Solingen: „Gute-Laune-Tunnel“

Solingen: „Gute-Laune-Tunnel“

Grundreinigung, neuer Anstrich und viel, viel Licht – die achtwöchigen Bauarbeiten in der Unterführung am Hauptbahnhof in Ohligs haben sich gelohnt: Die Menschen fühlen sich dort wohler. Gestern war Einweihung.

Der Tunnel ist kaum wieder zu erkennen. Wo vorher dunkle Ecken waren, ist nun alles in helles Licht getaucht. Wo Dreck und Schmierereien die Wände verschandelten, erstrahlen nun saubere, schillernde Farben. Die Decke wurde hellblau gestrichen, die Wände leuchten zart-gelb. Dazwischen tauchen große Flächen mit knalligen Regenbogenfarben auf – mal horizontal, mal vertikal gestreift. Acht Wochen hat die Verschönerung des einstigen Schandflecks im Zentrum von Ohligs gedauert. Dass sich der Aufwand gelohnt hat, darüber war man sich gestern bei der Einweihung der Unterführung einig.

„Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, schwärmte SPD-Ratsmitglied Herbert Gerbig. Er war einer derjenigen, die sich für den Erhalt des Tunnels eingesetzt haben. Denn viele Politiker hätten ihn am liebsten gleich geschlossen. Auch Conny Strothkötter war hellauf begeistert. „Es ist so hell und freundlich“, erklärte die Vorsitzende der Ohligser Werbegemeinschaft. Das hier sei mal etwas ganz anderes – ein Konzept, das man so nicht kenne. „Ich nenne ihn schon den Gute-Laune-Tunnel“, verriet sie lachend.

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Für die „gute Laune“ hat Thomas Braedikow vom Planungsbüro L-Plan in Berlin gesorgt. Er hat das Farb- und Lichtkonzept entworfen. „Ich wollte die Atmosphäre des Tunnels ändern“, erklärte er. Das Hellblau und das Gelb symbolisierten Himmel und Erde. Mit den leuchtenden Regenbogenfarben habe er einen Kontrast geschaffen. Und es sind ja nicht nur die Wandfarben: An der Decke wurden zusätzlich zu den normalen Lampen kleine, bunte LED-Leuchten angebracht, die die Wände in verschiedenen Kombinationen anleuchten. „Das Licht streift über die Oberfläche der Wände“, erläuterte Braedikow. Bestimmte Farben träten durch diesen Beleuchtungswechsel in den Vorder-, andere in der Hintergrund. Dies erwecke den Eindruck einer Lichtwelle. So habe er Energie in den Tunnel gebracht.

Auch Wilja Müller ist von dem neuen Konzept begeistert. „Alles ist so hell“, erklärte die Solingerin. Sie lebt in Wald, arbeitet aber in Ohligs und geht jeden Tag durch die Unterführung. Sie sei immer froh gewesen, dass sie ihren Hund dabei gehabt habe. Vorher sei alles so verkommen und düster gewesen. Sie könne sich gut vorstellen, dass man allein als Frau abends Angst hatte. Doch sie gab zu bedenken: „Jetzt müssen wir erst einmal abwarten, ob das alles auch so sauber bleibt.“ Diese Sorgen beschäftigen auch den Ersten Beigeordneten Hartmut Hoferichter. „Wir hoffen, dass der Tunnel nicht gleich wieder verunstaltet wird“, betonte er. Die Stadt hat schon einmal vorgesorgt – für alle Fälle: Die Wände wurden mit einem Spezialanstrich grundiert, der sie vor Graffitis schützen soll.

(RP)
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