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Große Hilfsbereitschaft nach dem Hochwasser: Solingen räumt auf

Nach dem Hochwasser : Solingen räumt auf

Entlang von Wupper und Eschbach werden seit Tagen Keller ausgepumpt, Massen an Sperrmüll abgefahren sowie Häuser, Wege und Straßen vom Schlamm gereinigt.

Das gesamte Ausmaß der Zerstörung in Unterburg wird bei den Aufräumarbeiten sichtbar. Überall häufen sich verdreckte, durchnässte Möbel und Elektrogeräte. Die Mitarbeiter der Technischen Betriebe (TBS) kommen kaum nach, den Sperrmüll abzutransportieren. Alleine am Samstag waren es rund 135 Tonnen.

Nachdem sich der Eschbach in sein Bett zurückgezogen hat, wird an einem einsturzgefährdeten Gebäude exemplarisch deutlich, welche Kräfte bei dem Hochwasser am Mittwoch und Donnerstag gewirkt haben. Die Wand ist weggerissen, ein riesiges Loch gibt den Blick auf den Keller frei. Ein Statiker wird das Haus begutachten – die Freigabe ist die Voraussetzung für weitere notwendige Tiefbauarbeiten.

In den vergangenen Tagen haben Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) allein in Unterburg etwa 60 vollgelaufene Keller ausgepumpt. Mitarbeiter der Netze Solingen haben inzwischen dafür gesorgt, dass Strom und Gas nahezu überall grundsätzlich wieder verfügbar ist. Haushalte, in denen es noch keinen Strom gibt, müssen sich nun an Elektro-Handwerkerbetriebe wenden.

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Neben Schaulustigen kamen in erster Linie viele Freiwillige am Wochenende nach Unterburg, um bei den Aufräumarbeiten mit anzupacken. „Der große Zustrom wurde allerdings zum Problem, weil der Stadtteil nach wie vor gesperrt bleiben muss“, berichtet Stadtsprecher Lutz Peters. Weil es sich an den Zufahrten zunehmend staute, wurden diese ab Samstagnachmittag gesperrt. Viele Helfer nahmen trotzdem – etwa ab Jagenberg – einen rund drei Kilometer langen Fußweg in Kauf. Diese wurde am Ortseingang vom Ordnungsamt kontrolliert, ob sie wirklich bei den Aufräumarbeiten unterstützen wollten.

Im Gegensatz zu Unterburg war es auf dem Campingplatz in Glüder unmöglich, mit schwerem Gerät zu arbeiten: Der Untergrund ist nicht befahrbar. Rund 20 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW waren vor Ort, um zunächst Vorzelte und andere Hindernisse zu beseitigen, damit die Wohnwagen erreicht werden können. Erst wenn Platz geschaffen ist, sollen eine Zufahrt angelegt werden, um die Wohnwagen erreichen zu können.

Nur wenige hundert Meter weiter am Balkhauser Kotten sind die Aufräumarbeiten weiter fortgeschritten als noch am Freitag vermutet. Bis zu 70 Freiwillige haben das durchnässte Inventar auf die Freifläche getragen und reinigten es zum Teil mit Hochdruckreinigern. Das funktionierte nur, weil Notstromgeräte zur Verfügung stehen. Das Hochwasser hat erhebliche Schäden hinterlassen, wie markante Spuren an den Wänden zeigen. An einigen Stellen ist sogar der Lehm freigelegt worden. „Schleifbänke mit einem Gewicht von rund 150 Kilogramm haben wir nach der Flut in ganz anderen Räumen gefunden“, sagt Nicole Molinari, Vorsitzende des Kuratoriums Balkhauser Kotten. Sie vermutet, dass es noch zwei bis drei Wochen dauern könnte, die Exponate und den Kotten zu reinigen. Aller Voraussicht nach wird das Museum erst 2022 wieder öffnen können.

Wie in vielen Bereichen entlang der Wupper sind noch Brücken und Straßen gesperrt. Das betrifft auch die Strecke zwischen Widdert und Haasenmühle, wo sich eine mehrere Zentimeter dicke Schlammdecke abgelagert hat. Nachdem am Freitag vor allem in Rüden Wasser aus den Häusern gepumpt worden waren, folgte am Samstag der Bereich Wipperaue mit Hotel und Wipperkotten. Auch bei Haasenmühle / Obenmühle standen die Keller mehrerer Häuser unter Wasser. Anwohner haben es hier größtenteils selbst beseitigt.

Wohnwagen vom Campingplatz Glüder wurden von der Flut zum Teil bis zum Wupperhof mitgerissen. Durch den Anprall sowie das Hochwasser könnte die dortige Brücke möglichweise Schaden genommen haben. Bis zur statischen Überprüfung bleibt das Bauwerk für den Fahrzeugverkehr gesperrt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser in Solingen