Großbaustelle in Solingen: Auf Schleichwegen zur Autobahn 3

Rund um den Höhscheider Weg : Großbaustelle: Auf Schleichwegen zur A 3

Die Großbaustelle Höhscheider Weg liegt im Plan. Ein Problem sind aber die Staus, die auch auf Seitenstraßen für mehr Verkehr sorgen.

Es handelt sich um eines der augenblicklich größten Straßenbau-Vorhaben Solingens. Seit dem Frühjahr setzt die Stadt den Höhscheider Weg zwischen Ohligs und Aufderhöhe instand. Bis Mitte 2020 sind die Bautrupps unter anderem damit beschäftigt, einen neuen Gehweg anzulegen und die Fahrbahn von Grund auf zu sanieren – wobei sich die im Zuge der Bauarbeiten eingeführte Einbahnstraßen-Regelung aus Sicht der Verantwortlichen im Rathaus durchaus bewährt hat.

Jedenfalls, so war jetzt aus der Verwaltung zu hören, bereite die momentane einspurige Verkehrsführung auf dem „Eselsweg“, die lediglich eine Durchfahrt von Ohligs nach Aufderhöhe gestattet, keine großen Schwierigkeiten. Im Gegenteil, so habe sich die „Einbahn-Regelung talabwärts gut eingespielt“, sagte eine Stadtsprecherin am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion.

Was allerdings weniger für die kleineren Anlieger-Straßen rund um die Großbaustelle Höhscheider Weg gilt. Denn diese werden seit dem Beginn der Bauarbeiten Mitte März von etlichen Autofahrern, die sich morgens auf dem Weg zur Autobahn A 3 befinden, als Schleichwege benutzt, so dass die dortigen Anwohner – gerade zu den Hauptverkehrszeiten – teilweise mit erheblichen Mehrbelastungen zu kämpfen haben.

Durchfahrt verboten – gleichwohl nutzen viele Autofahrer den Enzianweg, um den Stau zu umfahren. Foto: Uwe Vetter

Dabei bietet sich jeden Morgen das gleiche Bild: Zunächst geht es zügig auf der B 229 in Richtung Aufderhöhe. Und auch in Höhe der gesperrten Zufahrt zum „Eselsweg“ mit dem Schild „Mensch, der Höhscheider Weg wird ausgebaut“ fließt der Verkehr noch flüssig. Doch wenig später müssen die Autofahrer jäh abbremsen, weil der Rückstau, der sich nachmittags überdies in umgekehrter Richtung wiederholt, von der Kreuzung Aufderhöher Straße / Löhdorfer Straße einige hundert Meter lang ist.

Grund genug für genervte Verkehrsteilnehmer, die ebenso praktischen wie verbotenen Schleichwege zu nutzen. Von der B 229 fahren sie nach links in die Anliegerstraße Enzianweg ab, um über diese Route – die eigentlich nur Fahrradfahrern beziehungsweise Anliegern offen steht – via Fliederweg zur Gillicher Straße oder Gesundheitstraße und von dort auf die Bundesstraße in Richtung Autobahn zurückzugelangen.

Ein Verhalten, das sich mittlerweile auch bis zur Polizei herumgesprochen hat. Gleichwohl sind den Beamten des zuständigen Verkehrskommissariats in den meisten Fällen die Hände gebunden. Denn die Bezeichnung „Anliegerstraße“ gehört im deutschen Verkehrsrecht erfahrungsgemäß zu den eher dehnbaren Begriffen.

Rückstau hinter der Kreuzung Aufderhöher Straße / Löhdorfer Straße. Foto: Uwe Vetter

So fällt es der Polizei vergleichsweise schwer, zwischen den echten beziehungsweise den lediglich vorgetäuschten Anliegern zu unterschieden. Was wiederum damit zusammenhängt, dass sämtliche Besucher von Anwohnern, Kunden von Unternehmen sowie die Patienten von Ärzten postwendend selbst zu Anliegern werden, sobald sie in die betreffende Straße eingebogen sind.

„Das Problem rund um die Großbaustelle Höhscheider Weg ist uns bekannt“, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag. Tatsächlich sei es aber vor Ort kaum möglich, gegen die Falschfahrer vorzugehen. Denn immerhin, so der Sprecher, würde dies bedeuten, jedem einzelnen Autofahrer, der angehalten wird, anschließend hinterher zu fahren, um zu überprüfen, ob der angegebene Zielort wirklich angesteuert werde.

Ganz wehrlos gegen die unbefugte Nutzung von Anliegerstraßen wie dem Enzianweg sind die Anwohner aber dennoch nicht. „Sollten Autofahrer bemerkt werden, die zu schnell fahren oder sich anderweitig auffallend verhalten, empfiehlt es sich auf jeden Fall, uns zu verständigen“, sagte der Polizei-Sprecher. Die Kollegen würden dann zum Ort des Geschehens kommen, hieß es vonseiten der Polizei, die überdies versicherte, man werde die Gegend im Einzugsgebiet des Höhscheider Weges in der Zeit der Bauarbeiten bei Streifenfahrten im Blick behalten.

Bei der Stadt sind die Schleichwege ebenfalls aufgefallen. „Eine erhöhte Belastung gibt es zeitweise leider in den angrenzenden Wohngebieten, da Autofahrer ausweichen“, teilte das Rathaus mit. Prinzipiell bleibt die Stadt jedoch dabei, mit der Teilsperrung des „Eselswegs“ die richtige Strategie gewählt zu haben. So sei ein „beschleunigter Ablauf der sehr umfangreichen Arbeiten“ gewährleistet.

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