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Solingen: Haftstrafe nach illegalem Internethandel

Solingen : Haftstrafe nach illegalem Internethandel

Das forsche Auftreten des Angeklagten bereitete auch seinem Verteidiger offensichtlich Kopfzerbrechen: "Das ist jetzt Jura, das mache ich schon", raunte der Anwalt seinem mitteilsamen Mandanten zu. Die 16. Strafkammer des Wuppertaler Landgerichts sah es als erwiesen an, dass der 50-jährige Solinger urheberrechtlich geschütztes Material gewerbsmäßig unerlaubt verwertet hatte und verhängte zum Abschluss des Berufungsverfahrens eine sechsmonatige Haftstrafe auf Bewährung.

In erster Instanz am Solinger Amtsgericht war der Mann mit einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro davongekommen. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten nach der Verhandlung im vergangenen Herbst Berufung eingelegt. In den Jahren 2009 bis 2011 hatte der Angeklagte DVDs mit Konzertmitschnitten von Interpreten wie Sting, Jeff Beck oder Brian May im Internet verkauft und dabei einen Umsatz von rund 11 000 Euro erwirtschaftet.

Die Aufnahmen will er auf Flohmärkten in den Niederlanden gekauft haben, um sie wenig gewinnbringend weiterzuveräußern. Damit habe er Kontakte zu anderen Musikliebhabern knüpfen wollen, begründete der Angeklagte sein Vorgehen. Schon diese Form des Handels sei strafbar, stellte der Staatsanwalt klar, und bezeichnete die Einlassung des 50-Jährigen als unglaubwürdig. Bis zu 40 Exemplare derselben DVD hatte der Angeklagte in Umlauf gebracht.

Dass er derartige Kontingente auf dem Flohmarkt erstanden hatte, wollte der Staatsanwalt nicht glauben. Vielmehr gebe es deutliche Hinweise darauf, dass der Angeklagte die gekauften Originale bei sich zu Hause kopiert habe. Aus dem Inhalt von E-Mails des Solingers schloss die Staatsanwaltschaft, dass er zumindest die Möglichkeit gehabt hätte, sich Booklets für die DVD-Hüllen von Bekannten erstellen zu lassen. Eine Anzeige der GEMA hatte die Polizei auf die Spur des vierfachen Vaters gebracht. Bei einer Hausdurchsuchung hatten Ermittler auf Computer-Festplatten kopierfähige Dateien von sämtlichen in den Handel gekommenen Konzertmitschnitten sowie zahlreiche gebrannte Datenträger entdeckt. Der Angeklagte bestritt den Vorwurf des illegalen Raubkopierens. Nur für vereinzelte Freunde habe er Musik auf Rohlinge übertragen. Der Mann ist nicht vorbestraft.

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Der Richter bescheinigte ihm ein "agiles Verkaufsverhalten", würdigte aber, dass er nach Abzug sämtlicher Kosten nur wenig Geld aus seinen Geschäften verdient habe.

Als Bewährungsauflage muss er 120 Stunden in einer gemeinnützigen Einrichtung arbeiten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(ied)