers, am Tattag mitgenommen. Er hätte auf eine Einigung mit der Frau gehofft - im Streit um Gold. Das habe sie für ihn aufbewahrt, aber nicht zurückgeben wollen.

Er kümmere sich nicht mehr um jesidische Tradition, ließ der 26-Jährige hinzufügen. In dieser Tradition spielt laut einem Gerichtsexperten die sogenannte Familienehre eine entscheidende Rolle. Der Anwalt erläuterte: "Mein Mandant trinkt regelmäßig Alkohol und geht in Discos. Bei seinen diversen Beziehungen zu Frauen hat er sich um Religion nicht gekümmert." Mutmaßlich sei nichts davon mit den Ansichten traditioneller Jesiden vereinbar.

(dilo)