Prozess: Hanaa S.: Bundesgerichtshof entscheidet über Revision

Prozess : Hanaa S.: Bundesgerichtshof entscheidet über Revision

Deutlich vor Ablauf der Frist im vor einer Woche abgeschlossenen Mordprozess um Hanaa S. aus Solingen haben die vier verurteilten Angeklagten Revision eingelegt. Darüber informierte jetzt das Landgericht in Wuppertal. Die Männer wehren sich gegen langjährige Gefängnisstrafen wegen Mordes und Beihilfe, zu denen sie das Gericht am 102. Verhandlungstag verurteilt hatte.

Laut Feststellungen des Gerichts sollen die vier Angeklagten ihre Verwandten getötet haben, weil die ihre Vorstellungen von Familienehre verletzt habe - indem sie ihren Mann verließ. Ein Schwager (26) soll für die Tat im April 2015 lebenslang in Haft, der älteste Sohn (20) des Opfers nach dem milderen Jugendstrafrecht für neuneinhalb Jahre. Gegen den Ehemann (42) und ein weiterer Schwager (36) verhängten die Richter jeweils zehneinhalb Jahre, weil sie Gehilfen gewesen seien. Eine Schwägerin hatten die Richter freigesprochen, aus Zweifeln.

Über die Revision muss der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheiden. Dabei wird es allein um rechtliche Fragen gehen, Zeugen brauchen dafür nicht auszusagen. Mit einer Entscheidung ist in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Zunächst haben die Wuppertaler Richter noch 26 Wochen (bis Anfang August) Zeit, das Urteil zu dem Großprozess schriftlich zu begründen. Einen weiteren Monat beträgt die Frist für die Anwälte der Angeklagten, die ihr Rechtsmittel begründen müssen. Anschließend nimmt der Generalbundesanwalt Stellung. Dann erst entscheiden die höchsten deutschen Strafrichter. Die Angeklagten bleiben während dieser Zeit in Untersuchungshaft.

(dilo)
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