Solingen: "Gründer brauchen keine großen Gewerbeflächen"

Solingen: "Gründer brauchen keine großen Gewerbeflächen"

Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal" mit Vertretern der Ratsparteien im Walder Stadtsaal.

Knapp drei Wochen vor der Kommunalwahl hatte die Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal" die Vertreter der Parteien in den Walder Stadtsaal eingeladen, um sie zu ihren Plänen für das Ittertal zu befragen. Auf dem Podium versammelt waren für die Ratsfraktionen Bernd Krebs (CDU), Tim Kurzbach (SPD), Dietmar Gaida (Grüne), Reinhard Burski (BfS) und Rainer Gerhards (DSW). Die FDP nahm nicht teil. Cornelius Arendt und Moderator Helmut Nieder von der Bürgerinitiative sowie Stadtdirektor Hartmut Hoferichter vervollständigten das Podium.

Hoferichter informierte vorab zum aktuellen Planungsstand. Nach der durchgeführten Raumwiderstandsanalyse steht als nächster Schritt das Klimagutachten vor der Vergabe. Gegen Jahresende sollen die Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen.

Die erste Frage, die Helmut Nieder an die Vertreter der Parteien richtete, bezog sich auf die Strategien zur Sicherung bestehender und zum Recycling ehemaliger Gewerbeflächen. Bernd Krebs: "Unter fünf Hektar wird das Recycling von Flächen nicht mit Landesmitteln gefördert. Die Landesregierung prüft aber, diese Grenze herunterzusetzen." Dem entgegnete SPD-Fraktionsvorsitzender Tim Kurzbach: "Die Aussage' unter fünf Hektar kann nicht gefördert werden, ist falsch." Gleichzeitig fehle es aber auch an Ideen, wie mit den wiedergewonnenen Flächen umgegangen werden solle. Sein Vorschlag sei, eine Gründerinitiative zu starten. Dabei würden die kleinen, aber günstigeren Gewerbeflächen in Solingen dort beworben, wo Flächen teuer sind, beispielsweise in Düsseldorf. "Gründer brauchen keine großen Flächen."

Zum Flächenverlust durch Ansiedlung von Discountern fordert Rainer Gerhards: "Es muss gesetzlich geregelt werden, dass diese sich nicht mehr einklagen können." Außerdem sollten Gewerbegebiete nicht mehr nur flach, sondern auch in die Höhe bebaut werden, um Fläche einzusparen.

"Wenn Betriebe die Produktion aufgeben, gehen die Gewerbeflächen oft verloren, weil dann die Grundstücke durch Ansiedlung von Wohnraum oder Discountern veredelt werden", sagt Dietmar Gaida. Deshalb müsse die Nutzung als Gewerbefläche in den Bebauungsplänen festgeschrieben werden. Zudem gelte es, die bestehenden Flächen besser zu nutzen: Laut Flächenkataster seien im Stadtgebiet 50 Hektar verfügbar. "Diese Flächen müssen aber entwickelt werden."

Um den Flächenverbrauch gering zu halten, fordert Reinhard Burski: "Die vorhandenen Gewerbeflächen müssen vorab durchgeplant werden." Ohnehin würden eher kleine als große Flächen benötigt.

Einigkeit zeigten die Parteivertreter bei der Frage zur Bedeutung des Ittertals für das Klima. Sie orientieren sich hierbei an den wissenschaftlichen Gutachten. "Das Ittertal hat eine besondere Klimafunktion. Wenn man das Stadtklimagutachten von 1993 ernst nimmt, kann man den oberen Teil des Ittertals nicht bebauen", so Rainer Gerhards.

(RP)