Solingen: Haft für Solinger, weil er auf Bewährung pfiff

Solingen : Haft für Solinger, weil er auf Bewährung pfiff

Nein, der junge Mann auf der Anklagebank des Solinger Jugendschöffengerichts hatte nichts gelernt. Schon 2008 war der heute 18-Jährige wegen diverser Delikte, darunter Körperverletzung, zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Doch es half nichts – nachdem der junge Mann ohne Schulabschluss auch danach wieder straffällig wurde, geht er jetzt demnächst wahrscheinlich für ein Jahr, acht Monate ins Gefängnis.

Irgendwie muss der Solinger damit schon gerechnet haben. Die Begründung des Richters quittierte er jedenfalls mit verständnisvollem Nicken. Und wenn der 18-Jährige auch sonst in seinem Leben eher daneben lag, mit dieser Einsicht in das Unvermeidliche traf er diesmal ins Schwarze. Seit Frühjahr 2008 muss er Unmengen Marihuana bei einem Kumpel gekauft haben. Und als er schließlich ausgerechnet während einer Maßnahme in der Jugendhilfewerkstatt mit einem Joint erwischt wurde, entschloss er sich, reinen Tisch zu machen und den Dealer zu verraten.

An sich löblich, nur wird das in den Kreisen, in denen sich der Solinger bewegte, anders gesehen. "Ich wurde von der Familie meines Bekannten bedroht", erinnerte er sich gestern. Und nachdem die liebe Verwandschaft des Dealers auch noch Geld quasi als Privat-Buße verlangte, da, so fuhr der 18-Jährige fort, habe er eine Bekannte – aus Not – bestohlen. Ob's stimmt? Man weiß es nicht! Doch dafür wurde am Gericht umso deutlicher, dass der Angeklagte auf fast alle Bewährungsauflagen gepfiffen hatte. Sollte das Urteil Rechtskraft erlangen, muss er also ins Gefängnis. Wobei sich der Aufenthalt noch verlängern könnte, steht doch bereits die nächste Anklage ins Haus. Im Dezember soll er einen anderen Mann zusammengetreten haben.

Übrigens: Sein Dealer wurde schon Dienstag verurteilt: zwei Jahre – mit Bewährung.

(RP)
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