Güterhallenfest in Solingen: Werkschau besticht mit Vielfalt

Güterhallenfest in Solingen : „Werkschau“ besticht mit ihrer Vielfalt

Beim „Güterhallenfest“ verzichteten die Künstler auf ein gemeinsames Thema. Das minderte die Anziehungsraft nicht.

Schon auf den ersten Blick zog die Miniaturausgabe eines Nil-Frachtschiffs aus dem alten Ägypten viele Betrachter in seinen Bann: Doch erst bei genauem Hinsehen entfaltete es seine ganze Faszination. Denn Peter Amann von der Galerie Pest-Projekt gibt in seinem Werk immer wieder ausrangierten Gebrauchsgegenständen eine neue Bestimmung, vom verzierten Tortenheber über den Schuhlöffel bis zur Spule eines Radios. Sogar ein Orgel-Teil der Lutherkirche findet sich im filigran gebauten Schiffsmodel wieder. Viel Geschichte steckt auch in anderen seiner Objekte, wie etwa einer detailreich gestalteten Fischfangstation oder einem „Märchenturm“, den er aus einem rustikalen Holzbalken schuf. „Der stammt aus einer Scheune in Münster und ist über 400 Jahre alt“, erzählte Amann, während die Gäste durch den Ausstellungsraum in der ersten Etage wandelten.

Beim Güterhallenfest gaben die Künstler aus 16 Ateliers im Südpark am Samstag und Sonntag erneut Einblicke in ihr Schaffen der jüngeren Vergangenheit. Statt eines einheitlichen Mottos, das den Arbeiten in früheren Auflagen des Festes einen roten Faden verlieh, setzten sie diesmal auf Eigenständigkeit unter dem offenen Titel „Werkschau“. „Es ging darum, die ganze kreative Vielfalt zu zeigen und sich nicht festzulegen“, erklärte Südpark-Managerin Petra Krötzsch.

Ihre eigenen Schöpfungen präsentierten die Güterhallenkünstler dabei gemeinsam mit den Werken zahlreicher Gastkünstler. So begegneten dem Besucher auf dem Streifzug durch die Ateliers die unterschiedlichsten Gestaltungsarten und Themen: Malerin und Objektkünstlerin Beatrix Deus etwa platzierte schwarz-humorige „Pin-Up-Poesie“ witterungsbedingt zunächst unter Dach, später dann in einen Käfig auf der Wiese vor dem Flachbau. Darin erzählt Ody vam Bruok seine „Yorki-Trilogie“ über das traurige Ende eines Yorkshire-Terriers – verpackt in spritzige Verse, die an Texte von Wilhelm Busch oder Heinz Erhardt erinnern.

Inmitten des Ausstellungsraumes wiederum zogen weiße marmorierte Frauenkörper mit unverkennbaren Anzeichen einer Schwangerschaft viele Blicke auf sich. „Mich hat beschäftigt, wie sich der weibliche Körper in dieser Phase entwickelt“, erklärte Bildhauer und Familienvater Frederik Krahforst, der für seine Skulpturen Lindenholz kleinflächig abtrug und mit weißer Farbe überzog.

Beim Güterhallenfest zeigt Rüdiger Brede seine Skulptur „Die Welt als Apfel“. Foto: Alexander Riedel

Für die Bandbreite der Werke fanden auch Besucher lobende Worte: „Das ist eine interessante Mischung der Stile“, sagte etwa Henning Stein, der eher spontan mit Ehefrau und Kind in die Ateliers hineinschaute. „Wir haben auch einige spannende Malereien entdeckt, die uns gut gefallen haben“, fasste er seine Eindrücke zusammen.

Pavillons, die Bühne, auf der am Samstagabend die Ska-Band „Lax Alex Contrax“ auftrat, und weitere Objekte fanden sich auf der Wiese vor den Güterhallen – letztere am Samstag in eher überschaubarer Zahl. Von Anfang an im Freien bewundern konnten die Gäste die Skulpturen des Gronauers Rüdiger Brede, den Maler Régis Noel nach Solingen geholt hatte: Sie zeigten unter anderem die Erdkugel als äußerlich intakten und abgeknabberten Apfel sowie blitzende Metallkrieger und Drachen. „Wir haben im Hinblick auf die Wetterprognose zunächst viele Installationen in den Innenraum verlegt und am Sonntag nach draußen geholt“, sagte Petra Krötzsch, die sich mit dem Andrang am Wochenende zufrieden zeigte.

Am Sonntag zog es noch einmal viele Besucher zu einem Muttertagsspaziergang in den Südpark – aber auch zum Kauf ihrer Liebligsstücke für Wohnzimmerwand oder Vitrine. „Der Verkauf läuft eher am Sonntag“, bestätigte auch Peter Amann vom Vorstand des Güterhallenvereins, der einmal mehr auf eine intensive Vorbereitung für das Fest zurückblickte: „Die Schwierigkeit besteht immer darin, dass man sich selbst übertreffen will“, sagte er, schob aber stellvertretend für seine Kollegen hinterher: „Bis jetzt hat es immer geklappt.“

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