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Gleissperrung in Wuppertal: So läuft der erste Tag für Pendler

Kein Zug fährt durch Wuppertal : So lief der erste Morgen der Gleissperrung

Der erste Ansturm ist vorbei: Tausende Pendler mussten am Montagmorgen in Busse umsteigen, weil in den Ferien kein Zug durch Wuppertal fährt. Die Bahn bewertet den Start positiv.

Normalerweise findet Laura Wiora den Weg von ihrer Universität in Wuppertal bis nach Hause fast blind, am Montagmorgen aber braucht sie erst einmal einige Minuten, um sich zu orientieren. "Ich bin gerade etwas aufgeschmissen, weil ich nicht weiß, wo die Busse in Richtung Köln abfahren", sagt die 23-Jährige. "Eigentlich dachte ich, die Busse würden alle von derselben Stelle abfahren." Knapp zwei Stunden habe sie mit dem Ersatzverkehr aus Köln-Deutz nach Wuppertal gebraucht, normalerweise dauere die Fahrt eine halbe Stunde.

Die 23-Jährige ist eine von Tausenden Pendlern im Bergischen Land, die in den kommenden sechs Wochen Bus fahren müssen statt gemütlich mit der Bahn zu reisen. Seit Sonntagabend, 22 Uhr, ist die Bahn-Strecke durch Wuppertal dicht. Grund für die Sperrung sind die Abschlussarbeiten an einem neuen, elektronischen Stellwerk der Bahn für 32 Millionen Euro in Wuppertal-Vohwinkel, das einmal dafür sorgen soll, dass es auf der Strecke weniger Verzögerungen gibt.

Alle Informationen zum Schienenersatzverkehr erhalten Sie hier.

Nachdem es während der ersten Sperrung in den Osterferien hier und da Probleme gegeben habe, sei der Start dieses Mal geglückt, findet Bahnsprecherin Kirsten Verbeek. "Die meisten Busse, insbesondere auf der Hauptstrecke nach Düsseldorf über die A46, waren pünktlich. Es gab zwar Ausreißer, deren Verspätung hielt sich aber im Rahmen", sagt die Sprecherin am Rande eines Pressegesprächs am Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen, zu dem die Bahn geladen hatte. Während der Sperrung in den Osterferien hatten Pendler unter anderem überfüllte Ersatzbusse bemängelt, für die Sommerferien hat die Bahn die Kapazitäten aufgestockt.

Hier muss die Bahn nachbessern

Noch aber läuft es nicht an allen Haltestellen reibungslos. Wer beispielsweise in Wuppertal-Oberbarmen von den Gleisen zu den Ersatzbus-Haltestellen auf der Rückseite des Bahnhofs will, muss durch einen Tunnel, den einige Rabauken offenbar als Toilette missbrauchen. Es stinkt nach Urin, und auf dem Boden stehen Regenpfützen.

Am Hauptbahnhof in Wuppertal irren am Montagmorgen einige Pendler orientierungslos über die Straße. Denn die Ersatz-Haltestellen der Busse in Richtung Düsseldorf und Köln sind noch einmal ein paar hundert Meter weiter vom Bahnhof entfernt als in den Osterferien. Die Busse halten am Parkplatz vor der Schwimmoper, der zu Fuß rund zehn Minuten vom Bahnhof unterwegs ist. Nass werden Pendler dort nicht. Die Bahn hat Wartehäuschen aufgestellt.

Was am Hauptbahnhof in Wuppertal noch nicht so gut zu klappen scheint, funktioniert in Oberbarmen besser. Pendler, die den Weg zum Schienenersatzverkehr suchen, müssen nur lila Aufklebern auf dem Boden folgen. Alexandra Böhle aus Witten hat den Weg sofort gefunden. "Alles hat gut geklappt", sagt die 20-Jährige, die zum Hauptbahnhof will.

Schilderwald an den Bahnhöfen

Insbesondere in den Stoßzeiten steht den Reisenden an den Umsteigebahnhöfen Service-Personal zur Verfügung. Es gibt Servicemitarbeiter, die Schaffner-Uniformen tragen, außerdem pro Haltestelle rund ein Dutzend sogenannter Reisenden-Lenker, wie es in Bahn-Deutsch heißt, die kleine Geschenke verteilen. "An unseren Baustellen haben Sie ganz schön zu knabbern", steht auf einer Tüte mit Studentenfutter, die von den Mitarbeitern verschenkt werden. Läuft es irgendwo nicht rund, können die Mitarbeiter meistens helfen.

Bahn-Bedienstete werden die Umsteigebahnhöfe in den nächsten beiden Wochen genau beobachten. "Wir schauen, ob die Kapazitäten und Abfahrtszeiten ausreichen und stehen dafür auch mit den einzelnen Bahnunternehmen in Kontakt", sagt Uwe Sonnenschein, der den Bus-Ersatzverkehr koordiniert hat. "Es ist der größte Ersatzverkehr, den wir bislang organisiert haben", sagt er und wirbt um Verständnis. 230 Busfahrer sind in den Sommerferien im Einsatz. "Sie kommen aus ganz NRW", sagt Sonnenschein. Jeder von ihnen habe die Strecke, die ihr jeweiliger Ersatzbus zurücklegt, vor der Maßnahme mehrfach abfahren müssen. "Um sicherzustellen, dass sie auch den Weg kennen."

Eine andere Baustelle sind die vielen Schilder. Die Bahn habe in der Vergangenheit oft damit zu kämpfen gehabt, dass einige abgerissen, übermalt oder anders beschädigt wurden. Immer wieder müssten Bahn-Mitarbeiter in den Sommerferien kontrollieren, ob die Beschilderung noch intakt sei, berichtet ein Service-Mitarbeiter der Bahn, der am Morgen Buch führt über das, was gut läuft - und was noch nicht.

Und wie klappt's bei Ihnen mit dem Schienen-Ersatzverkehr? Schreiben Sie uns bei Facebook facebook.com/solingermorgenpost oder schreiben Sie uns eine Mail redaktion@solinger-morgenpost.de.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schilderwald weist weg zu Ersatzbussen